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Bei Chris von Rohr hat es «bumm» gemacht (im SonntagsBlick). Wie schön. Dass die Frau, die den Knall auslöste, fast 30 Jahre jünger ist – na, gut. Damit steht er ja nicht allein, im Gegenteil, der Rocker, der Unkonventionelle, der Anti-Spiesser, bewegt sich für einmal im grossen Haufen: Man zeige mir den Mittfünfziger, der seine Potenz nicht gern mit einer möglichst jungen Frau zur Schau stellen möchte.
Wenns richtig «bumm» macht, setzt der Verstand sowieso aus. Es ist dann einfach so, fertig. Sicher, 29 Jahre Altersunterschied ist viel. Klar doch, wenn sie 40 wird und mehr, bekommt sie vielleicht selbst Appetit auf junges Fleisch. Und was ist mit Kindern? Traut er sich das nochmals zu oder muss sie verzichten? Und wenn sie es schaffen zusammenzubleiben, wird sie ihn pflegen, wenn er richtig alt ist?
Aber interessiert das ein frisch verliebtes Paar im Liebesurlaub? Wohl kaum. Auf Kreta sind die Nächte lang, die Morgenstunden auch, und der Nachmittag ist sowieso die beste Zeit für die Liebe.
Natürlich sehen wir es richtig, wir Erwachsenen, die wir schon lange kein Bumm mehr spürten: Im besten Fall führen die beiden später Beziehungsgespräche, in denen sie Lustlosigkeit thematisieren. Und sie fragen sich, wo die Begeisterung füreinander, die grosse Freude und die Lust geblieben sind.
Aber jetzt, in diesem Moment, wenn wir das Ferienbild des «jungen» Paares anschauen, denken wir doch auch: «Mein Gott, wie schön die es haben.» Und werden ein wenig neidisch.
Jung ist er ja nicht mehr, der von Rohr. Aber im Herzen ist er ein Jugendlicher geblieben. Auch wenn er redet, hört man keinen reifen Mann, sondern einen jungen, der sich über dies und jenes ereifert. Seine Musik ist sowieso alterslos.
Gut, vielleicht sehen wir ja auf dem Bild einen Kindskopf. Einen, der nicht älter werden kann, einen, der auf jung macht, weil er anders nicht kann. Einen, der sich nur einer jungen Frau gewachsen fühlt, die ihn ganz, ganz toll findet.
Ich stelle mir jetzt mal vor, ein 28-jähriger Mann fände mich super, und es hätte «bumm» gemacht. Vielleicht hätten wir dieselben Interessen: Politik, Musik, Literatur, Kunst. Egal. Da würde ich doch etwas hören, das mich im besten Fall interessiert. Ich würde es süss finden. Oder klug, klar. Aber es wären Erfahrungen und Berichte aus einer andern Welt, die mir für immer verschlossen bliebe.
Vielleicht haben ältere Frauen mit jungen Liebhabern weniger Illusionen. So habe ich noch keine Frau erlebt, die allen Ernstes glaubt, der junge Mann, in den sie verliebt ist und mit dem sie gern ins Bett geht, sehe sie jung.
Männer mit blutjungen Freundinnen denken das. Sie fühlen sich als gleichwertige Partner. Die Ernüchterung kommt meistens bald. Trotzdem ist für mich der Titel eindeutig zu beantworten: Ein reifer Mann soll den Frühling so oft geniessen, wie er kann. Denn es kommt kein Sommer mehr, nur noch Herbst.
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Eliane Schweitzer: «Chris von Rohr ist nicht mehr jung. Und doch ist er ein Jugendlicher.» (8989/Leserbild)