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Frau Amgarten, Ihr Rücktritt als Unterhaltungschefin des Schweizer Fernsehens kommt überraschend. Einen Tag vor der Wahl des neuen SRG-Generaldirektors schmeissen Sie Ihren Job hin. Hängt das damit zusammen?
Nein. Es hat damit zu tun, dass ich mich nicht nochmals für drei bis vier Jahre einer neuen Geschäftsleitung verpflichten wollte.
Die Stimmung bei den SRG-Mitarbeitern ist durch die Zusammenführung von Fernsehen, Radio und Online angespannt. Setzen Sie mit ihrem Abgang nicht ein falsches Signal?
Ich hoffe nicht. Ich bleibe ja noch bis Ende Jahr im Amt. Und ich bin überzeugt, dass die Trimedialitäts-Strategie der SRG der richtige Weg ist. Doch hierfür braucht es jetzt jemanden, der die Abteilung Unterhaltung langfristig und mit voller Kraft und Energie in die Konvergenz führt.
Fehlt Ihnen diese nach 20 Jahren Fernsehen?
Meine Kraft und Zeit möchte ich nun gerne in meine eigene langfristige berufliche Perspektive investieren. Ich möchte meinen Traum verwirklichen und mich nächstes Jahr im Bereich Coaching und Beratung selbständig machen.
Sie wurden teilweise harsch kritisiert. Laugt das aus?
Natürlich wird man lieber gelobt. Aber in der Abteilung Unterhaltung ist es wie beim Fussball: Es geht um Emotionen und jeder glaubt, es besser zu wissen. Wer damit nicht umgehen kann, darf den Job nicht machen.
Wird eine Frau in einer solchen Position stärker kritisiert?
Eine schwierige Frage. Ich glaube, dass jeder in solch einer Position immer wieder kritisiert wird. Meinen Vorgängern ging es jedenfalls oft nicht anders.
Ihnen wurde vorgeworfen, zu wenig innovatives Fernsehen zu machen und nur auf bereits im Ausland Bewährtes zu setzen.
Das mag bei Quiz-Sendungen zutreffen. Hier ist es sinnvoll auf in einem weltweiten Markt ausgetestete Spielkonzepte zurückzugreifen. Aber viele andere Sendungen wie etwa die «Landfrauenküche», «Über Stock und Stei» oder «Giacobbbo/Müller» sind Eigenentwicklungen.
Sie sind Mutter einer 9-jährigen Tochter. War sie mit ein Grund für Ihren Rücktritt?
Nein, ich muss ja weiterhin arbeiten und meine Brötchen verdienen. Aber sagen wir es so: Ich muss nicht mehr jeden Tag zur Rush-Hour im Stau stehen, mein neuer Job erlaubt mehr Flexibilität. Das ist sicher ein Vorteil.
Welche Sendungen schaut Ihre Tochter?
Sie kennt sich mit der SF-Unterhaltung natürlich bestens aus, sieht sich «Musikantenstadl», «SF bi de Lüt» oder «Happy Day» an.
Wie lange darf Sie täglich vor den TV?
Unter der Woche gar nicht oder höchstens 20 Minuten, am Wochenende auch mal eine bis zwei Stunden. Dann schaut sie gerne Benissimo.
Apropos Benissimo: Ihr Abgang hat nichts mit den schlechten «Friends»-Sketches zu tun, oder?
Nein, im Gegenteil. Ich finde die Witze ab und zu sogar lustig. «Benissimo» hält sich nach 18 Jahren immer noch auf stabil hohem Niveau. Und ich mache gerne Fernsehen für viele Leute.
Würden Sie es für sich selbst anders machen?
Fernsehen ist für mich meist keine Erholung sondern Beruf. Mein Hirn wird sofort aktiv, wenn ich einschalte. Ich freue mich, wenn ich wieder unbeschwert fernsehen kann.
Auf was sind Sie in den vergangenen fünf Jahren besonders stolz?
Dass wir mit Formaten wie «Landfrauenküche» oder «Über Stock und Stei» den Schweizer Alltag und die Schweizer Landschaft in die Stuben gebracht haben. Mehr Swissness ins Schweizer Fernsehen zu bringen, war unser bester Entscheid überhaupt!
Auf was sind Sie am wenigsten stolz?
Naja, wir mussten auch Misserfolge einstecken, doch Gott sei Dank sind die Erfolge zahlreicher und nachhaltiger.
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Gabriela Amgarten. (SF)