Trudi Gerster (93) starb zu Hause: «Sie wusste, dass ihre Zeit gekommen war»

Schon als Kind erzählte sie den Nachbarskindern Geschichten. Als Politikerin kämpfte sie für die Rechte der Frauen. Nun ist ist die Märchenkönigin der Nation tot.

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Märchen für Generationen

Basel – Mit Geschichten wie «Vom Fuchs und de zwei Bärli», «Vom Schüüche Drache», «S Rum­pelstilzli» oder «Häx Gwagglizah» hat die Märli-Königin drei Generationen begleitet. An der Landi 1939 hatte Trudi Gerster ihr erstes Engagement als «Märchenfee». Ab 1940 war sie auf Radio Beromünster zu hören. Daneben verfasste sie mehrere Kinderbücher.

Viele Ton­träger, wie etwa «D Rege­trude» oder Sammlungen von Schweizer Märchen, erhielten Auszeichnungen. 2011 erschien ihr letztes Hörspiel: «Säuli-Geschichten». Diese erzählte Trudi Gerster besonders gern. Der Verlag prüft nun eine Neuauflage.

Die Stimme, die jedes Schweizer Kind kennt, ist für immer verstummt. «Sie ist in der Nacht auf Samstag in ihrer Wohnung in Basel sanft entschlafen», sagt die Trauerfamilie zu BLICK. Ihre beiden Kinder Esther (64) und Andreas Jenny (60) waren dabei, als Trudi Gerster († 93) ihre letzte Reise antrat. Angst vor dem Tod habe sie keine, «nur vor Schmerzen», sagte Trudi Gerster noch 2011. Und die blieben ihr erspart. An einer Krankheit habe die Märchenkönigin nicht gelitten. «Trudi hatte einen angenehmen Tod, starb an Altersschwäche», so Schwiegertochter Verena Jenny. «Sie wusste, dass ihre Zeit gekommen war.»

Sie würde gerne 100 Jahre alt werden, sagte Trudi Gerster einst. Am Ende wurde sie stolze 93. «Es ist nicht immer märchenhaft verlaufen, aber ich hatte ein gutes und spannendes Leben», sagte Trudi Gerster vor zweieinhalb Jahren in einem BLICK-Interview. Ich habe eine wunderbare Familie und bin sehr zufrieden und auch dankbar. Denn ich weiss, dass das nicht selbstverständlich ist.»

Schon als Kind Geschichten erzählt

Niemand zauberte Lachen und Staunen in Kindergesichter wie sie. Schon als Mädchen hatte sie den Nachbarsgspänli Geschichten erzählt. Zur Märchenkönigin wurde sie trotzdem eher zufällig. An der Landesausstellung 1939 in Zürich jobbte die Tochter einer Schneiderin als Märchenfee, um sich Schauspielstunden leisten zu können. Trudi Gersters Auftritte waren ein Riesenerfolg. Die Kinder hingen an ihren Lippen, das Märlizelt platzte aus allen Nähten und sie erzählte fortan auf dem Parkplatz.

Ein einziges Mal, an der Expo.02, hätten drei Kinder ihre Märchenstunde verlassen. Sie verstanden kein Deutsch, stellte sich später heraus. Trotzdem seien die Kleinen zurückgekommen, nur um ihr beim Erzählen zuzusehen.

Königin nicht Tante

Nach der ersten Hochzeit der zweimal verheirateten Trudi Gerster und der Geburt von Esther und Andreas konzentrierte sie sich auf Märchen. «Obwohl ich damals in Wien fürs Fernsehen gespielt und riesigen Erfolg hatte», so die ausgebildete Schauspielerin. «Aber ich wollte meine Kinder nicht alleine lassen.» Und so wurde Trudi Gerster zur Märchenkönigin der Nation. Und nicht etwa Märchentante, wie sie immer mit Stolz betonte.

Von 1968 bis 1980 sass sie als Politikerin im Grossen Rat Basel. Erst als Parteilose, später als Vertreterin des Landesrings der Unabhängigen kämpfte sie für die Umwelt und Frauenrechte. Entsprechend gut gefiel ihr der «Froschkönig». «Ein emanzipatorisches Märchen. Welche Frau hätte nicht schon gern einen Mann aus dem Bett geworfen, damit er sich in einen Prinzen verwandelt?»

Ihr Lieblingsmärchen war allerdings Andersens «Kleine Meerjungfrau». «Die opfert sich aus Liebe zum Prinzen; das tut ja heute fast niemand mehr.»

Trudi Gerster: Aladin und d’Wunderlampe

Beliebteste Kommentare

  • Morgan  Schwab , via Facebook
    Liebe Trudi Gerster, ruhe in Frieden. Danke für die vielen Märchen, die wir gehört haben. Mit Dir geht ein Stück Kindheitserinnerungen leider weg.. Alles Liebe und Gute auch deiner Familie.
  • Beat  Rink , Basel
    Eine der letzten CDs von Trudi Gerster ist eine wunderbare CD mit Bibelgeschichten. Sie ist immer noch erhältlich: "Gschichte uss dr Bible". Sie beschäftigte sich intensiv mit den Texten und betonte in den Vorbereitungen, bei denen ich dabei sein durfte, immer wieder, dass die Bibel-Geschichten für sie etwas Anderes seien als "Märchen".

Alle Kommentare (8)

  • Oliver  Blaser , via Facebook
    Ich danke für Ihr Engagement, danke auch für die vielen schönen Erinnerungen. Irgendwann gehen wir leider alle. Ich hoffe es gibt auch in Zukunft so gute Menschen!
    • 30.04.2013
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  • Stefan  Walter , Winterthur , via Facebook
    Liebe Trudi Gerster. Danke dass du so viele Kinder mit deinen Märchen Glücklich machen konntest.
    • 29.04.2013
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  • Michael  Steiner , Winterthur
    Tschüss Trudi. Deine Stimme bleibt immer in meiner Erinnerung.
    • 29.04.2013
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  • Felix  Frei , Uster
    Tschau "Märli-Tante". Schön, dass du dein Leben noch so lange geniessen konntest und sanft entschlafen bist. R.I.P.
    Den Angehörigen mein Beileid.
    • 29.04.2013
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  • Randy  Tomlinson , via Facebook
    93 ist ein tolles alter. da kann man bis 70 Vollgas geben, die Welt entdecken und Abendteuer bestehen und dann die restlichen 20 Jahre easy abhängen, von vergangenen Zeiten träumen und seine Lebensgeschichte den Enkeln erzählen.
    • 29.04.2013
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