Vorwurf der Vergewaltigung – Wetter-Moderator in U-Haft Kachelmann-Anwalt: «Vorwürfe falsch und frei erfunden»

MANNHEIM – Jörg Kachelmann (51) sitzt wegen Vergewaltigungs-Verdacht in U-Haft. Sein Anwalt bestreitet die Tat, seine Firma spricht von «Missverständnis».

  • Publiziert: 22.03.2010, Aktualisiert: 19.01.2012

Jörg Kachelmann ist hinter Gittern. Der bekannte Schweizer Wettermann wurde am Flughafen Frankfurt verhaftet, wie Bild.de berichtet. Kachelmann kam gerade aus Vancouver zurück, wo er für die ARD zuvor über die Olympischen Spiele berichtet hatte.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Kachelmann wegen Verdachts auf Vergewaltigung. Anfangs Februar soll der Schaffhauser nach einem Beziehungsstreit seine langjährige Freundin zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben.

Die Frau reichte Anzeige ein. Laut Staatsanwalt erhärtete sich der Verdacht, das Amtsgericht Mannheim erliess gegen den Beschuldigten Kachelmann einen Haftbefehl. Am Samstag wurde er dann festgenommen.

Kachelmanns Anwalt, Professor Ralf Höcker aus Köln, wies die Anschuldigungen scharf zurück. «Die Vorwürfe sind falsch und frei erfunden», sagte Höcker der Deutschen Presse-Agentur (DPA). Die Beschuldigungen würden «jeglicher Grundlage entbehren». Bei Kachelmanns Firma Meteomedia tönt es ähnlich: «Wir halten es für ein Missverständnis, das sicher bald aufgeklärt wird», so Sprecherin Stephanie Schless.

Sollte Kachelmann dennoch vor Gericht kommen und wegen Vergewaltigung verurteilt werden, müsste er laut Staatsanwaltschaft mit einer Haftstrafe «nicht unter einem Jahr» rechnen.

Weil der Schweizer Kachelmann keinen festen Wohnsitz hat in Deutschland, besteht Fluchtgefahr. Der Meteorologe bleibt deshalb auf weiteres in der 2-Mann-Zelle der Justizvollzugs-Anstalt Mannheim.

Kachelmann hat sich in Deutschland auch einen Namen als Show-Moderator in Sendungen wie «Riverboat» oder «Vorsicht Blöff» gemacht. Auf dem MDR hat er mit «Kachelmanns Spätausgabe» eine eigene Talkshow.

Kachelmann: Karriere eines Autodidakten

Am 15. Juli 1958 im grenznahen Lörrach (D) geboren, verbrachte Jörg Kachelmann seine Jugendzeit in Schaffhausen. Schon als Kind war er fasziniert vom Wetter, arbeitete während der Schulferien für verschiedene Wetterdienste.

Allerdings studierte Kachelmann, der sich immer wieder als führender Experte ins Szene setzte, nie Meteorologie. Seine Studienfächer waren Geographie, Mathematik und Physik – sein Studium brach er aber 1983 zwei Monate vor der Lizentiatsprüfung ab.

Von da an startete Kachelmann seine Medienkarriere. Sie führte ihn von einem Volontariat beim SonntagsBlick über Radio Munot zur Wissenschaftsredaktion des Schweizer Fernsehens. 1988 wird Kachelmann stellvertretender Chefredaktor der Schweizer Illustrierten.

Doch das Wetter – es lässt den Autodidakten nicht los. 1989 kauft Kachelmann in Bächli ein altes Bauernhaus, macht eine Wetterstation daraus. Er faxt – unaufgefordert – Wettervorhersagen in die grosse weite Welt. Der Südwestfunk nimmt diese schliesslich in sein Programm auf. 1996 wird Kachelmann Programmdirektor von Wetter- und Reise-TV (der Sender wird nach zwei Jahren wegen «mangelnden Zuschauerinteresses» eingestellt.)

Den grössten Erfolg beschert Kachelmann der Orkan «Anna», der am 26. Februar schwere Schäden in Norddeutschland anrichtet. Kachelmann, (unterdessen Wetterfrosch bei Südwest 3 und der ARD) warnt im Gegensatz zum Deutschen Wetterdienst vor dem Sturm. Das bewegt die ARD dazu, vermehrt auf Kachelmanns Meteomedia zu setzen.

Unterdessen betreibt Kachelmanns Firma über 500 Messstationen in Deutschland und über 200 in der Schweiz. Mit dem Schweizer Fernsehen hatte Ex-«Meteo»-Mann Kachelmann weniger Glück: Man trennte sich 1995 im Streit. «Das Fernsehen will meine Firma platt machen», behauptete der Wetterfrosch damals gegenüber Medien – was zu einem unschönen Hick-Hack zwischen dem streitbaren Wettermann und dem SF führte.
play Schwere Vorwürfe gegen Jörg Kachelmann. (ZVG)

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