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Eigentlich war es ja schön angedacht: Das Schweizer Fernsehen wollte die an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkankte Nella Martinetti (63) in der vierten Staffel endlich ehren.
Verdient hat es die Entertainerin. In jüngeren Jahren, als sie noch bildhübsch war, schaffte sie es sogar bis in die deutschen Charts und feierte Erfolge mit Schlagern und Tessiner Liedern. Mit «Bella Musica» gewann sie 1986 sogar den «GP Prix der Volksmusik».
Zum Start der vierten Staffel von «Die grössten Schweizer Hits» hat nun Sven Epiney die kranke Nella zu Hause in Jona SG besucht – das, nachdem das SF die Entertainerin drei Staffeln links liegen gelassen hatte. Alles wirkte schön und rührend. Epiney war heiter wie immer. Und Nella war aufgedreht, denn sie hatte gerade einen guten Tag. Oft liegt sie im Bett und leidet unter den Nebenwirkungen des Morphiums.
Auf Epineys Frage «Kommst du in die Sendung?», antwortete sie: «Meine Stimme tönt zwar nicht mehr so gut, aber ich könnte ja eine Ausnahme machen. Die Bedingung ist, dass du und deine Gspänli mitsingen.» Sven Epiney stimmte sofort euphorisch zu.
Wie BLICK weiss, erfuhren Francine Jordi, Roman Kilchsperger und Beni Thurnheer am Sonntag gerade mal eine Stunde vor der Sendung von dieser Aktion. Nella ehren, ja das ist eine schöne Sache – aber dass sie mit einer Todkranken ein lustiges Ständchen singen sollten, hat Jordi & Co entsetzt. In der Sendung machte die Schlagersängerin dann gute Miene zum bösen Spiel und sagte, dass sie zu «Bella Musica» ja im Backgroundchörchen mitsingen könnte.
Doch ihr Gesichtsausdruck sagte alles. Wie hätte sie auch reagieren sollen? Hätte sie in der Show gesagt, sie wolle mit Nella nicht das Kalb machen, hätte sie vielleicht Zuschauer verärgert. Kilchsperger hatte es leichter, er konnte seinen Unmut mit einem seiner frechen Sprüche überspielen. Nur Thurnheer sprach Klartext: «Ich sehe mich als Zuschauer. Es gibt nur eine Todsünde mehr als in der Bibel aufgeführt. Wenn TV-Moderatoren meinen, sie müssten singen.»
Überraschend ist, was Nella zum Ganzen sagt. «Es war die Idee des Fernsehens, dass ich zusammen mit ihnen singen soll. Ich sagte ihnen, ich kann doch nicht mehr singen», erzählt sie dem BLICK. «Dann sagten sie: Momoll, Nella, wir machen was Lustiges, du singst einfach mit den anderen zusammen!»
Fakt ist: Seit Sonntag wird hinter den Kulissen der «Grössten Schweizer Hits» diskutiert, wie man den Schaden in Grenzen halten kann. Nella gibt gegenüber BLICK zu, dass sie manchmal verwirrt ist von den vielen Medikamenten, die sie nehmen muss.
Aber es ist eigentlich egal, ob sie selber oder das Fernsehen die Idee für das heitere Chorsingen mit einer Todkranken hatte. Inzwischen weiss man beim Fernsehen, dass man den Beitrag so nicht hätte senden sollen. Nella sagt inzwischen: «Ich habe Angst, dass ich bei meinem Auftritt eher weinen werde als zu lachen.»
Jetzt versucht man noch die Kurve zu kriegen. Es ist anzunehmen, dass Sven Epiney am Sonntag sagt, dass Nella zwar in einer der kommenden Sendung geehrt werde. Aber auf eine Art, die weder pietätlos noch peinlich wirkt.
Nella Martinetti freut sich nach wie vor über die geplante Ehrung. Doch sie hält auch kurz inne und sagt: «35 Jahre lang machte SF keinen Mucks. Jetzt, wo ich sterbe, kommen sie plötzlich. Warum eigentlich?»