Musik-Legende, «Pingu»-Erzähler, Kunstmaler: Der Schweizer Rocker Toni Vescoli wird am 18. Juli 70. Er blickt auf ein halbes Jahrhundert Rock ’n’ Roll zurück.
Rock-Künstler sterben an Herzproblemen, Drogen oder Selbstmord. Eine Auflistung von 321 toten US-Superstars zeigt: Sie wurden im Durchschnitt 37 Jahre alt. Wenn sie Glück haben, sind sie Millionäre, fünmal geschieden und recyceln ihre alten Hits.
Toni Vescoli ist anders. Als er die Tür zu seiner geschmackvollen Attikawohnung in Wald ZH öffnet, wirkt der «Swiss Beatle» kraftvoll, jung, vital – dabei wird er am 18. Juli siebzig. Trotzdem gibt er noch heute Konzerte. «Ein achtsames Leben und gute Gene!», sagt er und grinst. Okay, zweimal pro Woche macht er Krafttraining, isst viel Salat, wenig Fleisch. Und das schulterlange Haar? Weiss, aber alles echt.
Aus einer Wurlitzer-Musikbox in der Stube wummert der Hit «Heavenly Club» von Les Sauterelles (Die Grashüpfer), mit denen er im September 50 Jahre zusammen spielt. «Ich musste mit 23 für eine Familie sorgen. Da konnte ich mir keine Drogeneskapaden leisten.» Ausserdem habe er – für einen Rocker ziemlich suspekt – kaum getrunken, nie geraucht. Sein Ruthli könne das bezeugen. 1964 war es: «Ich sah sie, eine elegante Frau, im legendären ‹Schwarzen Ring› im Zürcher Niederdorf vor einer Jukebox. Und sagte: Fräulein, Sie müssen die Rolling Stones drücken, nicht immer diesen Franzosen Richard Anthony!»
Im Winter 1966 heirateten sie. «Klammheimlich – unser Manager hat es verboten», so Vescoli. Und noch immer liebt er sein Ruthli, das zwei Kinder in die Ehe brachte: «Wir können den ganzen Tag zusammen sein, ohne dass uns die Decke auf den Kopf fällt.» Kein Abend, an dem nicht gekuschelt oder gefüsselt werde: «Wir haben auch oft Sex zusammen», gesteht der Rock-Rentner. Als die acht Jahre ältere Ruth 2010 auf Teneriffa eine Thrombose erlitt und vom gemeinsamen Zweitwohnsitz notfallmässig in die Schweiz geflogen werden musste, war er in Panik. Heute geht es ihr wieder gut: «Ich bringe ihr jeden Morgen einen Kaffee ans Bett», sagt er. «Nur am Sonntag und auf Teneriffa nicht – da ist Ruthli dran.» «Viele Paare leben in der Vergangenheit oder fragen sich, was morgen ist. Wir lieben das Jetzt.» Zärtlich nimmt er Ruthli in die Arme. «Mit ihr möchte ich 100 werden!» Toni Vescoli wäre es zuzutrauen. Er war schon immer anders.