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Der doppelte Prêtre: Samstagabend erfährt René Prêtre im Strandrestaurant von seinem Sieg (o.). Gleichzeitig hält er seine Dankesrede am TV – im OP-Anzug aus dem Spital in Maputo. (Keystone/SI)
Rund 800000 Zuschauer sassen am Samstag letzter Woche vor ihren TV-Geräten, als der Schweizer des Jahres bestimmt werden sollte. Entschieden wurde dies per SMS-Abstimmung – schliesslich fiel die Wahl des Publikums auf den Herzchirurgen René Prêtre.
Der weilte aber zu diesem Zeitpunkt in Mosambik. Kein Problem – dachten wohl die meisten im Saal und das Gros der Zuschauer daheim –, für so was gibt es ja modernste Technik. «Wir haben ihm aber die frohe Botschaft überreichen können und wir schalten jetzt noch mal nach Maputo, nach Mosambik, zu ihm», verkündete denn auch Moderatorin Sandra Studer. Sekunden später war auf der Grossleinwand im Studio ein freudig überrascht wirkender Prêtre in Arbeitskleidung zu sehen: «Wow, das ist einfach unglaublich!» Flinkes Fernsehen, dachten die Zuschauer.
Was SF nicht transparent machte: Prêtres Statement war Tage zuvor aufgezeichnet worden – für den Fall, dass er gewinnen würde. Sven Sarbach, SF-Redaktionsleiter Events, räumt ein: «Der Satz der Moderatorin wurde in der Hitze des Gefechts nicht ganz korrekt formuliert; sie hätte sagen sollen: ‹Für diesen Fall haben wir eine Videobotschaft erhalten.›» Sarbach weiter: «Wir überlegen uns, in Zukunft, wenn möglich, eine Live-Telefonschaltung zu machen.» Keinesfalls habe SF den Eindruck erwecken wollen, man stehe live mit Prêtre in Kontakt.
Tatsache ist: Vielen Zuschauern kam die Sache spanisch vor. Am Montag berichtete die «Schweizer Illustrierte», wie Prêtre wirklich von der Wahl zum Schweizer des Jahres erfuhr: Er sass bei Krabben, Fisch und Pommes frites in einem Strandrestaurant – die frohe Botschaft überbrachte ihm eine Krankenschwester, die diese via iPhone erfahren hatte.
Sarbach weist den Verdacht von sich, bei der Wahl sei etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen: «Die Wahl wird von einer juristischen Auskunftsperson überwacht.»
Die Redaktion habe für alle Nominierten, die nicht anwesend sein konnten, eine Lösung in der Schublade gehabt. Stefanie Heinzmann, Pipilotti Rist und Michelle Hunziker hatten laut Sarbach Stellvertreter im Saal, die im Fall des Sieges eine Botschaft überbracht hätten. Mit Christoph Franz hatte SF ebenfalls eine Videobotschaft aufgezeichnet – vorsorglich.
Gut für Franz: Falls er nächstes Jahr erneut nominiert sein und sogar gewinnen sollte, ist der Freudenschrei schon auf Band.