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40 Kerzen für den Schweizer Weltstar – Patrick Rohr (r.) überreicht den Gerbur-Kuchen an DJ Bobo. (BLICK/Peter Gerber)
Patrick Rohr: Alles Gute zum Vierzigsten, DJ Bobo. Was bedeutet Ihnen dieser Geburtstag?
DJ Bobo: Ich finde die Zahl speziell, deshalb hat auch der Geburtstag etwas Spezielles für mich.
Was ist denn speziell daran?
Körperlich und geistig habe ich das Gefühl, noch total jung zu sein. 28 oder so. Aber eben: Ich werde 40.
Extrem erwachsen also, obwohl Sie sich nicht so fühlen?
Ja, genau. Aber ich glaube, das geht allen Menschen so. Als ich ein Kind war, dachte ich immer: «Im Jahr 2000 bin ich 32. Wow, bin ich dann alt!» Das war damals ganz weit weg für mich. Jetzt bin ich vierzig und fühle mich überhaupt nicht so. Dafür ist jetzt achtzig ganz weit weg für mich.
Trotzdem: Vierzig ist eine Zäsur. Man könnte auch sagen: der Schritt in die zweite Lebenshälfte.
Das stimmt.
Ein Alter auch, in dem sich viele Leute sagen: Wenn ich im Leben noch einmal etwas völlig Neues machen will, dann jetzt! Ist das für Sie ein Thema?
Ich habe das grosse Glück, meine Berufung gefunden zu haben. Ich wusste bereits mit 17 oder 18, dass mein Leben sich um Musik drehen wird. Ich habe auch heute nicht das Verlangen, etwas anderes zu machen. Mich fragen die Leute heute viel mehr, ob man mit vierzig noch solche Shows machen kann.
Weil Sie mit vierzig zu alt sein könnten, um sich als Pirat oder Vampir zu verkleiden?
Nein, weil sie sich fragen, ob ich das körperlich noch schaffe. Natürlich brauche ich heute längere Regenerationszeiten nach einem Konzert, aber ich mache mir trotzdem keine solchen Gedanken.
Und wie ist es mit der Glaubwürdigkeit? Machen Sie sich manchmal Gedanken, wie lange Sie auf der Bühne noch in Fantasiewelten eintauchen können?
Ja, das frage ich mich immer wieder. Das hat aber nichts mit dem Alter zu tun, sondern mit der Glaubwürdigkeit der Musik, des Outfits und des Images. Die Frage, die ich mir jeweils stelle, heisst: Ist dieses Paket rund? Stimmt alles zusammen? Wir haben gemerkt, dass wir mit dem Thema «Vampire» bereits an die Grenzen der Glaubwürdigkeit kommen, weil das Thema für die Marke «DJ BoBo» zu intensiv ist. «DJ BoBo» ist positiv behaftet, ist fröhlich und voller Lebensfreude. Und jetzt wird aus dieser Marke plötzlich ein Vampir, das führt zu Reibungen.
Die sich ja bereits im Vorfeld Ihres Auftritts am Eurovision Song Contest abzeichneten. Sie hätten sich nach diesen Diskussionen jederzeit entscheiden können, mit einem anderen Thema auf Tour zu gehen.
Natürlich.
Aber Sie haben es nicht getan. Warum?
Weil man durchzieht, was man anfängt. Ich würde mich niemals irgendwelchen äusseren Einflüssen beugen, wenn ich anderer Meinung bin. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass das Thema «Vampire» nicht zu Suizid führt. Ich werde auch nicht auf der Bühne stehen und Blut spucken, und natürlich können die Leute weiterhin mit ihren Kindern an unsere Show kommen.
Ich finde es auch aus einem anderen Grund mutig, mit diesem Thema auf Tour zu gehen: Seit dem Eurovision Song Contest haftet dem Lied «Vampires Are Alive» ein Verlierer-Image an.
Ja, es ist negativ besetzt. Aber lustigerweise nur in der Schweiz. In Deutschland zum Beispiel hat gar niemand wahrgenommen, dass wir bereits im Halbfinal rausfielen. Die hatten genug damit zu kämpfen, dass ihr eigener Teilnehmer nur auf Platz 18 landete. Das ist der Punkt: Die Konsequenzen für ein schlechtes Abschneiden trägt man nur im eigenen Land, im Ausland war der Auftritt ein hervorragender Promoeffekt für unser Thema.
