Interview mit «Game of Thrones»-Erfinder George R. R. Martin Macht Ihnen Ihre eigene Fantasie Angst?

Er sieht ein bisschen aus wie Santa Claus. Und bewegt mit seiner blutrünstigen und versexten Fantasie Millionen Fans weltweit: Blick.ch traf den Vater der Hit-Serie «Game of Thrones» am Rande des Fantastic Film Festival in Neuenburg.

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Entspannt sitzt der korpulente Amerikaner auf dem Sofa seiner Suite im Luxushotel Beau Rivage. Und lacht. Während des ganzen Interviews.

Mister Martin...
Nein, bitte, nennen Sie mich George.

Ok, George. Ihre Bücher triefen vor Blut, Schweiss und Tränen. Fürchten Sie sich eigentlich nie vor sich selbst?George R. R. Martin:  Meine Grusel-Fantasien machen mir keine Angst, ich bin ihr Herrscher. Ich schreibe an einem alten Computer in meinem alten Haus in New Mexico. Wenn ich eine Figur, die ich zuvor lieb gewonnen habe, töte, dann trauere ich richtig um sie. Mein Ziel ist es, den Leser derart zu fesseln, dass er genauso mitleidet. 

Die TV-Serie «Game of Thrones» bricht sämtliche Rekorde. Machen  Fantasy-Geschichten die Menschen glücklich?Ja, denn sie spenden Trost. Eine Leserin schrieb mir kürzlich, sie hätte meine Bücher am Spitalbett der sterbenden Mutter gelesen. Als ich vor Jahren die Nachricht vom Tod meines Vaters erhielt, vergrub ich mein Gesicht regelrecht hinter zwei Fantasy-Buchdeckeln. Es half mir, mich abzulenken. Ich war schon als kleiner Junge ein angefressener Leser. Fantasy hat mir schon durch sehr schwierige Zeiten geholfen. Ich weiss noch haargenau, wie ich «Lord of the Rings» aufgesogen habe. In meiner Erinnerung ist es fast so, wie wenn ich wirklich mit Frodo mitgekämpft hätte.

Sie sind in der Nähe von New Jersey in einer sozial benachteiligten Gegend aufgewachsen. Ist ihre Fantasie so lebhaft, weil sie sich vieles als Kind nur vorstellen konnten?
Das könnte sein. Mein Vater war arbeitslos, wir besassen nicht einmal ein Auto. Meine Kinderwelt beschränkte sich auf unsere Strasse und die Schule. In Büchern eröffnete sich mir die Welt. Auf Papier fand ich dann die Befriedigung, die der Alltag mir nicht gab. Ich las alles: Europäische Geschichte, Romane, später Shakespeare. Die Welt der Könige und Adligen hat mich dann gefesselt. Heute ist dies mein Ziel als Autor: Ich will den Leser derart in Bann halten, dass er sich so fühlt, wie ich damals mit «Lord of the Rings».

Sie foltern Ihre Leser und Zuschauer mit den Plots Ihrer Geschichten. Leiden Sie eigentlich auch beim Schreiben?
Ich fühle wahnsinnige Emotionen. Wenn ich einen Charakter töten muss, bin ich traurig.   Beim Schreiben der «Red Wedding» musste ich eine Pause machen, weil es mich so mitnahm. Ich machte sogar an einem anderen Punkt weiter und liess die Seiten leer. Ich hoffe, dass ich in kein Loch falle, wenn ich die zwei letzten Bücher fertiggestellt habe. Es wird hart sein, die Figuren zu verlassen, die dann noch am Leben sind. Schliesslich waren Sie Teil von mir seit 1991.

Haben Sie das Finale denn schon im Kopf?
Ich weiss jede kleinste Handlung. (lacht) Ich werde der Welt etwas hinterlassen, das sie hoffentlich für lange erfüllen wird. Aber fragen Sie mich bitte nicht, wann die letzten zwei Bücher publiziert werden. Ich befürchte, die TV-Version wird mich bald einholen.

