
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Die Regeln an der Mister-Schweiz-Wahlnacht sind jedes Jahr gleich: Der Kandidat mit den meisten Voting-Anrufen gewinnt. Anders war dieses Jahr nur, dass der Sieger diese Übungsanlage im Vorfeld mit einer professionellen Strategie ausnutzte.
André Reithebuch (22) startete einen regelrechten Wahlkampf: Er verschickte Flyer in alle Glarner Haushalte und an seine Berufskollegen in 2500 Schweizer Zimmereien: «Ein Glarner als Mister Schweiz» oder «Schön ... schöner ... Glarner» steht da. Ausserdem verloste Reithebuchs Vater Martin (50), Inhaber einer Waschmaschinen-Service-Firma, Handys und Einkaufsgutscheine unter den Empfängern der Werbeversände. Der PR-Feldzug kostete die Familie eine Stange Geld. Auf mehrere 10000 Franken wird der Aufwand geschätzt.
Nicht alle goutieren Reithebuchs Vorgehen. Murat Yakin (34), Jury-Präsident an der Mister-Wahl, sagt: «André steht jetzt unter dem Druck, dass er dank seiner Familie und Freunden zum Mister Schweiz gewählt wurde.» Clever sei die Aktion aber gewesen. Bedenken hat Yakin trotzdem: «Wofür steht die Jury, wenn sie in der Schlussrunde nicht mitentscheiden kann?»
Werber und TV-Mann Frank Baumann (52) sieht sogar voraus, dass der nächste Mister seine Wahlpropaganda noch professioneller aufbaut: «Ich bin gespannt, wie sich diese magere Muskelshow weiterentwickelt. Vielleicht schaltet nächstes Jahr ein Vater TV-Spots für sein Söhnchen.»
Auch Mister-Schweiz-Organisator Urs Brülisauer (37) sieht, dass die Kandidaten vermehrt Werbung für sich machen. Aber: «André hat nicht nur wegen den Flyers gewonnen – er hat auch in der Show überzeugt.» Eine grosse Werbekampagne in eigener Sache reiche nicht zum Sieg.
Fazit: Direkt kaufen kann man sich den Titel nicht – aber Geld dafür investieren lohnt sich allemal.