Dieser Bundesrat protestiert gegen seine Absetzung

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Peter Padrutt
Brachten die TV-­Zuschauer zum Lachen: Birgit Steinegger und Walter ­Andreas Müller als Bundesräte Leuthard, Merz, Schmid und ­Calmy-Rey.- SF/Heinz Stuck

Leuthard ist entsetzt. Merz betet. Schmid gestikuliert verdattert. Und Calmy-Rey hat wohl gar nicht verstanden, dass sie eben geschasst wurde!

Für einmal liegt es aber nicht an der Vereinigten Bundesversammlung. Es sind die Vereinigten Unterhaltungs-Chefs von SF, die zur Abwahl schreiten. Der Ort: das Büro von Gabriela Amgarten. Bei der TV-Unterhaltungschefin müssen die beiden Comedy-Lieblinge Birgit Steinegger und Walter Andreas Müller (WAM) antraben. Es gibt nichts zu lachen.

Obwohl auch Comedy-Chef Rolf Tschäppät zugegen ist. ErDann wird WAM und Steinegger eröffnet: Ihre Bundesrats-Sitcom «Classe politique» wird aus dem Programm gekippt. Auf Ende November. Aus Spargründen.

Wamm, das hat gesessen. «Wir waren total schockiert», sagt WAM. «Ich wurde richtig wütend.» Der Schauspieler fällt aus allen Wolken. Denn «Classe politique» ist beliebt beim Publikum. Zwei längere Spezial-Ausgaben erreichten fast 600 000 Zuschauer. Selbst als man die Satire-Sendung hinter der «Late Show» von Viktor Giacobbo verlochte, holte sich noch 30 Prozent Marktanteil.

«Anderen würde man dafür den roten Teppich ausrollen. Uns entlässt man», regt WAM sich auf. Comedy-Chef Rolf Tschäppät begründet den Entscheid der Absetzung so, wie er ihn schon dem TV-Magazin «TV-Star» erläuterte: «Mit ‹Giacobbo/Müller› haben wir bereits eine Satiresendung im Programm. Eine zweite ist leider nicht finanzierbar, da wir den Zuschauern ein ausgewogenes Comedy-Angebot mit verschiedenen Genres anbieten möchten.» Doch Insider sagen: Giacobbos Sendung ist so teuer, dass WAM und Steinegger über die Klinge springen mussten!

Warum aber wird «Classe politique» nicht in Giacobbos Show integriert? BLICK weiss: Darüber wurde tatsächlich gestritten. Doch Giacobbo und SF sperrten sich.

Tschäppät: «Wir wollten neue Rubriken schaffen und auch jungen Künstlern eine Chance geben.» Für WAM war das unverständlich. In einem Mail an den Comedy-Chef beklagte er sich , dass bei Giacobbo ebenfalls Politiker parodiert werden – in Konkurrenz zu «Classe politique».

Auch Birgit Steinegger ist sauer über die Absetzung: «Die Beweggründe, warum SF ausgerechnet mit dieser Sendung sparen will, sind für mich schwer verständlich», sagt sie. Und giftig fügt sie an: «Beim Drehen in Bern fragte uns ein Bundesrat: ‹So, was hei mer wider boosget?› Diese Frage leite ich, konfrontiert mit der Absetzung unserer Sendung, dem TV weiter.»

Einer hat schon reagiert – der (echte) Bundesrat Hans-Rudolf Merz (65). «Ich finde die Absetzung schade. Ich habe oft mit Hochgenuss am Sonntagabend zur Einstimmung auf die neue Arbeitswoche zugeschaut.» Er fand sich von WAM «schauspielerisch oft getroffen – aber nicht immer in den Aussagen».

WAM nützt das Kompliment wenig. «Als ich den Raum verliess, rief mir Frau Amgarten nach: ‹Sie sind ja ein renommierter Schauspieler. Es gibt immer wieder Wege für eine Zusammenarbeit.› Das ist der blanke Hohn.»
Mitarbeit: Georges Wüthrich

Soll das Schweizer Fernsehen die Bundesrats-Persiflage wieder ins Programm aufnehmen? Was meinen Sie? Schreiben Sie uns!

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