Neuer Réduit-Kommandant: «Ich wurde richtig durchleuchtet»

ZÜRICH – Das Schweizer Fernsehen hat dazu gelernt – und schickt mit Helmut Mettler einen Festungs-Kadi mit blütenweisser Weste ins Réduit.

  • Publiziert: 22.07.2009, Aktualisiert: 14.01.2012
play Helmut Mettler aus Buttikon übernimmt in der SF-Doku «Alpenfestung – Leben im Réduit» das Kommando. Zivil leitet der 56-Jährige die Verwaltung der Reha-Klinik Walenstadtberg und ist Mitglied der Klinikleitung. (SF/ Natalie Boo)

Statt eines vorbestraften Veruntreuers lässt das Schweizer Fernsehen nun Helmut Mettler aus Buttikon SZ im Réduit stramm stehen. Und diesmal haben die Macher ganz genau hingeschaut. Noch eine Panne kann sich das SF in der «Alpenfestung» nicht leisten.

Weil Mettlers Vorgänger Alfred Strahm seine Vorstrafe wegen Veruntreuung verschwieg, geriet die SF-Alpenfestung noch vor dem Sendestart in die Schlagzeilen (blick.ch berichtete).

«Ich wurde richtig durchleuchtet und musste einen Strafregisterauszug abgeben», sagt der 56-Jährige Klinikverwalter zu Blick.ch. Das SF hat scheinbar dazu gelernt, nachdem die Macher Mettlers Vorgänger Alfred Strahm wegen eines im Auswahlverfahren nicht deklarierten Finanzskandals schon vor dem Einrücken unehrenhaft entlassen mussten.

Zum Glück – denn Helmut Mettler platzt fast vor Freude: «Ich habe sehr grossen Respekt vor der Aufgabe. Besonders weil mein Vater viel von seiner Zeit im Aktivdienst erzählt hat. Ich höre seine Worte jetzt noch in meinem Kopf.» Mettlers Vater leistete während des 2. Weltkriegs insgesamt siebenmal Aktivdienst – auch in Festungen: «Die nächsten drei Wochen lebe ich nach, was mein Vater im Aktivdienst erlebt hat.»

Auf den Erinnerungen des vor zehn Jahren verstorbenen Vaters baut der Sohn nun auch sein Führungs-Konzept auf: «Hart in der Sache, aber trotzdem fürsorglich.» Ein Kommandant brauche ein offenes Ohr. «Mein Vater hatte auch grosse Sorgen. Er hatte keinen Beruf, bekam lediglich 10 Franken Sold, von denen er 5 Franken nach Hause schickte», erzählt Mettler, Major a. D.

Weil ihn das Projekt «unheimlich» interessiert, verplempert der Vater von zwei Söhnen auch keine Zeit mehr. Minutiös bereitet er sich auf seinen Einzug in die Alpenfestung vor: «Ich lese Fachliteratur und treffe mich mit Historikern.»

Wenn aus Mettlers Keller keine überraschenden Leichen aufsteigen, zieht er am kommenden Montag als Hauptmann in die Artilleriefestung in Fürigen ein. (b3i)

play Helmut Mettler ganz zivil. (SF/ Natalie Boo)

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