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Sie wirkt müde, erschöpft. Nella Martinetti ist von ihrer Krebs-erkrankung gezeichnet. Zwar sind die Strapazen der letzten Chemotherapie überstanden. Sie darf wieder daheim sein. «Mein Zustand ist momentan stabil», sagt die 63-jährige Entertainerin. Doch sie sagt es seltsam teilnahmslos, ohne Freude, ohne Stolz, mit einer Leere in den Augen, die von dem Schmerz zeugen, den diese langen Monate mit sich gebracht haben. Nellas Leben ist eine lange Leidensgeschichte. Jetzt mag sie nicht mehr, ist zu allem bereit. Auch dazu, diese Leiden, dieses Leben ein für alle Mal zu beenden.
Sie waren lange nicht erreichbar, viele waren in Sorge um Sie.
Nella Martinetti: Ich lag zwei Wochen im Spital. Nach der Chemotherapie gab es Komplikationen.
Was ist geschehen?
Ich war schon achtmal in der Chemotherapie. Eigentlich reagiere ich sehr gut auf die Behandlung. Doch dieses Mal litt ich unter starken Schmerzen in Rücken und Brustkasten. Die Ärzte wollten mich zur Beobachtung dabehalten.
Jetzt sind Sie wieder zu Hause.
Sie können sich nicht vorstellen, wie viele Pakete, Briefe und E-Mails ich erhalten habe. Das gibt mir Kraft. Ich möchte mich auf diesem Weg bei allen bedanken.
Was war das aussergewöhnlichste Geschenk?
Jemand hat mir eine Mütze geschickt, falls mir wegen der Chemotherapie die Haare ausgehen. Doch ich kann alle beruhigen, es sieht so aus, als würde ich meine Haare nicht verlieren.
Bestimmt haben Sie im Spital Marianne Schneebeli vermisst.
Nein, denn sie war immer an meiner Seite. Marianne ist mein Schutzengel. Sie schenkt mir so viel Liebe und Freude, liest mir jeden Wunsch von den Lippen ab.
Haben Sie viel Gewicht verloren?
In den letzten zwei Wochen waren es 4 bis 5 Kilo. Ich hatte keinen Appetit. Einmal liess ich sogar den Pizzakurier ins Spital kommen, in der Hoffnung, dass ich wenigstens noch Pizza essen kann. Dieses Jahr habe ich 20 Kilo abgenommen.
Sind Sie bereit, bis zum Schluss zu leiden?
Ich habe mich im Sommer bei Exit angemeldet. Das ist eine sehr seriöse Organisation. Wenn die Schmerzen zu schlimm werden, dann mache ich Schluss: zack, bum und weg – auf in ein neues Leben!
Nun denken Sie immer an den Tod.
Nein. Ich will meine Krankheit vergessen, sie wie ein Stück Dreck auf die Seite legen. Wir müssen alle einmal sterben, doch mein Moment ist noch nicht gekommen. Dafür bete ich jeden Tag zu Gott.
Noch hält die Hoffnung Nella Martinetti am Leben. Doch sollte sie den Kampf gegen die Krankheit verlieren, will sie den letzten Qualen zuvorkommen – und das Prozedere einleiten, das jährlich Hunderte Todkranke in der Schweiz wählen: zum Telefonhörer greifen und Exit anrufen; einem Vertreter der Organisation die Tür öffnen, der, mit dem nötigen Arztzeugnis, den Trunk besorgt: Natrium-Pentobarbital, früher als Schlafmittel beliebt; 15 Gramm davon werden in einem Glas Wasser aufgelöst, das Dreifache der tödlichen Dosis.
Man will will ja nichts dem Zufall überlassen. Erst recht nicht den Tod.
Die Hochs und Tiefs der Nella Martinetti: Klicken Sie sich durch die Diashow.