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Renzo Blumenthal ist ganz besorgt. Der schöne Bio-Bauer kniet im Stall in Vella GR, streichelt sein Kalb Sebriana. Dem Jungvieh geht es schlecht. Es leidet an einer gefährlichen Rindergrippe. Hat auch eine eitrige Arthritis am rechten Vorderbein. «Es tut mir im Herzen weh», sagt Blumenthal.
Von seinen zwanzig Kälbern musste der frühere Mister Schweiz schon zwei Tiere einschläfern lassen. Der Tierarzt hat auch Sebriana aufgegeben. «Aber ich will weiter um ihr Leben kämpfen», sagt Blumenthal. «Meine Frau Ladina und ich versuchen nun, Sebriana mit homöopathischen Mitteln gesund zu bekommen.»
Das Tierdrama begann vor drei Wochen. Renzos Kälberhatten plötzlich starken Husten und bis zu 40 Grad Fieber. Durch den Husten steckten sie sich gegenseitig mit Grippe und Lungenentzündung an. «Es ist zum Verzweifeln», klagt Blumenthal. «So schlimm habe ich die Rindergrippe noch nie erlebt.» Jedes Mal, wenn er den Stall betrete, habe er Angst, dass ein weiteres Tier todkrank am Boden liegen könnte. «Die Kälber sind abgemagert, ich bin in grosser Sorge», sagt der Bündner.
Ist ein zu feuchter Stall die Ursache?
Blumenthal ist nicht der einzige Bauer in der Region, der kranke Tiere im Stall hat. «Es ist eine starke Grippe mit einer aussergewöhnlichen Ausbreitung», bestätigt der Bündner Kantonstierarzt Rolf Hanimann (58). Die Grippewelle stehe in keinem Verhältnis zu jener im vergangenen Jahr. Blumenthal kann nur mutmassen, weshalb die Krankheit gerade seine Kälber befallen hat: «In letzter Zeit war es viel zu feucht im Stall», sagt er. Er hätte mit eigens gekauften Entfeuchtern versucht, den Stall so trocken wie möglich zu halten. «Doch das hat zu wenig gebracht.» Ein weiterer Entfeuchter soll nun den Schaden möglichst gering halten.
Es ist nicht das erste Mal, dass Blumenthal Probleme mit seinen Tieren hat. Bis im vergangenen Sommer hatte er Streit mit Anwohnern wegen seines stinkenden Schweinestalls. Nach langem Rechtsstreit darf er die Mast nun wieder betreiben und kann er seine Bio-Würste künftig wieder an Partys und In-Restaurants in der ganzen Schweiz liefern. Mit dem Verkauf seines Bio-Kalbfleischs muss er jetzt aber zuwarten. Die Tiere werden momentan mit Antibiotika behandelt.
«Ob sie je wieder ganz gesund werden, ist unklar», so Blumenthal. Die finanzielle Einbusse interessiere ihn weniger. «Mir ist die Gesundheit der Tiere wichtiger.» Ob Sebriana zu retten ist, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Vom Kantonstierarzt gibts für die anderen Tiere aber gute Nachrichten: Von einer Seuche oder Epidemie könne zum Glück keine Rede sein, sagt Rolf Hanimann.