Und wie gross war der Schaden in der Schweiz?
Ein Zacken ist schon aus der Krone gefallen. Mehr aber nicht.
Sie sind Vater von zwei Kindern, die bald einmal in die Schule gehen werden, sind verheiratet und wohnen mit Ihrer Familie in einem Haus. Von aussen betrachtet ein sehr bürgerliches Leben. Wie verbinden Sie dieses Leben mit dem Leben eines Popstars?
Indem die Kinder auf eine Tournee mitkommen, auch in Zukunft, wenn sie im Schulalter sind. Dann nehmen wir eben einen Lehrer mit. Wenn ich eineinhalb Monate unterwegs bin und die Chance habe, die Menschen, die ich liebe, dabei zu haben – warum soll ich das dann nicht tun?
Brauchen Sie diese beiden Welten? Oder könnten Sie sich auch vorstellen, Ihre musikalische Seite einmal nicht mehr auf der Bühne auszuleben?
Im Moment brauche ich noch beide Welten. Wobei die Dosis der Droge Bühne, die ich brauche, heute kleiner ist als früher.
Aber das Auftreten ist immer noch eine Droge?
Ganz klar.
Von Drogen wird man abhängig. Sie könnten nicht mehr leben ohne Applaus und Rampenlicht?
Ich brauche diese Droge nur, wenn ich etwas erschaffen habe und das den Leuten auch zeige. Wenn das nicht der Fall ist, will ich auch keinen Applaus. Mir ist es zum Beispiel peinlich, wenn ich in einen Raum komme und die Leute zu klatschen beginnen. Applaus will ich nur für eine gute Show, nicht als Mensch.
Nicht so bescheiden.
Doch. Es ist mir viel wichtiger, mit meinem Sohn «tschutten» zu gehen, wenn er das möchte, als über irgendeinen roten Teppich zu laufen.
Hat da bei Ihnen eine Werteverschiebung stattgefunden? Gibt es Dinge, die Ihnen heute wichtiger sind als früher?
Klar doch. Diese Werteverschiebung macht wahrscheinlich jeder durch. Qualität steht irgendwann über Quantität.
Welche Werte möchten Sie Ihren Kindern mitgeben?
Ach, es sind die Urwerte: Fairness, kein Hochmut, kein falscher Ehrgeiz. Ehrgeiz ist wichtig, aber man soll nicht um jeden Preis gewinnen wollen.
Ich stelle mir vor, dass das noch schwierig zu vermitteln ist, wenn der Vater so erfolgreich ist wie Sie?
Unsere Kinder nehmen mich nicht als erfolgreich wahr. Noch nicht. Und wenn sie es später trotzdem tun, hoffe ich, dass die anderen Werte bereits so verinnerlicht sind, dass der Rest keine Rolle spielt.
Sind Sie ein strenger Vater?
Ich bin eine ziemlich dominante Person. Ich erwarte viel von meinem Sohn, von der Tochter noch nicht, die ist als Einjährige noch zu jung. Aber von Jamiro erwarte ich manchmal fast zu viel: dass er hilft, wenn jemand hinfällt, dass er nicht auf Schwächere losgeht. Das ist viel verlangt von einem 5-Jährigen.
Haben Ihre Ansprüche als Vater möglicherweise damit zu tun, dass Sie selber ohne Vater aufgewachsen sind?
Ja und nein. Ich weiss heute, dass meine eigentliche Vaterfigur mein Grossvater war. Ich wuchs bei ihm auf, bis ich sechs war. Er hat mich geprägt, von ihm habe ich ganz viel Liebe bekommen. Meinen leiblichen Vater habe ich zu dieser Zeit nicht gekannt. Und mein Stiefvater, bei dem ich ab sieben lebte, kam gar nie an mich heran. Wenn ich heute mit Jamiro im Sandkasten sitze, sehe ich meinen Grossvater und mich.
Kommen wir nochmal zurück zu Ihrem Geburtstag: Wie feiern Sie ihn?
Da wir gerade daran sind, ein Haus zu bauen, verschieben wir ihn. Im alten Haus hats zu wenig Platz, und den Vierzigsten möchte ich doch gross feiern. Deshalb wirds heute Abend wohl eine Überraschung von Nancy geben – die gibt es nämlich jedes Jahr -, und die grosse Party steigt dann später.
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DJ Bobo (l.) und Patrick Rohr (BLICK/Peter Gerber)