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Die Geschichte begann mit einer etwas unbedarften Äusserung in der Sendung «10 vor 10». Da erklärte Renzo Blumenthal (32) sein Ja für ein Minarettverbot: «Ich will doch nicht durch die Schweiz fahren und nur Minarette sehen!»
Er erhielt Dutzende von Mails. «Positive, doch auch viele negative.» Darauf beschloss der Mister Schweiz des Jahres 2005, sich mit dem Islam auseinanderzusetzen: Auf Einladung von Khaldoun Dia-Eddine (51), Vorstandsmitglied der Föderation Islamischer Dachorganisationen in der Schweiz, besuchte er am Freitag die Moschee in Emmenbrücke LU.
Blumenthal betritt das Gebetshaus mit gemischten Gefühlen: «Ich weiss nicht, wie die Muslime mich nach meinen Äusserungen behandeln werden.» Doch er kommt nicht mit leeren Händen – zur Versöhnung hat der Bergbauer aus Vella GR Bündnerfleisch und Käse frisch vom Hof dabei. Dia-Eddine und Vehbija Efendic(54), Präsident der bosnischen Moschee, empfangen ihren Gast mit offenen Armen.
Die Leute im Aufenthaltsraum begrüssen den Ex-Mister freundlich. Viele erkennen ihn, wollen ihn fotografieren und ein Autogramm. «Für meine Tochter», sagt einer. Dann gehts zur rituellen Waschung. Vor dem Gebet waschen Muslime ihre Hände, Gesicht, Ohren, Unterarme und Füsse – Renzo auch.
Im Gebetsraum trifft er auf den Imam Cazim Mehmedovic (46); der Prediger begrüsst ihn: «Unsere Moschee ist immer offen für alle. Schliesslich ist es ein Haus Gottes.» Renzo, sichtlich überwältigt, erklärt sein Votum aus «10 vor 10»: «Viele Schweizer fürchten, vom Islam überrollt zu werden», sagt er. Da gestehen auch die Muslime Fehler ein. «Wir müssen stärker den Dialog suchen, zeigen, dass wir uns von Terrorismus klar distanzieren», sagt Dia-Eddine.
«Wieso habt ihr eigentlich kein Minarett?», fragt Renzo. «Wir haben darauf verzichtet», so Präsident Efendic. Von den über 100 Moscheen in der Schweiz haben nur vier ein Minarett.
«Ich hätte mich besser informieren sollen», sagt Blumenthal. «Heute würde ich Nein stimmen. Nicht die Minarette sind das Problem, sondern der fehlende Kontakt zwischen den verschiedenen Kulturen.»