«Die grössten Schweizer Talente» Publikumsrat ist empört über die Quotenjagd mit Toten

  • Publiziert: 07.02.2011, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Peter Padrutt

Der Fall der kleinen Anthea Beyeler (10), die in «Die grössten Schweizer Talente» für ihren schwer kranken Vater Flamenco tanzte, hat Konsequenzen.

Der Fall der kleinen Anthea Beyeler (10), die in «Die grössten Schweizer Talente» für ihren schwer kranken Vater Flamenco tanzte, hat Konsequenzen. «Ich finde es höchst bedenklich, solche Bilder zu zeigen», empört sich Manfred Pfiffner (48), der Präsident des SRG-Publikumsrats, gestern gegenüber BLICK. «Das Kindswohl wurde völlig übergangen.»

Mit den Reaktionen überfordert

746 000 Zuschauer wurden am Samstag mit ergreifenden Bildern konfrontiert: Antheas todkranker Vater Alfred verfolgt vom Bühnenrand aus unter Tränen den Auftritt seiner Tochter. Er leidet an Lungenfibrose, braucht Sauerstoff.

Nach dem Auftritt rennt Anthea zu ihm, umarmt ihn. Das war bei der Aufzeichnung der Show am 11. Dezember. Inzwischen ist Alfred Beyeler († 61) tot – die erschütternden Szenen wurden einen Tag nach seiner Beerdigung ausgestrahlt. «Auch wenn es der Wunsch des Vaters war, dass seine Tochter in der Talentshow auftritt – eine 10-Jährige kann eine solche Situation gar nicht einschätzen und ist mit den Reaktionen überfordert», sagt sich Pfiffner.

SF hat Grenzen überschritten

Das Schweizer Fernsehen könne die Verantwortung auch nicht auf die Eltern abschieben, deren ausdrücklicher Wunsch die Teilnahme der Tochter war. «Da es sich um eine Aufzeichnung handelte, hätte man die Sequenz mit dem todkranken Vater problemlos rausschneiden können», so Pfiffner. «Sowas zeigt sonst nur das Privatfernsehen. Hier hat SF Grenzen überschritten.» Pfiffner wird den Fall Anthea an der nächsten Sitzung des Publikumsrats am 17. Februar zur Sprache bringen.