Brand-Brief an Missen-Kritiker Der Vize-Miss lupfts das Krönchen!

Die Missen liegen nach der Wahl-Verschiebung am Boden, das Nachtreten hat begonnen. Jetzt hat Vize-Miss-Schweiz und Psychologie-Studentin Julia Flückiger (23) genug.

  • Publiziert: 27.04.2012

Geschätzte Kritiker der Miss-Schweiz-Wahl

Sie haben recht. Es existiert eine massive Übersättigung an Castingshows aller Art, explizit an Schönheitswahlen. Von der Apfelkönigin bis zur Miss Alpenrhein kann man sich nahezu in allen Bereichen eine Schärpe umhängen lassen. Die Absetzung vom Schweizer Fernsehen empfinden Sie als folgerichtig, am liebsten würden Sie die Wahl gar ganz absetzen, um diesem «narzisstischen Trend» ein Ende zu setzen.

Ich stimme Ihnen zu, ich mag auch keine Menschen, die sich per se und mit absoluter Talentfreiheit nur über ihren Titel profilieren.

Am liebsten wettern Sie, falls möglich noch unter der Gürtellinie, über Ex-Miss-Schweiz Melanie Winiger, betitelt sie in Kommentaren als «unechte Schauspielerin», welche nur «eine billige Schauspielschule, die man ohne Talent besuchen kann», absolvierte. Und «Tages-Anzeiger»-Redaktorin Simone Meier schreibt in einem Kommentar gar von einer «Parade der Peinlichkeiten – Kerstin Cooks Studienlüge, das national sichtbare Tamponschnürchen der Cleo Heuss, all die Mädchen, die das Matterhorn nicht erkannten und höchstens vier Kantonswappen richtig zuordnen konnten.» Besten Dank an dieser Stelle für dass Kompliment. Schmeissen Sie uns bitte alle in einen Topf und sprechen Sie uns ruhig jegliche Form von Individualität ab.

Respektlosigkeit über Respektlosigkeit macht sich in der momentanen Debatte über die Miss-Schweiz-Wahl breit. Die Mädchen werden schubladisiert und das Negative wird aus allem herausgequetscht. Wobei ich Ihnen eines versichern kann: Diese Seiten findet man bei jedem und allem. Wer suchet, der findet. Wo aber bleibt Offenheit und Toleranz gegenüber Andersartigen und Andersdenkenden?

Die Miss-Schweiz-Wahl hat kein Recht mehr auf Existenz, weil sie in der momentan vorherrschenden neoliberalen Strömung nichts mehr zu suchen hat. Was keine Leistung bringt, ist nichts wert. Es geht um Leistungs-, Wettbewerbs- und Konkurrenzfähigkeit. Chancengleichheit, Integration und Partizipation ist ein müdes Echo aus der wilden 68er-Bewegung.

Die Quotenfrage scheint mir eher fragwürdig. Vergleicht man die Miss-Schweiz-Wahl mit der Hauptausgabe der Tagesschau sind die Quoten natürlich bedenklich. Grundsätzlich ist es aber so, dass das Schweizer Fernsehen allgemein mit der Quote kämpft, dies vor allem aus zwei Gründen: die primäre Zuschauergruppe wird immer älter, und die Jungen haben ein anderes Medienverhalten. Die Miss-Schweiz-Wahl war mit Sicherheit eine der Sendungen mit dem jüngsten Zuschauerschnitt und hätte durchaus auch als Zielgruppenverjüngung funktioniert. Die Kooperation für eine Veränderung hätte diesbezüglich aber von beiden Seiten kommen müssen.

Der Urtrieb, besser, schöner und schneller zu sein, ist in uns – ob bewusst oder unbewusst, ob Sie es, geschätzte Kritiker, sehen wollen oder nicht. Durch Impulse kommt er immer wieder zum Vorschein. Den menschlichen Urtrieb, sich zu gleichen, hat es immer gegeben – und es wird ihn immer geben.
Es stimmt, es braucht eine Veränderung am Konzept Miss Schweiz, es braucht mehr Charakter und mehr Hintergrund. Trotzdem bitte ich Sie, Ihren Habitus der Nörgelei endlich einmal einzustellen. Die Miss-Schweiz-Wahl ist nicht abgesetzt, sondern nur verschoben.

