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Die Schweizerinnen und Schweizer, die letzte Woche vor dem Fernseher sassen, rieben sich verwundert die Augen. Da brüteten Miss-Schweiz-Kandidatinnen über Fotos – Bilder von bekannten Schweizer Wahrzeichen und Persönlichkeiten. Das hochnotpeinliche Resultat: Schulterzucken, grosse Augen, falsche Antworten. Bei den angehenden Landesschönsten fehlt das einfachste Allgemeinwissen über die Schweiz!
Getestet hat die 16 Finalistinnen der Miss-Schweiz-Wahl das SF-People-Magazin «Glanz & Gloria». Das niederschmetternde Ergebnis schlägt hohe Wellen – so hoch, dass sie bis in die Heimat von Sänger Polo Hofer am Thunersee geschwappt sind. «Ich fordere einen IQ-Test für die Miss-Schweiz-Kandidatinnen», sagt der 64-jährige Mundartrocker im Gespräch mit SonntagsBlick. Über den Wissensstand der angehenden Schönheitsköniginnen zeigte sich der Barde der Nation schockiert. «Für die ist das Bundeshaus eine Kirche», spottet er. «Und dass die so doof sind und nicht einmal das Matterhorn erkennen, ist schlicht unter aller Sau!» Hofer ist sicher, dass er im Alter der Kandidatinnen solche Dinge wusste.
Sind die Schulen schuld?
Auf Hofers Forderung angesprochen, meint Karina Berger (40) von der Miss-Schweiz-Organisation: «Wir sind prinzipiell ein Schönheitswettbewerb.» Sie bezweifelt, dass ein Intelligenztest etwas über das Schweizer Allgemeinwissen der Kandidatinnen aussagen könne. Emotionale Intelligenz sei beim repräsentativen Amt der Miss Schweiz ebenso wichtig. «Aber natürlich wünschen wir uns, dass eine künftige Miss gewisse Eckdaten ihres Heimatlandes kennt. Spätestens wenn sie die Krone erhält.»
Also: Büffeln muss nur, wer siegt? «Alle Mädchen haben die neunjährige Grundschule besucht», argumentiert Berger, «es ist nicht unsere Aufgabe, dieses Wissen bei allen Kandidatinnen in der zweimonatigen Vorbereitungszeit aufzuholen.»
Der Kinder- und Jugendpsychologe Allan Guggenbühl (57) ist vom schlechten Abschneiden der Miss-Kandidatinnen wenig überrascht: «Das ist mittlerweile ein allgemeines Phänomen. Vielen Jugendlichen fehlt dieses Basiswissen.» Guggenbühl sieht das Problem bei den Schulen: Während die sich früher noch auf das Auswendiglernen der Landessymbole konzentriert hätten, sei dies heute nicht mehr Standard. «Mittlerweile wird weniger das Wissen an sich als vielmehr die Kompetenz vermittelt, Wissen zu erreichen.»
Vielleicht bräuchte es mehr Polo Hofers in den Schulen. Der Rocker aus Oberhofen BE wüsste auch genau, was er prüfen würde. «Zum Beispiel, wie viele Kantone die Schweiz hat.» Und wenn schon Missen zum Test müssen – wieso denn nicht auch Politiker und Wirtschaftsleute? «Die Miss Schweiz ist ein Vorbild, Banker und Politiker sind keine», wehrt Hofer ab. Er selbst hat übrigens auch noch nie einen IQ-Test absolviert. Deshalb schätzt er seinen Quotienten selbst – und zwar unbescheiden hoch: «Mein IQ ist 147.»
Mitarbeit: Annina Steffen