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Auch gestern Morgen war Volksschauspieler Walter Roderer (90) wieder im Städtchen Illnau ZH unterwegs, um Einkäufe zu tätigen. Wagte sich unters Volk, statt sich im Landhaus zu verkriechen. «Ich bekam viele Glückwünsche zu meiner Hochzeit mit Anina», sagte er.
Doch die grösste Stütze an seinem Lebensabend fehlte an seiner Seite: Seine 60 Jahre jüngere Ehefrau, mit der er seit bald sechs Jahren verheiratet ist. Dabei hatte sie ihm versprochen, ihn letzen Sonntag zu besuchen. So wie an seinem 90. Geburtstag – als sie dann krankheitshalber abgesagt hatte. «Anina nimmt immer den Zug von Florenz, weil sie nicht gern fliegt», erklärt Rodi leise. «Sie ruft mich immer vom Bahnhof an, wenn sie da ist. Aber dann kam kein Telefon.»
Rodi wartet und wartet – vergeblich. Was ist passiert? Ist Anina, die doch in diesen Tagen mit Rodi ihren 30. Geburtstag feiern wollte, sauer auf ihren Gatten, weil er nach sechs Jahren des Schweigens die geheime Ehe offiziell bestätigt hatte? Ist sie wieder in Florenz (I), wo sie mit einem – verheirateten – Freund ein Bed & Breakfast führt?
Oder ist sie bei ihren Eltern in Winterthur ZH abgestiegen, und er soll es nicht wissen? Viele Gedanken gehen Rodi durch den Kopf. Und so verbringt er zwei schwierige Tage ganz allein.
Einerseits erleichtert, dass er das süsse Geheimnis endlich von der Seele hat. Aber die Angst, er könne «als alter Glüschtler» dastehen, oder es würde heissen, Anina sei hinter seinen Millionen her, ist noch da.
Kommt dazu, dass der «Tages-Anzeiger» gestern titelte, Roderer habe seine Grossnichte nur geheiratet, «um Steuern zu umgehen». Laut «Tagi» sei Martin Graf, Stapi von Illnau-Effretikon, enttäuscht, «dass Roderer unverblümt gesteht, seine Anina aus fiskalischen Gründen geehelicht zu haben: ‹Moralisch gesehen ist das eigentlich eine Scheinehe.›».
Das stimme so nicht, versichert Rodi gegenüber BLICK. «Wir beschlossen in Thailand, zu heiraten, weil wir uns tief platonisch liebten», sagt er. Das werde er Martin Graf, der ihm zum 90. Geburtstag noch strahlend einen in Stein gemeisselten Schmetterling überreicht hatte, mitteilen. Dass Anina als Witwe später keine Erbschaftssteuer entrichten müsse, sei ihm erst später klar geworden: «Auch der Stadtpräsident erkannte, dass unsere Ehe nicht gesetzeswidrig ist.»
Die beiden heirateten dann Monate später nach ihrer Asienreise im grenznahen Ausland – ohne Trauzeugen, weil das in vielen Ländern nicht mehr verlangt wird. Auch das half, die Ehe so lange geheim zu halten.
Ohnehin sieht es das Zürcher Steueramt nicht so eng wie Graf: «Wir prüfen nicht, ob es sich um eine Scheinehe handelt, sondern ob eine Steuerumgehung vorliegt», erklärt Amtschef Adrian Hug. Dazu müssten aber strenge Bedingungen erfüllt sein. «Dass die Ehe platonisch ist, gehört nicht dazu.»
Rodi weiss, dass auch seiner jungen Frau vieles durch den Kopf geht. Darum ist er ihr nicht böse. «Vielleicht meldet sie sich ja heute noch, wir hatten doch eine so schöne Zeit», seufzt er.