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In André Reithebuchs (22) Büchergestell herrscht gähnende Leere. Immerhin steht da das einzige Buch, das der aktuelle Mister Schweiz in seinem Leben je gelesen hat: «Das Blockhaus am Denali», von Dieter Kreutzkamp. Auf 320 Seiten erzählt der deutsche Abenteurer von seinem Leben mit Frau und Tochter in einer Blockhütte in der Wildnis von Alaska.
Reithebuch findet es aber nicht schlimm, nur ein Buch gelesen zu haben: «Schliesslich gibts im Leben Spannenderes als Bücher.» Zeitungen und Heftchen wie das «Maxim» lese er hin und wieder schon.
Trotzdem verwundert es nicht, dass André Reithebuch lieber Motorrad fährt oder sich mit Freunden trifft, statt sich in ein Buch zu vertiefen: Er leidet an Lese- und Schreibschwäche, auch Illetrismus genannt.
André hat zwar Lesen und Schreiben gelernt – aber nicht genug Übung darin. In der Schule waren seine Deutsch-Noten deswegen meist ungenügend – nur dank seiner mathematischen Fähigkeiten und der Begeisterung für Zeichnen und Sport musste er nie wiederholen.
«Ich mache eben sehr viele Flüchtigkeitsfehler und habe im Hochdeutschen Probleme mit den Satzstellungen», so der Mister. Deswegen schreibe er meist auf Schweizerdeutsch – da könne er schreiben wie er wolle.
BLICK bietet dem Mister gestern Hilfe an – in Form eines Kurses an der EB (Erwachsenen-Bildung) Zürich im Wert von 370 Franken. Perfekt darauf zugeschnitten, um seine Schwäche auszubügeln: ein Schreib-Kurs für Erwachsene. Reithebuch winkt ab: «Ich hab ja in der Rekrutenschule schon so einen Kurs besucht. Am Schluss sagte mir der Lehrer, ich solle besser ein paar Bücher lesen.»
Aber eigentlich möchte Reithebuch seine Schwäche auf jeden Fall ausbügeln. Trotzdem: Handicapiert sei er ihretwegen noch lange nicht – in seinem Alltag störe ihn seine Sprachschwäche nicht. Und eben: Falls er einen wichtigen Brief schreiben müsse, korrigiere ihn sein Mami.
In der Schweiz leiden rund 800 000 Menschen an Illetrismus. Einer davon ist der Mister Schweiz: Er steht zu seinem Problem – und wäre auch bereit, für den Schweizerischen Dachverband für Lesen und Schreiben als Botschafter zu arbeiten. «Aber nur, wenn man mich nicht als Analphabeten darstellen würde.» Schliesslich hat er schon ein Buch gelesen.