Ich bitte Sie daher, geschätzte Miss-Wahl-Gegner, die Sie sich gegen die Sinnlosigkeit dieser Wahl aussprechen: Hören Sie auf, sich den Kopf zu zerbrechen, was Sie mir nun über meine Zeilen an den Kopf werfen wollen, denn das ist auch sinnlos, und tun Sie stattdessen etwas Sinnvolles. Es gibt genug zu tun auf dieser Welt.

Mit freundlichen Grüssen

Julia Flückiger

Beliebteste Kommentare

  • Tommy  Müller
    Ich brauche keine Miss und keinen Mister Schweiz die unser Land representieren, die Schweiz sind WIR alle zusammen und nicht irgendeine Frau oder irgendein Mann die "Gut aussehen". Ist sowieso so schon verwerflich das es dabei um Schönheit geht wenn für uns Schweizer der Charakter doch wichtiger sein sollte.
    • 28.04.2012
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  • Romano  Cotti
    Julia nervt langsam mit ihren Leserbriefen... scheint tatsächlich Angst zu haben mit dem Missen-Quatsch den falschen Weg eingeschlagen zu haben und in der Bedeutungslosigkeit zu versinken... traurig
    • 27.04.2012
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Alle Kommentare (35)

  • Eulalia  Viebke
    FFalsch! Es ist nicht richtig, dass man die Misswahl wegen des Quotentiefs absetzen soll, ondern weil es eine poppelige Schrottveranstaltung ist. Und wenn den Damen irgendwelche Vorhaltungen betreffend IQ gemacht werden, na wenn schon. Schon als Kind lernt man: Wer sich beim Bahnfahren zu weit aus dem Fenster lehnt, kann von einem Strommasten eine geklatscht bekommen......
    • 28.04.2012
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  • Tommy  Müller
    Ich brauche keine Miss und keinen Mister Schweiz die unser Land representieren, die Schweiz sind WIR alle zusammen und nicht irgendeine Frau oder irgendein Mann die "Gut aussehen". Ist sowieso so schon verwerflich das es dabei um Schönheit geht wenn für uns Schweizer der Charakter doch wichtiger sein sollte.
    • 28.04.2012
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  • Peter  Meier , via Facebook
    diese Wahlen kann man locker abschaffen. Es laufen weiss Gott hübschere Mädchen/Frau rum als diese aufgetakelten möchtegerne Schönheiten. Bei den meisten dieser an Misswahlen teilnehmenden Frau fehlt es eh an Intelligenz und ich meine das ist es doch was eine Frau ausmacht..notabene nebst dem hübsch sein...
    • 28.04.2012
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  • Tremp  Joe
    Ganz erlich: Miss Wahlen gibt es um schöne Frauen zu sehen. Stop. Alles andere ist nebensache. Diese Frauen wollen ein Sprung in das Model Business und Miss Wahlen sind eine möglichkeit. Gut, schön und weiter so! Unsere Gesellschaft schaut ja immer mehr auf das äussere. Miss Wahlen sind 100 pro das was Heute wir alle die meisten schauen? Nein? Händy, Auto, Outfit, Trends, Marken Kleider, In Restaurant, es muss aktuell sein und wir fühlen wir müssen etwas zeigen oder beweisen. Miss Wahlen sind wie unsere gesellschaft ist, oberflächlich. Also geht weiter, mir gefallen die schöne Frauen!
    • 28.04.2012
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  • Hugo  Ehrismann
    Schönheit mag gut und recht sein aber eine Frau sollte auch sonst noch ein paar gute Eigenschaften haben.Wir haben heute und morgen bei uns in der Gemeinde eine Gewerbeausstellung wo die Julia Flückiger ebenfalls anwesend sein wird.Mal sehn ob sie nebst gutem Aussehen auch noch über andere positive Eigenschaften verfügt - weil mit der Schönheit alleine ausserdem ist Schönheit auch noch Geschmaksache ist es noch lange nicht getan.
    • 28.04.2012
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