Sie sind seit Jahren Freunde. Die Rapper Stress (34) und M.A.M. (29) spannen jetzt auch musikalisch zusammen.
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Zwei Rapper beim Männergespräch im BLICK.
(Philippe Rossier)Blick: M.A.M., Sie haben soeben Ihre erste Solo-CD «Comme les jeunes» veröffentlicht. Wie viel Stress steckt da drin?
M.A.M.: Etwa 30 Prozent (lacht). Im Ernst: Er rappt auf zwei Liedern. Und er überwachte das ganze Album.
Stress: Es war eine enge Zusammenarbeit. Wir diskutierten die Tracks, ich gab Kommentare zu jedem Song ab, und dann machten wir Anpassungen.
Ist er Ihr Protégé?
Stress: Protégé ist das falsche Wort, eher ein Lehrling. Es ist extrem schwierig, in unserem Musikgenre die grosse Aufmerksamkeit zu kriegen. Da kann ich mit meiner Bekanntheit helfen. Und ich unterstütze ihn in allem.
Von ihm etwas gelernt?
Stress: Er konnte viel an meiner Einstellung ändern, ich war oft sehr unbarmherzig zu mir. Ich habe durch ihn gelernt, dass man Dinge auch lockerer nehmen kann, nicht alles so eng sehen sollte. Auch bei der Arbeit. Ich bin gewohnt, nach der Uhr zu arbeiten. M.A.M. hat eine lockere Arbeitsauffassung. Mit mehr Raum und Zeit für Kreativität. Um zwölf Uhr aufstehen, dann rumhängen und was essen. Ab 16 Uhr arbeiten und dann aber bis fünf Uhr morgens dran sein. Das ist genauso produktiv.
Sie sind beste Kumpels. Wie beschreiben Sie Ihre Freundschaft?
Stress: Es ist eine spezielle Beziehung. Wir kennen uns seit vielen Jahren und respektieren uns gegenseitig als Musiker ...
M.A.M.: ... und Stress ist älter als ich, also ist dieser Respekt schon nur deswegen da. Er tut viel für mich persönlich und im Job.
Stress: Aber wir fighten auch.
Wie das?
Stress: Manchmal geht es ziemlich laut her zwischen uns.
M.A.M.: Stimmt, Stress ist sehr impulsiv. Aber wir können auch nächtelang Party machen. Es sind wie drei verschiedene Beziehungen, die wir haben.
Stress: Und wir vermischen diese Ebenen auch, wenn wir auf Tour sind. Mein Motto ist «Work hard, party hard». Ich will immer Vollgas geben, bei allem!
Wie beschreiben Sie sich gegenseitig?
M.A.M.: Ich nenne ihn Boss.
Stress: (lacht) Ja, du nennst mich Boss. Ich finde aber, man kann nur eine respektvolle Beziehung haben, wenn man sich gleichwertig fühlt. Vom Temperament sind wir aber sehr unterschiedlich.
Nämlich?
Stress: Ich bin impulsiv und schreie manchmal.
M.A.M.: Ich bin ruhiger, bei mir brauchts viel mehr, bis ich schreie. Nur wenn mich etwas wirklich anpisst.
Worüber sprechen Sie, wenn nicht über Musik?
Stress: Über Frauen. Wir sprechen eigentlich meistens über Frauen. Zum Beispiel über M.A.M.s Ex-Freundin. Die hat ihm das Herz gebrochen.
Was ist passiert?
M.A.M.: Es war ein Drama, ging alles sehr schnell, ich war auf Tour, als sie Schluss machte. Daran habe ich immer noch oft zu beissen. Und auch hier hilft mir Stress viel.
Wie helfen Sie sich denn?
Stress: Wir geben einander das Gefühl: Hey, auf mich kannst du dich verlassen. Sag mir, was dich beschäftigt, lass uns reden. Man sollte einander immer sagen können, was einen beschäftigt. Und füreinander einstehen. Zudem sind wir gerade in derselben Situation, haben Ähnliches erlebt.
