Nach Doof-Vorwurf: Jetzt wehren sich die Missen

  • Publiziert: 16.09.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von KayeAnthon und Lukas Rüttimann

Intelligenz und Wissen: Doch was Miss-Schweiz-Kandidatin Katja Diethelm zwei Wochen vorder Wahl versprüht, wirkt auf ihre Konkurrentinnen wie Gift und Galle.

Clevere Strategie oder dumme Provokation? Nach dem Wirbel um ihre IQ-Attacke bereut die schöne Zürcherin nichts: «Ich stehe zu meinen Aussagen: Es ist mir ein Anliegen, dass Junge ein politisches Bewusstsein haben», so Diethelm gestern gegenüber BLICK. Sie habe viele positive Reaktionen erhalten: «Viele finden, ich sei mutig – endlich eine, die Klartext spreche!»

Klar war die Ansage tatsächlich, mit der die blitzgescheite Blondine vorgestern für rauchende Köpfe sorgte: In der Zeitung «Sonntag» disst die Juristin (Abschlussnote 5,5) einen Teil ihrer Konkurrentinnen, weil diese die Namen der Bundesräte auswendig lernen müssten. «Einige wussten nicht mal, dass Blocher nicht mehr dabei ist!», mockiert sich Diethelm.

Nachdem die Zeitung drei Namen der miss-gebildeten Kandidatinnen öffentlich gemacht hat, schlagen die «doofen» Missen jetzt zurück: «Wir sind doch nicht blöd!», wehrt sich die angegriffene Nancy Kabika (24). Die Vorwürfe liessen sie kalt, sie sei eigentlich eine ganz nette Kollegin. «Und ich stehe über Rumgezicke dieser Art!»

Die ebenfalls als Politbanause geoutete Dominique Knill (21) reagiert weniger diplomatisch: «Ich weiss nicht, was Katja motiviert hat, so über uns Kolleginnen herzuziehen», schreibt sie per Mail aus Hongkong. «Ich kenne ihre politische Orientierung zu wenig, wünsche mir aber mehr Toleranz und weniger Arroganz von ihr.»

Und als ob sie damit ihr Verständnis von Bildung unterstreichen möchte, schliesst Knill mit einem alten chinesischen Sprichwort: «Man schwächt die Starken nicht, indem man die Schwachen schwächt.»

Worte zum Nachdenken. Genauso wie die Frage, wie gebildet eine Miss sein muss. Gehört eine gute Allgemeinbildung dazu – oder reicht es, schön zu sein?

«Es gehört sicher zur Allgemeinbildung, die Bundesräte zu kennen», sagt Kandidatin Selver Yavuz (20). «Schlussendlich aber bleibt die Miss-Wahl ein Schönheitswettbewerb.»

Das finden auch Promis wie Roman Kilchsperger. «Eine Miss soll unterhalten. Darum finde ichs am lustigsten, wenn sie nichts weiss», sagt der Ex-Moderator der Miss-Wahl. Für Unternehmer Hausi Leutenegger (68) hingegen ist gute Allgemeinbildung ein Muss: «Eine Miss sollte mindestens zwei Fremdsprachen beherrschen – und im besten Falle eine Matur haben.»

Auch da hat Katja Diethelm einen klaren Standpunkt. Die Bildung der Kandidatinnen zementiere alte Bilder, sagt sie: «Kein Wunder, haben viele Leute Vorurteile gegenüber schönen Frauen!»

Tatsächlich wird das Image des schönen Dummchens nicht so schnell verschwinden – zumindest nicht, wenn sich Missen wie gestern beim Wissenstest der SF-Show «Glanz & Gloria» präsentieren. Dort verwechselte Dominique Knill Doris Leuthard mit Moritz Leuenberger; und Diana Knezevic (22) erkannte Jassir Arafat nicht.

Immerhin wussten alle, wer Paris Hilton ist.

Schön gelästert

Alle lästern. Auch Missen und Mister.

In einem Dok-Film sagte 1997 Stéphanie Berger über Melanie Winiger: «Sie war als Miss Schweiz wahrscheinlich ein bisschen kindlicher als ich. Ich habe etwas mehr durchgeblickt, worum es geht, war ein bisschen professioneller.»

Melanie Winiger sagte 2004 über Miss Suisse Romande Céline Nusbaumer. «Céline hat männliche Züge. Ein Wunder, dass sie es bei der Miss-Schweiz-Wahl überhaupt ins Finale geschafft hat.»

Renzo Blumenthal lästerte 2007 über Lauriane Gilliéron: «Sie ist zu sehr auf sich bezogen und kümmert sich wenig um die Leute um sich herum.»

Eben erst outete Claudio Minder die Brüste von Ex-Miss Anita Buri als operiert — nur um die Behauptung umgehend zurückzuziehen.

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