Artemis Gounaki über DSDS Kein Sex, kein Rhythmus und gähnend langweilig

  • Publiziert: 25.04.2011, Aktualisiert: 03.01.2012

Ex-MusicStar-Jurorin Artemis Gounaki über Überschätzte und Erlöste bei «Deutschland sucht den Superstar».

Patrick Nuo

muss wohl zum Ritter geschlagen worden sein, denn er betritt die Bühne als «Sir» Patrick Nuo. Und Dieter Bohlen – man erinnere sich: vergangene Woche galt er noch als «Erfinder der Popmusik» – kehrt nun als «Jedi- Ritter der Popmusik» zurück. Laut Wikipedia: sind somit seine wichtigsten Merkmale die Kontrolle einer fiktiven Kraft, der Macht, die ihm, also Dieter, übermenschliche Fähigkeiten verleiht. Wow! Jetzt wird aber dick aufgetragen. Dieter Bohlen ist der lebende «Laserpointer»! Wo auch immer er hinstrahlt, erblüht ein neuer Superstar. Da bleibt einem doch glatt die Spucke weg. Unfassbar!

Drei Songs aus drei Musikgenres, also eine superschwere Aufgabe (!) soll heute die Kandidaten erwarten, und ich staune, denn Bohlen meint tatsächlich, dass die Herausforderung darin läge, die Songs möglicherweise nicht zu mögen und sie trotzdem gut singen zu müssen. Ach, sag an! Welch schwierige Aufgabe! Dass ich nicht lache! Sorry, aber ein guter Sänger kontrolliert den Song und lässt sich nicht vom Song kontrollieren!

Womit wir auch schon gleich bei Ardian Bujupi wären. Er will uns die ganz großen Gefühle vorspielen! Nein – nicht die echten Gefühle – das wäre zu viel verlangt, sondern die kleinen, gekünstelten, diese Möchtegern-Gefühle! Er schwimmt im Ton, trifft davon nur sehr wenige, und schreit. Ja, das macht er gut, das Schreien. Er will hoch hinaus, unser Ardian, und je höher der Ton, desto schriller der Schrei. Wo die Stimme nicht mehr singt, muss eben mehr Gebrüll her… oder die offenen Beine einer «Sex Machine»! Wohl an Tiger! Die Jury lobt seine makellosen Performances. Er mache ja auch nur ganz «kleine Patzer», meint Sir Patrick Nuo. So, so! Hört, hört! Ob er wohl das Katzengejammer das da von der Bühne runtertönt nicht mitbekommt? Ja, gute Kandidaten brauchen eine gute Jury. Bei DSDS 2011 fehlt beides!

Wie ich bereits in einer früheren Kolumne erwähnte mochte ich Pietro Lombardi immer sehr gerne – seine Frische, seine witzige Art, sein nettes, offenes Lächeln, seine Normalität. Doch die sind komplett verschwunden. Seine Performances schwanken zwischen «schau mich an, ich bin der Clown und hab ne riesen Mütze an» und «ich will ernst genommen werden, aber es gelingt mir nicht, weil ich mich bereits schon zu oft zum Deppen gemacht habe». So zeigt er sich als Zirkusdirektor und es tut mir im Herzen weh, da ich der festen Überzeugung bin, dass Pietro unter professioneller musikalischer wie auch gesanglicher Leitung mehr drauf hätte als das was er uns zeigt. Es ist, als ob man ihm gleich zum Beginn der zweiten Mottoshow gesagt hätte, dass er sich einzig und allein über sein Cap verkauft und sich um sonst nichts zu kümmern braucht. Ich kann auf solch ein «Talent» getrost verzichten.

Derzeit sehe ich parallel zu DSDS American Idol. Viele mögen nun denken, dass in dieser Casting Show vorrangig ausgebildete Sänger auftreten. Aber das stimmt nicht. Dort gibt es etwa eine Lauren Alaina, gerade mal frische junge 15 Jahre alt. Sie singt göttlich, hat Sexappeal, kann sich bewegen, ist aufregend und spannend, interessant und bietet eine große Auswahl an herrlich verspielten und professionell präsentierten Songs, die sogar dem Original eine echte Konkurrenz sein könnten. Von solchen Attributen kann unsere Sarah Engels nur träumen. Sie ist belanglos – Stimme und Person! Zugegeben, manchmal gibt sie ein paar ganz gute Interviews, spricht frei und gar nicht unklug daher. Aber das ist nicht Singen! Sie trifft keinen Ton! «Im so Excited» ist eine Frechheit, «Eye of the Tiger» ein Desaster und «A Moment Like This» – schon mal gehört wie Kelly Clarkson das singt? Oder gehen wir weg vom Original und hören wir uns doch nochmal die eben gleiche Performance von Julia Maria Sakar aus «Die größten Schweizer Talente» an. Das sind Welten! Auch Julia (14) singt tonal nicht sauber, aber ihre Stimme ist so viel gewaltiger als das Stimmchen einer Sarah Engels!

Sarah Engels hat kein Rhythmusgefühl, wird stimmlich maßlos überschätzt und ist gähnend langweilig. Aber wen kümmert das schon, solange die Jury sie liebt und die gehörlosen Kids für sie anrufen.

Heute geht Marco Angelini. Wurde auch Zeit! Er hat sich doch so sehr gequält, wenn wir mal ganz ehrlich sind. Der Arme! Ich freue mich sehr für ihn. Endlich raus!

Hallo Ihr Lieben!

«Jeder hat das Zeug zum Superstar!», tönt Marco Angelini gleich zu Beginn der 8. Mottoshow. «Rock, Pop & Disco» ist das Thema. Nun ja, lieber Marco – das stimmt nicht ganz! Nicht jeder kann..., hat... und wird...! Es gibt zu viel, was einen Superstar ausmacht! Eine Winzigkeit Talent reicht da nicht aus! Was die Kandidaten aus DSDS 2011 mitbringen ist demnach einfach viel zu wenig, um dem Titel «Superstar» gerecht zu werden. Aber wer weiß, was sie in dieser heutigen Show daraus machen. Hier nun meine Kritiken und Einschätzungen zu den Performances der Kandidaten von DSDS 2011. Eure BLICK–«Deutschland sucht den Superstar»–Jurorin (H)Artemis

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