Eine Ihrer beliebtesten Figuren ist der kleinwüchsige Tyrion Lannister – «The Dwarf». Haben Sie mit diesem Charakter sich selbst eingebracht?
Teile von mir spiegeln sich im Zwerg wieder. Aber auch in der Drachenmutter Daenerys – auch wenn ich keine Prinzessin im Exil bin, die drei Drachen geboren hat. (lacht) Ich schreibe mit der Perspektive meiner Seele. Ein Autor muss von sich selbst ausgehen, um eine Figur zum Leben zu erwecken. Meine Fähigkeit die Welt durch meine erfundenen Charaktere zu sehen ist das Geschenk, aber auch der Fluch der Empathie, die ich für andere empfinde.

Als Fantasy-Fan gehörten Sie früher zu den uncoolen Kindern auf dem Pausenplatz. Haben Sie heute eine Botschaft für die coolen Kids von damals?
Ja klar! Wir Aussenseiter haben die Welt erobert – je länger je mehr ist es cool, ein Nerd zu sein! Und da gibt mir der Erfolg von «Game of Thrones» recht.

Der Erfolg hat sie zum Multimillionär gemacht. Welchen Luxus leisten Sie sich?
Ich habe mir gerade einen purpurroten Tesla S geleistet. Ich liebe es, Kontrolle über die Geschwindigkeit zu fühlen. Meiner Frau kaufe ich zudem fast jede Science-Fiction-Puppe, die sie sich wünscht. Ansonsten leben wir sehr bescheiden. Meine Nummer steht sogar noch immer im Telefonbuch.

Ist Ihre Frau eigentlich Ihre erste Leserin?
Ja, Parris kommentiert gerne die Handlungsstränge. Manchmal höre ich auf sie. Und manchmal auch nicht. (lacht) Aber sie hat mir verboten, eine spezielle Figur zu töten. Ich dürfe alle sterben lassen, nur diese eine Person muss meine Bücher überleben. Sonst hab ich Zuhause echt Ärger.

Dann versprechen Sie mir, meine Lieblingsfigur John Snow nicht sterben zu lassen! (lacht). Jede Antwort darauf wäre ein Spoiler. Und das wollen Sie sicher nicht!

Die vierte Staffel ist gerade ausgestrahlt worden. Wann fällt die Klappe zur Fünften?Nächstens! Wir drehen diesmal auch in Spanien.

Werden Sie nun auch selbst in einer Rolle zu sehen sein?
Als Produzent und Drehbuchautor bin ich zum Glück schon ein wichtiger Teil der TV-Produktion. Bei der ersten Staffel hatte ich einen Gast-Auftritt – und ich wurde rausgeschnitten (lacht). Mal schauen, ob ich es in die fünfte Staffel schaffe.

Sie sind jetzt für rund zehn Tage in der Schweiz. Das Fantastic Film Festival in Neuenburg hat sie eingeladen.
Ich bin das erste Mal im Leben hier. Bisher war ich beeindruckt von den Schweizern, weil ihr drei Sprachen sprecht. Jetzt habe ich gerade erfahren, dass es noch eine Vierte gibt.

Ja, Rätoromanisch.
Wurde ich in dieser Sprache auch schon publiziert? Wohl eher nicht. Ich finde es grossartig, meine Bücher in fremden Sprachen vor mir zu sehen. «Game of Thrones» auf Rätoromanisch: Das wärs!

Haben Sie in der Schweiz noch etwas Spezielles vor?
Ich werde viele Vorstellungen und Diskussionsrunden am Filmfestival besuchen. Und ich kann es kaum erwarten, das HR-Giger-Museum in Greyerz FR zu besichtigen. Ich liebe diesen Schweizer Künstler. Eine seiner Originalfiguren aus dem ersten «Alien»-Film steht in meiner Stube. Leider hatte ich sie zu nahe am Kamin aufgestellt, sie ist mir eines Abends fast weggeschmolzen. Das war wohl ein Zeichen. Es passierte kurz vor Gigers Tod im Mai.

