TV-Skandal um Kommandant der SF-Doku «Alpenfestung» SF blamiert wie nie!

  • Publiziert: 16.07.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Hannes Heldstab, Gabriel Brönnimann und Peter Padrutt
play TV-Kommandant hat Geld veruntreut:

Und erneut hatte das Schweizer Fernsehen einen handfesten Skandal: 12 Tage vor Sendestart vom 27. Juli diesen Jahres wird Kommandant Alfred Strahm unehrenhaft entlassen. Alfred Strahm ist vorbestraft: Am 9. April 2008 wurde er zu einer Geldbusse von 1050 Franken verurteilt, weil er Sponsorengelder für einen Hornusser-Wettbewerb im Wert von 11´200 Franken veruntreute. (SF/Dieter Seeger)

SF feuerte den Festungs-Kadi Alfred Strahm (58), weil er zu gern lügt. Er ging «aus persönlichen Gründen», lügt das Fernsehen.

Zwei Offiziere, vier Unteroffiziere und 18 Soldaten bemannen die Artilleriefestung Fürigen bei Stansstad NW. Bloss: Jetzt sind sie führerlos (im BLICK). Und das 11 Tage vor der Reality-Show «Alpenfestung – Leben im Réduit» (täglich 19.05 Uhr, SF 1).

Das Prestige-Projekt des SF der Lächerlichkeit preisgegeben – wie konnte es soweit kommen?

Tatsache ist: Die SF-Personenkontrollen waren zu lasch. Einen Strafregisterauszug mussten Kandidaten nicht vorlegen (siehe Interview). So beförderte SF Alfred Strahm zum Festungs-Kadi. Im wahren Leben war Strahm 31 Jahre bei der Schweizer Armee, zuletzt im Rang eines Majors der Festungstruppen. Sagt Strahm. Aber was heisst das schon?

Wer ist dieser Strahm wirklich? In Langenthal BE kennt man ihn und seine Tricks. Besonders die Hornusser-Gesellschaft Schoren: Strahm trieb 2006 als Organisator des Remax-Cups 11 200 Franken Sponsorengelder auf. Der Verein sah keinen Rappen – Strahm behielt alles für sich, berichtete eine Regionalzeitung. Am 9. April 2008 wird Strahm zu einer Geldbusse von 1050 Franken verurteilt.

Kommandant Strahm – die Rolle hätte er perfekt gespielt. Wie überhaupt so ziemlich jede Rolle – er sei ein Münchhausen, sagen Bekannte. «So wie der Alfi schauspielern kann, hat mich das alles nicht überrascht», sagt ein Hornusser.

Strahm, der Lustige: In einer Zeitung brüstete er sich, er trainiere die deutsche Hornusser-Nationalmannschaft. «Chabis – wo solls die denn schon geben? Es gibt ja nicht mal bei uns eine», lacht ein Hornusser. Der Präsident eines Hornusser-Vereins formuliert Strahms Talent so: «Wenn der mal loslegt, verkauft er sogar einem Eskimo einen Kühlschrank.»

Ganz so erfolgreich, wie sich Strahm nach seiner Ernennung zum Festungs-Kadi gebärdete, ist er privat aber nicht. Im Gegenteil. «Immobilientreuhänder» tönt zwar gut, ist aber kein geschützter Titel.

Mancher Geschäftskunde wäre Strahm gern nie begegnet. Bei einem hat er seit Jahren Schulden. Als dieser Einsicht in Strahms Betreibungsauszug nahm, gab er auf: «Es hatte keinen Wert, etwas holen zu wollen.»

Strahms Ex-Arbeitgeber Anton Mulser (50) von der Immobilienfirma Remax Oberaargau zu BLICK: «Sein Auftritt stimmt. Damit hat er wohl die vom TV überzeugt.» Später arbeitete Strahm als Vertreter von Saucen, Bouillon und Trockengemüse für die Gelo Gourmet GmbH.

Spannend – und peinlich fürs SF – ist aber vor allem Strahms Abschied vom Reality-Réduit. SF verschickte am Dienstag um 20.33 Uhr ein E-Mail von der «Sendeleitung»: Strahm ziehe sich «aus persönlichen Gründen» zurück.

Die Wahrheit: SF hatte schon länger Hinweise von Zuschauern über Strahms Vergangenheit – fand aber nichts heraus. Strahm schwieg. Eine Berner Lokalzeitung schrieb am Dienstag eine Strahm-Story – nur die Stellungnahme des SF fehlte. Gleichentags wandte sich – oh Wunder – das SF an die Zeitung, und bekam alle Unterlagen über Strahm ausgehändigt. Kurze Zeit später wird Kommandant Strahm zurückgetreten.

«Weil er gelogen hat», sagen Insider übereinstimmend zu BLICK. Das SF verkündet wenig später im Mail: Strahm «zieht sich aus persönlichen Gründen» zurück.

Strahm selbst wollte dem BLICK gestern Rede und Antwort stehen. Er war, wir ahnten es, unerreichbar.

Münchhausen eben.

Überall.



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