Die Sex-Affäre Um 16.30 Uhr kam Carl Hirschmann aus dem Knast

  • Publiziert: 07.11.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Kaye Anthon und Adrian Schulthess

Carl Hirschmann hat sich in die Freiheit gekauft. Doch zu den Vorwürfen gegen den Club-Besitzer schweigt der Staatsanwalt weiter eisern.

Millionenerbe Carl Hirschmann (29) ist wieder auf freiem Fuss: Gestern gegen 16.30 Uhr entliess ihn die Zürcher Staatsanwaltschaft aus der Untersuchungshaft.

Der Grund: «Ich konnte eine wichtige Zeugeneinvernahme durchführen», sagt Staatsanwalt Daniel Kloiber, «unbeeinflusst von Herrn Hirschmann.»

BLICK weiss: Gestern liess Kloiber zudem die Bänder der Überwachungskameras aus Hirschmanns Zürcher Club Saint Germain beschlagnahmen.

Ganz frei ist der Goldküsten-Playboy aber noch nicht. «Ich habe seinen Pass eingezogen», sagt Staatsanwalt Kloiber – Hirschmann darf das Land nicht verlassen.

Kloiber steckte den Party-Unternehmer wegen Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft. Vor seiner Haftentlassung musste Hirschmann deshalb ein Kontaktverbot zu «bestimmten Verfahrensbeteiligten» unterschreiben. Und eine Kaution hinterlegen.

100000 Franken Kaution?

«Die Summe ist hoch, gemessen an seinen finanziellen Verhältnissen», sagt Kloiber dazu nur. «Ich habe einen Betrag genannt, den ich wollte – und ihn bekommen.»

BLICK fragte mehrere Zürcher Strafrechtsanwälte an. Sie sind sich einig: Die hinterlegte Summe muss mindestens 100 000 Franken betragen.

«Unverständlich ist aber eine Kaution trotz Kollusionsgefahr. Kontaktsperre hin oder her – das ist absurd», sagt ein ehemaliger Zürcher Bezirksanwalt, der nicht genannt werden will. «Und natürlich ein Ansatz von Klassenjustiz. Ein armer Schlucker hätte da keine Chance.»

«Dem kann man nur zustimmen», sagt Ringier-Anwalt Matthias Schwaibold. In der Zürcher Praxis sind Entlassungen auf Kaution ein seltenes Phänomen.

Worum es im «Fall Carli» geht, dazu schweigt der Staatsanwalt aber nach wie vor eisern. «Aus Persönlichkeitsschutz und untersuchungstaktischen Gründen.»

Ob er Carl Hirschmann damit allerdings tatsächlich einen Gefallen tut, ist zu bezweifeln. Er öffnet den Spekulationen über die möglichen Verfehlungen des prominenten Partymachers Tür und Tor.

Staatsanwalt will weiter schweigen

Haben ihn die jungen Frauen angezeigt, die er im «Platinum Room» seines Clubs einschloss, zum Oralsex zwang und ihnen später mit der Veröffentlichung der Überwachungskameras drohte? Oder ist etwas vorgefallen, worüber selbst die Zürcher Partyszene noch nicht Bescheid weiss?

Daniel Kloiber will weiter schweigen. «Ich werde die Untersuchung jetzt nach allen Regeln der Kunst führen. Das dauert einige Wochen. Dann werde ich informieren», sagt der Staatsanwalt. Und erklärt: «Versuchen Sie mal, einen Termin mit zwei bis drei Anwälten zu finden. So einfach ist das nicht.»

Auch Carl Hirschmann selber brachte gestern kein Licht ins Dunkel: Sein Handy liess er ausgeschaltet. Und in seinem Club im Bally-Gebäude tauchte er bis Redaktionsschluss nicht auf. Zumindest war aber das Personal da: Schon ab 18.30 Uhr brannte die Club-Beleuchtung.

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