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Wie ein Roboter habe sie sich gefühlt. «Ich konnte nicht mehr frei denken», sagt Ruth Dridi, «ich war ein Sklave der Sekte.» Am Montag spricht die Thurgauer Verkäuferin im «Club Extra» auf SF1 (21.55 Uhr) über ihr Leben mit Scientology. Für SonntagsBlick erzählt sie schon heute.
Ihr Einstieg in die Psychosekte:
«Anfang der 90er-Jahre bin ich Mitglied geworden. Mein damaliger Freund drängte mich dazu. Scientology sei wichtig für unsere Beziehung, meinte er. Wir besuchten einen Kurs, dabei musste ich einen 200-Fragen-Test ausfüllen. Durch den Test finden die Scientologen heraus, wo die Schwächen ihrer potenziellen Opfer liegen. So wird der Mensch manipuliert.»
Das hat sie an der Sekte gereizt:
«Das Versprechen von Scientology, ein freies geistiges Wesen zu werden. Doch das Umgekehrte ist eingetroffen. Verführerisch war auch, wie freundlich ich aufgenommen wurde. Die Mitglieder waren voller Zuneigung für mich. Kaum war ich aber eingesogen in die Sekte, änderte sich die Hingabe rabiat.»
So rutschte sie immer tiefer:
«Ich unterschrieb einen Vertrag für eine dreimonatige Therapie. Die Hirnwäsche funktionierte perfekt. Bald kündigte ich meinen Job und unterschrieb einen Vertrag für fünf Jahre, um als Kursleiterin ausgebildet zu werden. Scientology verlangte von mir, dass ich für die Finanzierung einen fünfstelligen Kredit aufnehme. Ich war wie in Ekstase.»
So ist es in der Psychosekte:
«Ich arbeitete in der Schweiz und in den USA. Musste Kurse geben, neue Mitglieder rekrutieren. Die Sekte hat nur ein Ziel: expandieren! Ich erlebte, wie Familien auseinandergerissen wurden und Menschen alles verloren: Job, Freunde, Geld, Gesundheit. Es gibt auch Kinderarbeit. Laut Scientology sind Kinder genauso geistige Wesen wie Erwachsene, einfach in kleinerem Körper. Also müssen sie dasselbe leisten. Schwache werden wie der letzte Dreck behandelt.»
So sieht ein typischer Tag in der Psychosekte aus:
«Er begann um 7 Uhr mit Frühsport. Von 9 bis 22 Uhr musste ich die Scientology-Lehren studieren. Danach gabs Meetings oder administrative Arbeiten zu erledigen. Vor Mitternacht kam ich nie ins Bett. Scientology will die Mitglieder ununterbrochen beschäftigen, um ihnen keinen Raum für andere Gedanken zu lassen.»
So gelang ihr der Ausstieg:
«Per Dekret der Sekte wurde ich weltweit zur unterdrückerischen Person erklärt. Wer Kontakt mit mir aufnahm, riskierte Verhöre und Strafen. Ich schaffte den Ausstieg, weil ich nie ein Herdentier war. Mir blieb mein Leben – und eine Zukunft!»
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Ruth Dridi schaffte den Ausstieg. (RDB)