Gross in Hollywood – und zu Besuch in Zürich. BLICK traf Pietro Scalia zum Gespräch.
Er hat das geschafft, wovon Tausende in Hollywood träumen: einen Oscar! Cutter Pietro Scalia (52) hat gleich zwei der Figuren in seinem Wohnzimmer-Schrank stehen. Er lächelt stolz, erzählt: «Niemand glaubt, dass meine Oscars echt sind.» Wenn seine amerikanische Ehefrau oder die beiden Kinder Gäste hätten, sei deren Reaktion oft ein ungläubiges Staunen. Was nicht verwunderlich ist: Der Meister-Cutter ist zwar ein Star seiner Zunft, aber bescheiden geblieben. Als Sohn sizilianischer Einwanderer wuchs Scalia in Aarau auf, wanderte nach dem Gymi nach Amerika aus, um Film zu studieren. «Ich wusste, seit ich das erste Mal einen Stanley-Kubrick-Streifen am TV sah, dass ich Filme machen will», so Scalia.
Statt ihm den Traum auszureden, plünderten Scalias Eltern ihre Ersparnisse und schickten ihren Sohn fürs Studium nach Amerika. «Es war keine einfache Zeit», erinnert er sich. «Es gab nur wenige Ausbildungs-Möglichkeiten, aber die Liebe zum Film trieb mich an.»
Nach dem Studium wollte Scalia wieder in die Schweiz zurück. Aber es kam anders: «Ich merkte, dass es besser ist, erst praktische Erfahrungen bei einem Regisseur zu sammeln.»
Durch eine Studienfreundin lernte er Regisseur Oliver Stone (66) kennen, durfte 1987 – mit 26 Jahren! – als Assistenz-Cutter den Film «Wallstreet» mit Michael Douglas (68) schneiden. «Ich habe sehr viel von Oliver Stone gelernt. Dank ihm kam meine Karriere in Fahrt», sagt Scalia.
Stone verdanke er es auch, dass er nur fünf Jahre später für «JFK – Tatort Dallas» seinen ersten Oscar gewann. «Auf diesen Film bin ich besonders stolz. Den sehe ich noch heute gerne.» Das zeichne einen guten Film aus. «Denn ich schaue den Film schon beim Schneiden Hunderte Male an.»
Eine Traumkarriere und zwei Oscars. Was ist eigentlich sein Erfolgsrezept? «Ich bin pingelig und fleissig, habe typische Schweizer Eigenschaften», antwortet er lachend. «Meine Stärke ist aber auch meine Meinung. Ich bin nicht bloss eine ausführende Arbeitskraft.»
Zurzeit arbeitet er in London. Dort schneidet er Ridley Scotts (74) «The Counselor». Der Film ist prominent besetzt: Brad Pitt (48) und Penélope Cruz (38) spielen die Hauptrollen. «Ich war am Set in Spanien», erzählt Scalia. «Aber da ist es mir langweilig geworden. Meine Arbeit ist im Schneideraum. Dort fühle ich mich wohl.»
Vielleicht heimst er für «The Counselor» bald den dritten Oscar ein.
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