Hier spricht ein Macho: Frauen sind gemein, fies und berechnend

  • Publiziert: 09.07.2009, Aktualisiert: 19.01.2012

Der deutsche Bestseller-Autor Hauke Brost («Wie Männer ticken») schreibt für BLICK über die Affäre der Miss Schweiz mit dem reichen Carl Hirschmann. Eine Provokation.

Die Frau liebt den Mann wegen seiner inneren Qualitäten, und die Welt ist eine Scheibe. Die ganze Diskussion um eure Miss Schweiz und die rasante Geschwindigkeit, mit der die hübsche Whitney ihren braven lieben kleinen Karim gegen den reichen wilden starken Carl eintauscht, ist irgendwie daneben. Was regt ihr euch auf, Leute? Seit Jahrtausenden sucht sich die Frau einen Kerl aus, der ihr möglichst viel bietet und der sie möglichst weit nach vorne bringt. Um ihn dann zu verlassen für einen, der ihr noch mehr bietet und der sie noch weiter nach vorne bringt. So what?

1 bis 1,5 Milliarden Franken Familienvermögen liegen in dem einen Bett und ein Monteursgehalt von 4000 Franken liegt in dem anderen. St-Tropez steht auf der einen Liste für den nächsten Wochenendtrip und ein Ausflug zum Milchbauern auf der Alp steht auf der anderen. Wer will es einer 19-Jährigen denn verübeln, dass sie St-Tropez und die Aussicht auf die Milliarden nimmt?

Ich persönlich kenne zwar die Frauen, aber keinen der drei Beteiligten. Carl den Krassen mag ich trotzdem nicht. Der ist mir zu gegelt, zu glatt, zu busy, zu sehr Sohn und zu wenig Kerl. Karim stelle ich mir vor wie eine Sandkastenliebe: Stets nett und adrett, er dürfte seine Mutter verehren und schraubt wahrscheinlich in seiner Freizeit an einem alten Auto herum. Man muss das mal anders sehen: Karim hatte verdammt viel Glück, dass er das eine oder andere Jahr mit der schönen Whitney verbringen durfte. Nun sollte er sie getrost in ihr Unglück rennen lassen und sich irgendeine bodenständige Dorfschöne suchen, die Kinder von ihm möchte und die 4000 Franken für eine Menge Kohle hält.

Denn eines ist auch klar: Mit Männern wie Carl Hirschmann wird keine Frau langfristig glücklich. Was macht denn diese Beziehung so spannend? Der Glamour, die Partys, die schnellen Autos, die schönen schneeweissen Yachten. Kurzum: Alles, was überhaupt nichts wert ist. Liebe und füreinander da sein, Treue und Beständigkeit, die ganzen guten alten Schweizer Werte: Die dürften in dieser Liaison wohl eher eine untergeordnete Rolle spielen. Und deshalb ist Whitney eher zu bedauern als zu beneiden.

Was am Beispiel dieser köstlichen Soap wieder einmal klar wird, ist Folgendes: Frauen sind berechnend, fies und gemein. Das gilt nicht nur für eure Miss Schweiz, die hopplahopp mal eben den erstbesten Milliardärssohn abgreift, der ihr unter die lackierten Fingernägel kommt. Nein: Das gilt auch für die Lady von nebenan. Gib der Frau Kohle, biete ihr etwas und sie wird behaupten, dass sie dich liebt. So läuft das seit Adam und Eva, und wer das Gegenteil behauptet, der träumt.

Das ist eine schmerzliche Lektion für den kleinen Karim. Und wenn er die gelernt hat, muss man ihn dennoch mit einigen Fakten trösten. Es gibt nämlich auch die andere Sorte Frau. Es gibt die Frau, die ihren geliebten Mann für kein Geld der Welt hergeben würde, der Kohle und High Society scheissegal sind und die den Menschen im Mann zu schätzen weiss. Such, Karim, such. Und wenn du sie gestellt hast, dann mach Platz. Whitney war die Falsche.

Gestern Abend war ich in einer Kneipe an der Nordseeküste und trug der versammelten Bauernschaft dieses delikate Schweizer Thema vor. Ich wählte als Beispiel ein britisches, nämlich Prinz Charles, und sagte zur ledigen 40-jährigen Serviererin: «Wenn Prinz Charles dich erwählen würde, du würdest ihn nehmen. Jede Wette.» Die blonde Inge sagte: «Den? Für kein Geld der Welt. Ich nehme keinen Mann mit abstehenden Ohren. Egal, wie viele Schlösser er hat.»

Siehst du, Karim: Frauen gibt es solche und solche. Ein Schlusswort noch an eure Miss Schweiz. Zieh es durch, hübsches Mädchen! Wie wäre es zum Beispiel mit einem italienischen Ministerpräsidenten? Das würde sich doch machen lassen auf der einen oder anderen Promi-Party, und abgeneigt wäre er sicher nicht. Macht und Geld riechen ziemlich gut. Sie sind das beste Parfum für den ausgelaugten alternden Hodensack. Du musst dich nur fragen, wie weit du wirklich gehen willst.

Und eines Tages, wenn du mehr Falten als Lover hast, dann wirst du dich an Karim erinnern und du wirst zweifeln, ob du den richtigen Weg gegangen bist.

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