Analphabetismus: Reithebuch bricht Tabu-Thema

  • Aktualisiert am 03.01.2012
  • Von Aurelian Baldinger
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ZÜRICH – Der amtierende Mister Schweiz André Reithebuch hat Mühe mit Lesen und Schreiben. Dennoch will die Mister-Schweiz-Organisation die künftigen Mister-Kandidaten nicht zum Schreibtest bitten.

Das Anmeldeformular für die Mister Schweiz Wahl hat André Reithebuchs Mutter ausgefüllt. Denn der 22-Jährige ist funktionaler Analphabet, beziehungsweise Illetrist. «Ich stehe zu meiner Schwäche», gibt der amtierende schönste Schweizer auf «TeleZüri» offen zu.

«Für uns ist das kein Problem. André kann ja lesen und schreiben. Es bereitet ihm bloss ein wenig Mühe», sagt Mister-Schweiz-Organisator Urs Brülisauer gegenüber «Blick.ch». Bereits im Vorfeld der Wahl seien ihm die Schwierigkeiten beim jungen Glarner aufgefallen. Es sei aber am Casting kein Grund, jemanden als Kandidaten abzulehnen: «Es gibt dort keinen Schreibtest», so Brülisauer.

«Sicherheit in Sprache und Schrift» ist also keine Anforderung im Job-Profil für einen Mister Schweiz – genauso wenig wie eine zweite Landessprache. «Das wäre zwar ganz klar wünschenswert, aber letztendlich muss die Jury entscheiden, was für einen Mister sie wollen.»

Als funktionaler Analphabet steht André Reithebuch in der Schweiz alles andere als alleine da: Rund sieben Prozent der Bevölkerung beziehungsweise 500000 Schweizerinnen und Schweizer haben Mühe mit Lesen und Schreiben. Mit seinem Geständnis hat der Mister Schweiz dazu beigetragen, das Thema zu enttabuisieren. Wird er nun zum Botschafter für Analphabetismus? «Das ist denkbar», bestätigt Brülisauer. Allerdings hätten bis anhin noch keine Gespräche mit entsprechenden Vereinen oder Organisatoren stattgefunden.

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