Ist der beste Freund wichtiger als die eigene Frau?
Stress: (lacht) Ich versuche jetzt schon länger, ihm eine Freundin zu finden. Bisher ohne Erfolg. Der Unterschied zwischen Freundin und Kumpel ist: Freunde werden immer da sein, Freundschaft dauert das Leben lang.
Beziehungen kommen und gehen ...
M.A.M.: Das ist mein Problem. Mir fehlt die Stabilität einer Beziehung. Ich liebe es, mit Freunden abzuhängen. Aber ich sollte mich endlich auf etwas fokussieren. Stress predigt mir das die ganze Zeit (lacht).
Stress: Es ist ein Problem für junge Hip-Hopper, dass unser Lifestyle immer noch neu ist für unsere Gesellschaft. Als ich reinkam, hatte ich keine ältere Person, mit der ich sprechen konnte. M.A.M. kann jetzt mit mir sprechen. Aber man kann sich auch schnell verlieren, es hat viel attraktive Dinge, die aber oft nicht wirklich gut sind. Eine Frau kann genau diesen Fokus zurückbringen.
Wann sind Sie verletzlich?
M.A.M.: Wir sind Künstler. Als Künstler sind wir die ganze Zeit der Kritik ausgesetzt. Angreifbar und verletzlich.
Stress: Jeder ist sensibel. Und es gibt keine bestimmten Momente, wo man es ist oder nicht. M.A.M. ist sehr sensibel, versteckt es aber. Und das sehen gerade Frauen bei ihm manchmal nicht. Ich gehe anders damit um, offener, zeige es auch.
Gibt es etwas, das Sie einem guten Freund nicht verzeihen würden?
Stress: Ich hasse Hinterhältigkeit, Unehrlichkeit, Falschheit. M.A.M. und ich denken gleich bezüglich Respekt, Loyalität und Erziehung. Und wir tendieren auch dazu, gleich zu arbeiten. Es bräuchte vermutlich viel, bis etwas geschehen würde, was wir uns nicht verzeihen.
Was sind die wichtigsten Werte eines Mannes?
Stress: Etwas vom absolut Wichtigsten finde ich Loyalität. Loyal zu sein, kann dich weit bringen. Manchmal gibts deswegen auch Probleme. Aber du kannst nachts gut schlafen und bist im Reinen mit dir selbst. Ich öffne mich loyalen Menschen eher. Aber es braucht Zeit, bis jemand mein Vertrauen gewinnt.
M.A.M.: Und man sollte nicht vergessen, was andere für einen getan haben. Es ist nicht gut, sich keinen Deut darum zu scheren. Man darf auch nicht in die Hand spucken, die einen füttert.
Stress: Wer respektvoll ist zu anderen, wird auch Respekt für das ernten, was er tut. Wenn auch manchmal auf eine andere Weise. Und wir sollten dankbar sein, für das, was wir tun.
Träumen Sie von einer Familie?
M.A.M.: Ich bin 29 und habe nicht mal eine Freundin, also denke ich nicht daran. Ich bin für eine Familie nicht in der richtigen Phase des Lebens.
Stress: Ich hatte eine Familie während sieben Jahren, es ist nicht so weit von mir weg. Ich brauche Zeit, um zu verdauen, was passiert ist. Und ich habe viele berufliche Projekte und will mir erst Mal Zeit dafür nehmen.
Sie sind Single?
Stress: Ja. Das hat ja auch Vorteile. Man ist frei und unabhängig. Ich habe Spass mit M.A.M. und anderen Kumpels, kann diese Zeit sehr geniessen. Auch wenn ich mich andererseits nach Liebe sehne. Sie ist das Schönste, das es gibt. Ich könnte mir auch vorstellen, wieder zu heiraten. Ich schliesse das nicht aus. Aber das hat Zeit. Und erzwingen kann man bei der Liebe nichts.
Und wie sieht es umgekehrt aus: Helfen Sie ihm auch, eine neue Freundin zu finden?
M.A.M.: Er braucht das nicht. Hey, er ist Stress, Mann!
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