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Herr Knie, wie geht es Ihnen?
Danke der Nachfrage. Was für ein erstaunlich netter Beginn für ein Blick-Interview. Es geht mir sehr gut.
Eigentlich gingen wir davon aus, dass es nicht immer leicht ist, ein Knie zu sein...
Ganz im Gegenteil: Es ist wunderbar, ein Knie zu sein!
Was braucht es, damit es Ihnen so gut geht wie heute?
Am besten fühle ich mich bei einem Adrenalinkick, zum Beispiel nach einem Kitesurf-Sprung.
Die letzten grossen Schlagzeilen haben sie letzten Sommer gemacht...
...ist das so? Ich dachte eigentlich im letzten Winter, nach unserer sensationellen Salto-Natale-Premiere. Halt, da hat sich der Blick ja mehr für Beni Thurnheers Begleitung interessiert als für unsere spektakuläre Show.
...ich habe an die vermeintliche Affäre mit einem Starlet gedacht. War das nun ein reiner PR-Gag oder doch eine kurze Liebelei?
...ach davon reden Sie. Diese Anekdote habe ich schon vergessen. Ich sage jetzt, wie es war: Es war ein dummer PR-Gag.»
Wie kam der zustande?
Ich habe mich von der deutschen Zeitung mit den grossen Buchstaben zu dieser PR-Aktion überreden lassen: Ich war mir der Folgen aber nicht bewusst und wohl zu naiv im Glauben, dass der Fotograf die Bilder nicht weiterstreut. Obschon dies so vereinbart war. Willkommen im Saubusiness, sorry Showbusiness, kann ich nachträglich dazu nur noch sagen. Ich habe daraus gelernt.
Diese wilde Geschichte hat doch Ihre Beziehung mit Chanel überlebt.
Ja das hat sie.
Nun sind sie auch von ihr getrennt. Was ist passiert?
Getrennt haben wir uns erst Monate später aus anderen Gründen. Wir sind aber heute noch dicke Freunde.
Sie sind neu Single. Was klappt nicht zwischen Ihnen und den Frauen?
Wer sagt, dass etwas nicht klappt?
Sie sind der Sohn des grossen Rolf Knie. Fluch oder Segen?
Welcher Rolf Knie? Ich habe einen Vater, der heisst Papi. Die äussere Wahrnehmung von ihm als Künstler hat in unserer inneren Wahrnehmung nie eine Rolle gespielt.
Ihr Vater ist unter Wikipedia zu finden, Sie nicht. Schmerzt das?
Zum Glück findet man ihn unter Wikipedia! Ich bin doch stolz, dass man meinen Vater dort antrifft. Für mich ist es nicht so wichtig, einen Wikipedia Eintrag zu haben. Ich bin kein Profilneurotiker. Wer Lust hat, kann über mich auf der «Salto Natale»-Homepage lesen.
Fühlten Sie sich jemals in seinem Schatten?
Ich bin über 10 Jahre im Ausland aufgewachsen: Mallorca, Costa Rica, Florida. Mit 24 bin ich wieder in die Schweiz gezogen. Im Ausland war Knie sowieso kein Thema. Ich denke, jeder Mensch wirft seine eigenen Schatten und Licht. Wenn man sich im Schatten fühlt, ist man am falschen Ort.
Sie haben schon mit vielen Stars gegessen, an die nur die wenigsten herankommen, wie Michael Jackson. Wie haben Sie ihn erlebt?
Es war für mich natürlich das Grösste, als ich 1988 als Zehnjähriger Michael Jackson in Vevey persönlich kennenlernen durfte. Er kam ohne Bodyguards, nur mit seinem Manager in einem ganz normalen Opel. Er war völlig easy, beeindruckend relaxt, hochanständig, ein liebenswürdiger Mensch, der sich freute und geehrt fühlte, Gast im Haus seines Idols Charlie Chaplin zu sein. Er wusste alles über ihn. Er hat mich zu seinem Konzert eingeladen und gewitzelt, ob ich überhaupt zu so einem grossen Konzert gehen dürfe. Als ich ihm sagte, ich hätte sogar schon das Konzert von Prince erlebt, hat er gelacht und gemeint: Dann ist es höchste Zeit, dass du an mein Konzert kommst.
Werden Sie wie Jacko als Person verkannt? Wenn ja, wie?
Natürlich, ich bin doch nur ein Knie. Aber das geht doch allen so, dass man verkannt wird. Nicht jeder erste Blick hält, was er verspricht. Der zweite Blick ist viel wichtiger.
