Um diese Kinder kämpft Dr. Prêtre

  • Publiziert: 13.01.2010, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Gabriela Battaglia aus Maputo

Der Schweizer des Jahres ist auch in Afrika ein Held. Jeden Tag rettet René Prêtre (52) Kinderleben.

Faustina lacht. Das kleine Mädchen sitzt auf dem Spitalbett, spielt mit einer Barbie-Puppe, die fest in Plastik eingepackt ist. Faustina juchzt.

Fatima Jonas (32) und ihr neun Monate altes Töchterchen sind seit einem Monat in der Klinik Instituto do Coração in Maputo, der Hauptstadt von Moçambique.
Die beiden stammen aus der Provinz Manica, rund 1500 km nördlich der Hauptstadt. «Die Busfahrt hierhin dauerte 19 Stunden», sagt die vierfache Mutter.

Gestern kurz vor Mittag nimmt Krankenpfleger Enoque Matias (23) dem kleinen Mädchen die letzten Blutproben. Um ganz sicher zu sein, dass Faustina fit für die Operation ist. Das Baby schreit wie am Spiess.

Alles ist bereit: René Prêtre, Herzchirurg und frisch gekürter Schweizer des Jahres 2009, wird Faustina am Freitag operieren. Das Baby ist schwer krank. Sein Herz hat ein Loch.

Wenn Faustina nicht behandelt wird, stirbt sie. Ihr Vater ist arbeitslos, bitterarm. Die Herzoperation kostet die Familie nichts, dank der Stiftung Le Petit Cœur von René Prêtre, Chefarzt am Zürcher Kinderspital.

Im Bett nebenan liegen Grinha José (21) und ihr Söhnchen Laerson (3). Auch der Bub hat ein Loch im Herz. «Weil er immer müde ist, bin ich ins Spital gegangen», sagt Grinha.

Der chirurgische Eingriff an Laerson muss um einen Tag verschoben werden. Eigentlich operiert René Prêtre drei Patienten pro Tag. Doch zwei komplizierte Herzoperationen dauerten länger als geplant.

Stundenlang steht René Prêtre mit seinem Team im OP, zwischen den Operationen gönnt er sich nur eine kurze Verschnaufpause. Laersons Mutter ist trotz des schweren Eingriffs, der ihrem Bub bevorsteht, nicht nervös. «Ich vertraue dem Arzt aus der Schweiz», sagt Grinha.

Im gleichen Zimmer sitzt Cardilia (28) auf einem Stuhl. In den Armen hält sie ihr achtmonatiges Söhnchen Walter. Die beiden sind erst vorgestern in das Spital gekommen. Walter hat einen schweren Herzfehler. Das Baby ist schwer unterernährt. Anstatt zehn bis zwölf Kilo wiegt Walter nur vier Kilo. Seine Ärmchen sind spindeldürr und die Rippen zeichnen sich scharf unter der Haut ab. Eine Herzoperation in diesem Zustand ist zu riskant.

«Er ist ein dramatischer Fall», sagt der Kardiologe Louis Paul (33). Er ist Moçambiquaner und studierte Medizin in Paris. Vor vier Jahren kam Louis Paul zurück in seine Heimat. «Wenn wir die beiden nach Hause schicken, kommt die Mutter vielleicht nie mehr. Wir haben so schon viele Kinder verloren.» Gestern Abend fällt René Prêtre den Entscheid. Walter bleibt mit seiner Mutter im Spital. Er wird im März operiert.

Die Klinik Instituto do Coração liegt unweit des Bankenviertels von Maputo. Vor dem Eingang verkaufen Frauen Secondhand-Kleider. Das Gebäude wurde vor drei Jahren renoviert. Es erstrahlt in weissem Glanz, auch drinnen ist die Klinik blitzblank.

In Zimmer Nummer 3 liegen die Kinder, denen René Prêtre bereits das Leben gerettet hat. Claudia (18 Monate) ist vor fünf Tagen operiert worden. Ihre Mutter, Paula Janeiro, kam vor einem Jahr das erste Mal. «Das Baby war damals extrem unterernährt, es konnte nicht operiert werden», sagt Arzt Louis Paul. «Claudia hat Glück gehabt. Ihre Mutter ist zu uns zurückgekommen.» Die Mutter des kleinen Mädchens ist überglücklich: «Der Arzt aus der Schweiz hat mein Kind gerettet», sagt sie mit Tränen in den Augen.

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