
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Ob Sex im Alter oder männliche Brustbehaarung: kaum eine Boulevard-Umfrage ohne Lys Assia. Auch an Promi-Events ist sie so unverzichtbar wie die obligaten Schönheitsköniginnen – dabei wissen die wenigsten, dass sie selber 1942 Miss Frankreich war.
Die elegante Brunette, die aussieht, wie sie sich fühlt, nämlich 25 Jahre jünger, hat sich ihren zweiten Promistatus in kürzester Zeit neu aufgebaut. Vorher lebte sie jahrzehntelang als Gattin eines Hotelmagnaten im Ausland und zog erst 2004 definitiv zurück in die Schweiz.
Geheimnis: Seriosität und Networking
Gefragt, ob ihre Stargastauftritte an den «Song Contests» oder die Akt-Foto-Strecke in einer Illustrierten ihren Erfolg befördert habe, winkt sie ab. Eine solide Gesangsausbildung, jahrzehntelange Erfahrung, Verlässlichkeit und Charisma macht sie dafür verantwortlich, dass sie immer noch gebucht wird, dieses Jahr zum Beispiel für eine Gala in den Emiraten.
Sie nutze ausserdem jede Gelegenheit, um Kontakte zu knüpfen. Dass sie vor zwei Jahren am Finale des Grand Prix der Volksmusik nicht gewonnen habe, sei rückblickend gar nicht so schlimm. Denn dort entdeckte sie ein Veranstalter, der ihr eine Kanada-Tournee ermöglichte.
Märchenkarriere
Lys Assia wurde am 3. März 1924 in Rupperswil (AG) geboren. Der Vater besass eine Spenglerei, die Mutter hatte adlige Wurzeln. Lys, die damals noch Rosa hiess, nahm als Kind Ballettunterricht, liess sich später zur Koloratursopranistin ausbilden und ging gegen den Widerstand der Mutter als Sängerin und Tänzerin ins Ausland.
Im Krieg tourte sie durch Frankreich, in einem Revue-Programm, das «Sourire de Suisse» hiess. 1942 erhielt sie ihren ersten Plattenvertrag, 1948 ersetzte sie die berühmte Josephine Baker im Club Champs Elysées.
Im Jahr darauf entdeckte sie bei einem Besuch beim befreundeten Zürcher Komponisten Paul Burkhard die Noten von «O mein Papa», einem Lied aus der 1939 uraufgeführten Operette «Der schwarze Hecht». Assias Version wurde ein Welt-Hit und sie selber zu einer der berühmtesten Schlagersängerinnen ihrer Zeit.
Sie gastierte in den Varietépalästen Europas, Nordafrikas, der USA und Südamerikas, hatte in Caracas und London eigene Fernseh-Shows, sang vor Queen Elizabeth II., Eva Perón und König Faruk und stand neben Weltstars wie Dean Martin und Marlene Dietrich auf der Bühne.
Auf Anraten ihres Berufskollegen und Landsmanns Vico Torriani konzentrierte sie sich aber auf Deutschland, die damalige Hochburg des Schlagers. Dort hatte sie Hits wie «Arrivederci Roma», «Wenn die Glocken hell erklingen» und «Was kann schöner sein» (Que sera) und belegte Singrollen in Spielfilmen wie «Die Beine von Dolores».
1953 heiratete sie den Zürcher Industriellen Henry Kunz, der schon 1957 verstarb. 1963 ging sie mit dem dänischen «Hotelkönig» Oscar Pedersen ihre zweite Ehe ein. Er taufte ihr zu Ehren ein Hotel in Lübeck «Lysia».
Trauma und neues Glück
1995 begann eine Pechphase: Zuerst starb ihr Mann bei einem Autounfall, sie selber wurde verletzt. Im Jahr drauf musste sie sich einer Herzoperation unterziehen. 2004 wurde sie in ihrer Villa in Cannes überfallen und zusammengeschlagen und ihr Hund «Lucky» getötet.
Damals war der Umzug an die Goldküste schon geplant, und er brachte ihr Glück. Den vorläufigen Höhepunkt bedeutete letztes Jahr der Ehren-Walo.
Die Finanzkrise hat zwar auch ihr zugesetzt, aber für ein gediegenes Wiegenfest reichts allemal: 130 Leute hat sie ins Zürcher «Eden au Lac» geladen. (SDA)