Ihr Zirkus Salto Natale geht am 11. November in Zürich-Kloten in die nächste, die siebte Runde.
Wir sind im Endspurt. Ich bin sehr gespannt auf die Reaktionen des Publikums. Wir haben eine völlig neue Show zusammengestellt, mit einzigartigen Acts aus der ganzen Welt. Erstmals haben wir aber auch eine Hammer-Liveband dabei, mit einer Handvoll der besten Schweizer Musiker, die sonst mit Göla oder Bligg auf der Bühne stehen. Knie rockt wie noch nie. Wir haben mit Sutter & Pfändler zwei sensationelle Komiker, die überhaupt nicht lustig sind. Halt, Stopp! Das war ein Spass, das habe ich nicht so gemeint: Die Zwei sind zum Brüllen komisch.
Sie sind der Zirkus-Direktor. Was haben Sie eigentlich einmal gelernt?
Ich habe Zirkus gelernt. Aber das lernt man an keiner Schule. Natürlich habe ich auch einen «International Business-Abschluss» an einer amerikanischen Universität. Heute bin ich Zirkusunternehmer von Beruf.
Sind Sie mehr Manager oder kreativer Kopf?
Das hält sich die Waage. Die grosse Kunst, als Produzent mit Künstlern und Artisten zu arbeiten ist es ja, beides miteinander schlau zu verbinden.
Salto Natale ist ein Zirkus der anderen Art. Was ist an Ihrem Zirkus anders?
Salto Natale ist ein moderner Zirkus. Keiner machts so wie wir und hat soviel Liebe zum Detail. Zunächst einmal haben wir keine Manege mit Sägemehl, sondern eine Bühne. Wir vermengen Artistik, Comedy, Tanz, Ballet und verschiedene Musikstile zu einer attraktiven Show. Dieser Mix wird bei unserer neuen Show «Nostalgie» deutlicher denn je. So wie wir die guten alten Elemente des Zirkus mit den technischen Möglichkeiten der heutigen Zeit verknüpft.
Was kostet es, jährlich ein neues Zirkusprogramm auf die Beine zu stellen?
Ein Vermögen. Weil wir aber kein börsenkotiertes Unternehmen sind, machen wir unsere Buchhaltung nicht öffentlich. Aber ich kann schon sagen, was es kostet: Nerven, Geduld, Begeisterungsfähigkeit, Durchhaltevermögen und viel Energie. Insgesamt arbeiten bis zur Premiere weit über 100 Leute daran.
Wer finanziert das?
Wir erhalten keine Subventionen, müssen also alle unsere Kosten durch Publikums- und Sponsoringeinnahmen wieder einspielen.
Wie stark spüren Sie die Wirtschaftskrise?
Bis jetzt nicht. «Holz alange!» Die Vorverkaufszahlen sind etwa wie vor einem Jahr. Offenbar stimmt bei Salto Natale das Preis- Leistungsverhältnis, das Publikum schätzt es jedes Jahr wieder, überrascht zu werden.
Ihr Zirkus verzichtet auf Tiere. Ist es Ihre Abgrenzung gegenüber der Knie-Dynastie?
Das ist nicht der Grund. Wir haben einfach etwas andere Tiere bei uns: Im letzten Jahr eine wilde Affentruppe, in diesem Jahr ein furioses Hundeorchester und vor zwei Jahren mit Marco Rima sogar eine Wildsau auf der Bühne... Wir haben auch deshalb keine Tiernummern, weil wir ein Winterzirkus sind. Doch wir sind flexibel: Wenn uns jemand vor einem Jahr gesagt hätte, dass wir echte Flugzeuge im Zirkus fliegen lassen, dann hätten wir ihn gleich für verrückt erklärt. Und siehe da: In diesem Jahr nun haben wir eine tollkühne Flugshow in unserem Programm. Nicht nur im Kino, auch im Zirkus ist alles möglich.
Knie und Pferde gehören zusammen wie Pech und Schwefel. Wie stark sind Sie mit Tieren und dem traditionellen Knie-Gedanken verbunden?
Im Zirkus Knie sind meine Wurzeln. Zu Tieren habe ich eine tiefe Verbundenheit. Stellen sie sich vor eine Welt ohne Tiere! Das währe doch todlangweilig! Ich finde jedes Tier extrem witzig und faszinierend.
...es heisst, sie seien unter dramatischen Umständen fast auf dem Rücken eines Pferdes zur Welt gekommen?
