Viktor Giacobbo über lahme Linke und vife Rechte «Parteipolitik geht mir am Arsch vorbei»

  • Publiziert: 31.01.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Interview von Reza Rafi

Er würde gern als Ueli Maurer im Albisgüetli auftreten – und die Wirtschaftskrise findet Viktor Giacobbo (56) gar nicht so schlimm.

Winterthur, frühabends. Im Casinotheater herrscht Hochbetrieb. Der Hausherr wartet an der Bar. Viktor Giacobbo, im dunklen Veston, gibt sich betont unauffällig. Doch keiner bringt hierzulande mehr Leute zum Lachen als der Doyen der Schweizer Komik. Sein Quotenknüller «Giacobbo/Müller» auf SF startet heute in die dritte Staffel.

Langweilt Sie Ihre Arbeit?
Viktor Giacobbo:
Nein. Weshalb sollte ich mich langweilen?

Alle lieben Sie, selbst Ihre politischen Gegner bei der SVP – haben Sie da als linker Satiriker nicht etwas falsch gemacht?
Mir geht jegliche Parteipolitik am Arsch vorbei. Ich bin nicht der Scharfrichter der Linken. Wenn ein Rechter wie Toni Brunner bei mir lustiger und interessanter ist als ein SP-Gast, dann ist das doch sein Verdienst. Langweilig wäre es, wenn ich mit dem SP-Parteiprogramm im Kopf die Gäste befragen würde.

Würden Sie an der Albisgüetli-Tagung der SVP auftreten?
Nein – aber es wäre interessant, dort als falscher Ueli Maurer die Szene aufzumischen. Übrigens lieben mich nicht wirklich alle: Ich könnte Ihnen die üble Schmähpost zeigen, die ich derzeit wegen meines Auftritts im Film «Räuberinnen» erhalte.

Dort reden Sie ständig von «ficken». Suchen Sie den Skandal?
Skandal wegen dem Wort «ficken»? Wir leben doch nicht mehr in den 60ern! Erst suchten die Medien nach einem Skandal – und als man keinen fand, wurde dem Film sogar vorgeworfen, dass er fehle.

Spüren Sie als VR-Präsident des Casinotheaters die Krise?
Bis jetzt noch nicht. Unser Haus ist gut besucht.

Für Sie als Satiriker muss das Versagen der Hochfinanz eigentlich ein gefundenes Fressen sein.
Was heisst hier «eigentlich»? Wir haben bereits letztes Jahr gut von diesem Thema gelebt!

Giacobbo, der Krisengewinnler.
So gesehen ja. Satire hat in schlechten Zeiten immer grössere Brisanz.

Gibt es für die neue Sendestaffel schon eine Gästeliste?
Nein, wir entscheiden das alles vorzu. Auch die Texte proben wir nie.

Sie haben aber für jede Sendung einen Leitfaden?
Ja. Aber wer von uns welchen Spruch macht, entscheidet sich spontan – mit Ausnahmen: Mike Müller kann ja nicht gut Witze über meinen Leibesumfang machen.

Bringen Sie auch neue Figuren?
Bestimmt. Und viele Bestehende haben noch Potenzial: von Mike Müllers «Hanspeter Burri» bis zum Schnellredner «Dr. Klöti».

Darf man auch wieder mit Ihrer Ueli-Maurer-Imitation rechnen?
Natürlich, wir werden originalgetreu kommentieren.

Trotz Ihrer Popularität verraten Sie nie etwas Privates.
Mit meiner Arbeit gebe ich genug von mir preis. Und reine Promi-Anlässe wie die Swiss Awards mag ich nicht: Über einen roten Teppich zu marschieren, an dem bezahlte Fans Spalier stehen, finde ich ziemlich bescheuert.

Dort wurde Eveline Widmer-Schlumpf Schweizerin des Jahres. Hätten Sie auch für sie gestimmt?
Objektiv hat sie wohl einen guten Job gemacht. Aber die Linke tut jetzt so, als ob sie eine von ihr wäre. Das ist peinlich. Widmer-Schlumpf ist in vielen Positionen nicht anders als Blocher.

Ist die Schweizer Politik die letzten Jahre attraktiver oder langweiliger geworden?
Attraktiver. Die Positionen sind heute klarer. Das ist ein Verdienst der SVP. Weil sie häufig Radau macht und mit Kanonen auf Spatzen bzw. Raben schiesst, kriegt sie auch öfter mal eine deftige Antwort von links. Das belebt.

Wen würden Sie sich für Ihre Show als Gast wünschen?
Den Papst, Osama Bin Laden oder die Königin von England.

Weshalb gerade sie?
Jetzt machen Sie mir gerade meine Pointe kaputt. 

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