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An Beni (60) kommt keiner vorbei. Die Kommentatoren-Ikone hat zwar mitunter Mühe, dem Spiel konzentriert zu folgen. Dank Routine und Wortwitz kann er aber noch immer jedes Spiel in letzter Sekunde wenden.- Philippe Rossier
Herr Thurnheer, hat sich das Re-Design von Benissimo bewährt?
Beni Thurnheer: Ja, sehr. Es ist nun fünf Sendungen her. Vor allem das neue Studio kommt gut an, nur bei den Spielregeln gibt es eine Änderung: Wir schaffen die Niete wieder ab. Es gab negative Zuschauer-Reaktionen. Die Leute mögen es nicht, wenn jemand den Zonk zieht. Und weil wir Benissimo für die Zuschauer machen, haben wir nachgegeben und die Niete abgeschafft.
Auch die Friends-Sketche sorgten für Negativ-Schlagzeilen. Wie finden Sie persönlich die Witze?
Gleich lustig wie sonst Witze. Es kommt nicht drauf an, was für ein Witz es ist, sondern ob man ihn schon kennt. Aber wir haben uns das zu Herzen genommen und probieren, eine Verbesserung hinzubekommen.
Wie denn?
Erstens filmtechnisch, und zweitens wird Autor Domenico Blass – er schreibt auch die Gags für Giaccobo/Müller – per sofort beratend zur Seite stehen. Ich bin gespannt, ob die Zuschauer einen Unterschied bemerken.
Haben Sie einen Lieblings-Witz?
Keinen von Benissimo. Grundsätzlich habe ich Mühe mit Witzen, die zulasten anderer gehen. Wenn ich einen Scherz mache, geht der immer auf meine Kosten.
Bei Ihnen läuft viel – in Kürze werden Sie auch bei der «Helden»-Sendung dabei sein.
Genau, wir werden den besten Schweizer Fussballer küren. Das Auswahl-Verfahren ist ziemlich kompliziert. Wer gewinnt, weiss ich nicht – aber für mich ist Stéphane Chapuisat der Beste. Er gewann die Champions League mit Dortmund.
Sportkommentatoren gelten als unsportlich. Stimmt das für Sie?
Überhaupt nicht! Ich gehe drei Mal die Woche Mountain-Biken. Ich habe zwei Runden – entweder 14 Kilometer oder die 16-Kilometer-Runde. Wenn ich top-fit bin, mache ich gleich beide Runden.
Nach Ihrer Weltreise im letzten Jahr waren Sie drei Kilo leichter. Haben Sie die wieder drauf?
Oh ja – dank Olympia in Vancouver. Das ist systembedingt: Zwölf Stunden täglich in dieser Eishalle, wo es nur Fastfood wie Chiliwürste zu essen gab.
Wie bereiten Sie sich auf die Fussball-WM vor?
Ich lerne jeden Tag zwei Stunden für die WM, schreibe täglich drei Spielerkärtchen. Mittlerweile geht das ganz einfach – dank Wikipedia! So komme ich langsam ins WM-Fieber.
Sammeln Sie auch Panini-Bilder?
Ja, klar! Und die Zeit zum Einkleben schreibe ich als Arbeitszeit auf (lacht).
Heuer wird Ihre 9. WM sein, an der Sie kommentieren. Ihre letzte?
An der nächsten WM in Brasilien bin ich 64. Also noch nicht pensioniert. Aber ich werde bestimmt nicht mehr den Final kommentieren. Ich will dabei sein, aber nicht mehr als Mittelstürmer, sondern als Libero.
An Ihrem 61. Geburtstag werden Sie den Final kommentieren.
Damit schliesst sich der Kreis. Meinen ersten WM-Final kommentierte ich an meinem 33. Geburtstag. An den anderen Weltmeisterschaften war mein Geburtstag nie am Final – damit schliesst sich ein Beni-Zyklus. Ich glaube an Zyklen und die Harmonie des Lebens.
Trotzdem: Wann ist der Beni-Zyklus am TV vorbei?
Normalerweise lässt man sich mit 65 pensionieren. Ich glaube, das nächste Benissimo-Studio wird rollstuhlgängig sein (lacht). Mein nächstes Etappenziel ist die 100. Sendung. Dann sehen wir weiter. Aber das Pensionierungs-Thema ist schwierig für mich. Die meisten Leute möchten sich möglichst früh pensionieren lassen – vorausgesetzt, sie haben keine finanziellen Einbussen. Bei mir ist das ganz anders: Meine Arbeit ist mein Hobby.
Wie ist der private Beni?
Auch ich habe zwei Seiten: Ich bin nicht immer gut angezogen, bin nicht immer freundlich. Ich bin privat progressiver als im TV. Es ist erstaunlich, aber ich glaube, der durchschnittliche Zuschauer denkt, dass ich Volksmusik höre und ein typischer Schweizer, wenn nicht Bünzli bin.
Und?
Das ist überhaupt nicht der Fall! Der typische Schweizer jagt zum Beispiel den Aktionen nach. Wenn eine Handcreme-Aktion ist, kauft sich Herr Schweizer eine – auch wenn seine Tube zu Hause noch voll ist. Mir ist das ein Graus. Ich gehe nicht in Discount-Läden und besitze weder eine Supercard noch eine Cumulus-Karte.
Haben Sie ein Hobby?
Ja, seit Kurzem moderne Kunst. Ich gehe sehr gerne in Museen und schaue mir Kunst an. Das Tolle an moderner Kunst ist, dass mir niemand vorschreiben kann, was gut ist oder nicht. Es gefällt, oder eben nicht.
Sprechen wir über Frauen. Haben Sie Dates?
Ich bin offen für Neues. Aber es gibt nichts Konkretes. Zwischen Mönch und Carl Hirschmann gibt es viele Zwischenstufen – ich befinde mich genau in der Mitte.
Lesen Sie das ganze Interview im BLICK von heute.
Die beiden BLICK-Reporterinnen Kaye Anthon (l.) und Aurelia Forrer mit Beni Thurnheer im Interview.- Philippe Rossier