Das ist so. Dabei platzte meiner Mutter die Fruchtblase und es stellte sich heraus, dass meine Nabelschnur verwickelt war. Ohne dieses Malheur wäre ich heute nicht am Leben. Ich bin dadurch zwar viel zu früh und als Wicht von gerade mal 1300 Gramm zur Welt gekommen.»
Haben Sie deswegen ein Pferde-Trauma?
Nein, das habe ich nicht. Ich war ja damals als Fünfjähriger im Zirkus sogar der Peter Pan auf den galoppierenden Ponies. Dennoch sind mir heute Windstärken lieber als Pferdestärken, seit ich das Kite-Surfen für mich entdeckte.
Nostalgie heisst Ihr neues Programm. Was erwartet uns?
Wir lassen viele schöne Ideen aus früherer Zirkuszeit neu aufleben. Aber wir machen nicht einfach Copy und Paste vom Alten, sondern bringen einen neuen Groove hinein. Alles bleibt anders: Das wird man schon bei den Kostümen sehen, die haben zwar einen nostalgischen Touch, sind aber hochmodern durchgestylt.
Wie risikoreich planen Sie Ihre Nummern? Ein Trick der nicht funktioniert, ein Seil das reisst, oder könnte sonst etwas total in die Hose gehen?
Ein Restrisiko bleibt immer, bei allem, was man tut. Sogar beim Aufwachen am Morgen. Wir suchen das Risiko aber nicht, wir versuchen alles, es möglichst klein zu halten. Wir sind sehr dankbar dafür, dass wir von grossen Unfällen verschont blieben»
Zudem bringen Sie eine hocherotische Nummer auf die Bühne. Erklären Sie uns diese.
Die Nummer heisst «Duo Maintenant» in der zwei sehr schöne Menschen miteinander die Liebe spielen. Es ist die zärtlichste, aber auch kraftvollste Handvoltige-Nummer, die ich kenne. Wer dies dann als sexistisch ansieht, hat keine Ahnung von Erotik. Die Nummer wird sicher einer der Höhepunkte im diesjährigen Programm.
Ihr Vater hat sich zum Künstler entwickelt, Sie wandeln eigentlich auf seinen Pfaden. Hatten Sie nie das Bedürfnis, der Zirkuswelt den Rücken zu kehren?
Ich wurde in den Zirkus hinein geboren, war dann zwar elf Jahre weg, in Schulen im Ausland. Ich habe danach aber nochmals den Zirkus kennen, lieben und verstehen gelernt.»
Wie stark ist der Zusammenhalt der Knie-Familie?
In jeder Familie gibt es Ups und Downs. Fakt ist, dass unsere Familie Knie auch nach 8 Generationen immer noch zusammenhält.
Sie kamen als «Goldjunge» zur Welt. Hatten Sie nie Existenzängste?
Beide Worte existieren nicht in meinem Wörterbuch. Und zwar deshalb, weil ich sehr gut ohne materialistische Werte leben kann.
Sie sind jetzt 31. Ist eine eigene Familie ein Thema?
Noch nicht.
Wie müsste die Frau aussehen und sein, die Sie sich an Ihrer Seite wünschen?
Sie muss mit mir: Pferde stehlen, die Welt immer wieder neu entdecken, über die Wolken schweben, aber auch in die tiefsten Abgründe steigen können. Und vom Aussehen her mag ich eher dunklere Typen.
Herr Knie, Sie sind eitel, Ihre Frisur immer top-gestylt. Ihr Vater hat mittlerweile seine Haare verloren. Wie schlimm wäre eine Glatze für Sie?
Das sieht gar so nicht übel aus, ich habe mir nämlich schon zweimal selber mit einem Hundescherapparat eine Glatze rasiert.
Ist Salto Natale eine Leidenschaft, die Sie in 40 Jahren noch leben wollen?
Kann gut sein – aber Carpe diem ist eher mein Motto. Geniessen wir den Moment! Und ich hoffe, unser Publikum bei Salto Natale auch!
Welchen Traum wollen Sie noch verwirklichen?
Das schönste an den Träumen ist doch, dass sie einem ganz allein gehören. Und dass im Traum alles möglich ist. Wenn Träume realisiert werden, verlieren sie etwas von ihrer Magie: Sie existieren nicht mehr.
Herr Knie, besten Dank für das Gespräch.
play
Michael Jackson mit dem damals 10-jährigen Gregory Knie. (ZVG/ Archiv: Circus Salto Natale)