Glarner feiern ihren Mister

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Lorenz Keller (Text) und Maren Schaefer (Video)

LINTHAL – Mit Treicheln und Alphörnern feierten die Glarner gestern die Rückkehr «ihres» André Reithebuch (22). Nicht nur für sie ist er der perfekte Mister Schweiz.

Die zwei Dutzend Treichler machen einen Höllenlärm. Immer lauter dröhnen ihre Glocken. Dann biegt endlich der Tross um die Ecke. Hunderte jubeln vor der ehemaligen Textilfabrik Bebié in Linthal ihrem Mister zu: André Reithebuch (22) ist zurück in seinem Glarnerland.

Alle sind sie gekommen, vom Landammann bis zu den Kollegen aus der Jugend. Zuhauf werden Anekdoten herumgereicht, etwa wie sich der «mürige Siech» – geiler Kerl – in der Rekrutenschule von seinem Vorgesetzten den Krawattenknopf zeigen lassen musste.

Der Gefeierte selber schüttelt Hände, nimmt Geschenke entgegen, hört dem Alphorn-Quartett zu und ist froh, als die Ehrungen vorbei sind. Dann nämlich machen die Glarner das, was sie richtig gut können: festen und feiern bis tief in die Nacht.

So klischiert und touristisch der Klimbim wirken mag – dahinter steckt weit mehr. Denn der neue Mister Schweiz trifft präzise den Nerv der Zeit. Er verkörpert Tugenden und Werte, die sich viele in schwierigen Zeiten zurücksehnen – und die den Menschen Sicherheit verleihen, gerade in Krisenzeiten.
André Reithebuch symbolisiert vor allem das Bodenständige und Verwurzelte – auch wenn der urige Lack mittlerweile einige Kratzer bekommen hat (Blick.ch berichtete).

Er ist kein weltfremder Intellektueller oder abgehobener Bänker, sondern ein Handwerker, der stolz darauf ist, eine Lehre als Zimmermann zu haben. Einer vom Volk halt.

Doch der Glarner ist glücklicherweise nicht nur ein Bewahrer traditioneller Werte, sondern mischt diese mit einer Portion Offenheit. Er zeigt sich interessiert an fremden Kulturen, samt Buddhismus. Kurzum: Er ist verlässlich, aber nicht allzu langweilig. Dieser Mix ist zeitgemäss. Und er macht Reithebuch populär – wie die Mister-Wahl gezeigt hat, nicht nur in Glarus.

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