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Sechs Jahre sitzt Ingrid Deltenre an der Spitze des Schweizer Fernsehens. Dabei hat sich die TV-Direktorin nicht nur Freunde geschaffen. Vor kurzem wurde Kritik an ihr und am SRG-Generaldirektor Armin Walpen besonders laut: Walpen wollte die SF-Direktorin im Alleingang zur Superintendantin der SRG nach der geplanten Zusammenlegung von Fernsehen, Radio und Online im Jahr 2011 machen.
Vor allem die Radio-Macher wehrten sich. DRS-Direktor Walter Rüegg räumt seinen Posten 2009 vorzeitig zugunsten von Iso Rechsteiner, damit dieser im Kampf um den Posten des Superintendanten gegen Ingrid Deltenre antreten kann.
Doch zum Showdown kommt es nicht, die SF-Direktorin verlässt den Leutschenbach trotz guter Chancen auf den Job Ende Jahr!
Sie wechselt zur European Broadcast Union (EBU) in Genf. Dort übernimmt die TV-Frau ab Anfang 2010 den Posten der Generaldirektorin. Der Exekutivrat der EBU hat Ingrid Deltenre heute in dieses Amt gewählt.
«Für mich ist der Moment gekommen, etwas Neues anzufangen. An der neuen Aufgabe reizen mich vor allem die internationale Ausrichtung der multinationalen Organisation sowie die breite attraktive Aufgabenpalette. Bei SF konnte ich zusammen mit motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern viel bewegen. Besonders freut mich, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer unsere Programme in hohem Masse schätzen und ihnen eine hohe Qualität attestieren. Ende Jahr darf ich meiner Nachfolge ein gut funktionierendes Unternehmen übergeben», meint Ingrid Deltenre.
Die 48-jährige wurde auf den 1. Januar 2004 zur Direktorin des Schweizer Fernsehens gewählt. Zuvor war sie Geschäftsführerin der publisuisse.
Armin Walpen bedauert als Generaldirektor SRG SSR idée suisse den Abgang von Direktorin Ingrid Deltenre sehr: «Sie hat einen ausgezeichneten Leistungsausweis vorzuweisen. Mit grossem Erfolg hat sie das Schweizer Fernsehen programmlich und strukturell neu positioniert und es ins digitale Zeitalter geführt. Sie hat Wege gefunden, auf welchen SF den immer unterschiedlicheren Ansprüchen des Publikums gerecht wird. Trotz der mächtigen ausländischen Konkurrenz erzielt SF nach wie vor hervorragende Quoten.»
Über die Nachfolge der SF-Direktion wird der Verwaltungsrat SRG.D in den nächsten Tagen beraten. Es gilt, die Führung von SF bis zur Zusammenlegung mit SR DRS Anfang 2011 sicherzustellen.
Armin Walpen hat eine klare Vorstellung von seinem neuen Fernsehdirektor oder seiner neuen Fernsehdirektorin. Offen, flexibel, aber vor allem risikobereit sollte die Person sein. «Denn es ist ein Job auf Zeit, nur solange, wie die beiden Unternehmen noch nebeneinander bestehen.»
In 12 bis 16 Monaten gebe es ein neues Unternehmen, das vielleicht von einem der beiden Direktoren geführt werde, sagte der Generaldirektor weiter. «Vielleicht kommt aber auch jemand Neues.» (zvg/zeb)