Publiziert am 09.07.2014 | Aktualisiert am 09.07.2014
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9 Kommentare
  • Michael  Anderegg , via Facebook 09.07.2014
    Scheint ein bodenständiger, netter Typ zu sein und er hat mit Game of Thrones ein wahrlich grosses Epos geschaffen!! Mich würde aber wunder nehmen, welchen Charakter er laut seiner Frau nicht sterben lassen darf? ;-
    • Stephan  Reimann 09.07.2014
      Wenn Sie ins Kino gehen um einen Krimi zu schauen sind Sie sicher auch gaaanz happy, wenn Ihnen der Nachbar mittendrin zuflüsstert, dass der Gärtner der Mörder ist ? ;-
  • Bronek  Blocher aus Freienbach
    09.07.2014
    Menschen, wo nur die Idee ,den Gedanken, ihr Geld verdienen mit solchen Büchern, sind krank im Kopf und gestört struckturiert im Hirn und neigen dazu, selber solche taten zu begehen und animieren andere Menschen, wo ähnliche Fehler haben solche Sachen zu praktizieren. Irgend jemand ist dann wieder das Opfer. Es sollte ein Gesetz geben wo das verbietet, so etwas zu veröffentlichen, zu verfilmen usw. Pfui !!!!
    • Steffi  Leuenberger , via Facebook 09.07.2014
      Haben sie überhaupt auch nur eines dieser Bücher gelesen? Und sowieso, demnach macht das Spiel "Monopoly" aus den Leuten. welche dieses Spiel spielen, skrupellose Geldhaie, der "schwarze Peter" lässt Kinder zu Rassisten werden. Geschweige denn die vielen gestörten Schachspieler, welche mit Freuden ihre Bauern dem Gegner zum Frass vorwerfen... Bitte, erst sich mit der Materie auseinander setzen, bevor man urteilt.
    • Pascal  von Arb 09.07.2014
      Ich finde es erbärmlich, dass Sie sich ein Urteil über andere Menschen und deren Geisteszustand erlauben nur weil Sie mit der Materie nichts anfangen können. Man muss die Geschichten von George Martin nicht mögen, niemand ist gezwungen seine zu Papier gebrachte Fantasy zu lesen aber jemanden deswegen als krank zu bezeichnen ist verstörend! Eigentlich tun sie mir leid, dass Sie mit einer derart eingeschränkten Weltanschauung leben müssen, erinnert mich schwer an religiösen Fanatismus!
  • Alain  Dodane , via Facebook 09.07.2014
    Sorry aber die bücher sind einfach nur Langweilig! Die ersten 3 waren ganz ok, danach wiederholt sich alles! Irgendwann hat eine Reihe zu ende zu kommen! Und das sollte spätestens nach 4-5 teilen sein! Alles andere nennt man habgier.
    Dasselbe ist bei Schwert der Wahrheit oder Harry Potter. Anfang gut, mitte langweilig und mit glück ein akzeptables ende.
    • Manfred  Flanders 09.07.2014
      Sie nehmen wirklich Harry Potter als Beispiel? Die werden von Buch zu Buch besser.
    • Mark  André 09.07.2014
      Finde auch, dass die bücher so ab dem 7.band deutsche Ausgabe schlechter werden. Weniger Spannung, weniger interessante Nebenstränge. Als werde die geschichte zu künstlich in die Länge gezogen. Könnte mir vorstellen, dass auch die Serie da ein wenig von ihrer popularität einbüsst.
  • Peter  Zillner , via Facebook 09.07.2014
    Game of Thrones ist Super-Spitze und nicht so kitschig wie die
    anderen Fanrasy Filme und Lebensechter ! Speziell wird gezeigt
    zu was der Mensch "WIRKLICH" fähig ist oder wäre, ohne jede
    scheinheilig verlogene Zensur, welche immer alles verfälscht !!