Das intime Stress-Interview «Ich will ein Kind von Melanie»

  • Publiziert: 27.05.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Dominik Hug

Er hat 250 000 CDs verkauft – und er hat noch mehr Träume! Hit-Rapper Stress (32) über Familie. Und über Drogen, Depressionen und Dauerschmerzen.

BLICK: Sie humpeln ja! Weshalb?
Stress: Ich habe einen Bandscheibenvorfall erlitten, eine sogenannte Diskushernie. Höllisch schmerzhaft! Ich hatte das schon mal vor zehn Jahren. Plötzlich waren die Schmerzen aber wieder weg. Nun sind sie zurück. Kaum auszuhalten, sie strahlen vom rechten Bein in den ganzen Körper aus. Ununterbrochen! Ich kann kaum schlafen, höchstens ein paar Stunden die Nacht. Das schwächt auch mein Immunsystem. Ich bin in Therapie, muss vielleicht sogar operiert werden.

Angst vor dem Älterwerden?
Eigentlich nicht. Ich realisiere nur stärker, wie fragil der Körper ist. Geht ein kleines Teilchen kaputt, kann man es nicht mehr flicken. Und es wächst auch nicht nach. Man bezahlt für alles, was man in der Vergangenheit verbrochen hat. So ist die Natur.

Haben Sie viel verbrochen?
Drogen habe ich nie gross angerührt. Ist nichts für mich. Ich liebe es hingegen, Alkohol zu trinken. Betrunken zu sein, bereitet mir grossen Spass. Ich gehöre zur Generation, die glaubt, dass sie nicht ausgehen kann, ohne sich zu besaufen. Ohne Alkohol kein Spass – so bin ich aufgewachsen. Mein Hang zum Rausch kann man auch meinen östlichen Wurzeln zuschreiben. Ich bin in Estland geboren. Dort säuft man für sein Leben gern.

Was ist Ihr Lieblingsdrink?
Animal Juice, das ist Wodka gemischt mit Coke Zero und viel Zitrone. Aber keine Sorge, damit dröhne ich mich nicht täglich zu. Daheim bei meiner Frau und ihrem Sohn Noël trinke ich selten. Ich trinke auch nicht vor Konzerten. Aber danach kann ich schon zuschlagen. Oder wenn ich mit meinen Jungs um die Häuser ziehe.

Sie hatten Depressionen, gingen auch zum Psychiater, wie Sie vor kurzem verraten haben.
Ja. Ich habe immer Depressionen, wenn ich an einer neuen CD arbeite. Dann bin ich jeweils ziemlich fertig. Ich habe kein Problem, zum Psychiater zu gehen. Wenn die neutrale Person vis-à-vis hilft, dass es mir besser geht, hat sie ihren Zweck erfüllt. Es ist nicht immer einfach, im Kopf stark zu bleiben.

Sie sind generell ein sehr ernster Mensch. Können Sie auch mal locker sein?
Ich lache eigentlich sehr gerne! Was ich aber hasse, ist Verlogenheit. Über einen roten Teppich zu gehen, ist Teil meines Jobs. Aber den grinsenden Affen werde ich dort nie spielen. Weil es für mich eben nicht der lustigste Teil meines Jobs ist.

Wann sind Sie lustig?
Wenn ich zu Hause bei meiner Familie bin. Wenn ich Sex habe mit meiner Frau, wir tun es überall im Haus (lacht). Meine Musik macht mich auch glücklich. Und ich sehe gern fern.

Ihre Lieblingssendung?
«19.30» auf TSR, die Nachrichten der Westschweiz. Gibt immer Zoff mit meiner Frau deswegen. Weil sie lieber anderes guckt, «Germany’s Next Topmodel» zum Beispiel. Furchtbar! Dann muss ich mitschauen.

Weshalb furchtbar?
Jugendliche werden in diesen Shows wie Idioten vorgeführt. Niemand nimmt doch ein Model oder einen Sänger ernst, der mal in einer solchen Sendung war. Trotzdem wollen alle mitmachen. Ruhm ist heute wichtiger als Leistung. Das ist die totale Dekadenz. Schein zählt mehr als Sein. Scheissegal, was für einen Mist man macht, Hauptsache, es finden sich ein paar Dumme, die zuschauen und applaudieren.

Beeinflusst das die Gesellschaft?
Klar, ein Beispiel: Es gibt in der Schweiz kaum mehr Metzger. Weil dieser Beruf als total unsexy gilt. Dabei könnte ein Metzger, wenn er es gut macht, genauso viel verdienen wie ein Banker. Diese Entwicklung finde ich zum Kotzen. Die Werte haben sich in unserer Gesellschaft total verschoben.

Plädieren Sie deshalb im neuen Coop-Clip für mehr Sorgfalt im Umgang mit der Natur?
Es ist haarsträubend, dass kaum mehr jemand ernsthaft darüber spricht, wie sehr wir der Natur schaden. Der Ölteppich im mexikanischen Golf beispielsweise wird nur als Ereignis wahrgenommen. Aber über die Ursache wird kaum debattiert. Die Schweiz ist keine Insel mehr. Die Welt rückt immer näher zusammen. Ob wir nun in der EU sind oder nicht, macht keinen grossen Unterschied. Geht es Europa schlecht, liegen auch wir am Boden. Das haben wir bei der Krise vor kurzem ja gesehen.

Tönt so, als würden Sie die Vergangenheit vermissen.
Nur gewisse Werte von früher. Doch privat bin ich momentan so glücklich wie noch nie. Ich habe eine Familie, kann aber mehr oder weniger tun, was ich will. Niemals will ich in meine Vergangenheit zurück. Mit acht Jahren musste ich die Verantwortung für meine Schwester übernehmen. Mein Vater hat uns verlassen, als ich drei war. Ich habe keinen Kontakt zu ihm. Meine Kindheit war kein Traum.

Wollen Sie Ihren Vater wiedersehen?
Nein. Das liegt aber auch nicht an mir. Wäre ich alt und müsste bald sterben, hätte ich das Bedürfnis, mein Leben zu regeln und Fehler zu korrigieren. Er hat das nicht, will mich nicht wiedersehen. Mir ists egal. Ich bin ein anderer Vater, ein guter Vater.

Wünschen Sie sich noch ein eigenes Kind mit Melanie Winiger?
Sicher will ich ein Kind von Melanie. Und dieses wird in den nächsten zwei, drei Jahren hoffentlich auch kommen. Noël ist jetzt acht Jahre alt. Der wünscht sich auch noch ein Geschwisterchen. Melanie ist die perfekte Frau für mich. Mit ihr glücklich alt zu werden, ist mein grösster Traum. Wobei ich nicht viele Kinder um mich herum haben muss. Zwei würden mir reichen.

Wie erkennt man die perfekte Frau?
Wenn man jeden Morgen aufwacht und weiss, dass man mit dieser Person den Rest des Lebens verbringen will, hat man sie gefunden. Melanie und ich sind jetzt fünf Jahre zusammen. Ich liebe sie mehr denn je. Unser Leben hat sich in eine positive Richtung entwickelt. Unsere Liebe hat einen guten Rhythmus. Wir kauften uns kürzlich ein Haus, sind ruhiger geworden, auch selbstsicherer. Wirklich toll! Sie macht die Wäsche, ich koche dafür gern (lacht). Das Leben als verheirateter Mann ist wunderbar. Man denkt nicht mehr darüber nach, was wäre wenn ... Das macht vieles einfacher.

Sie waren schon mal verheiratet …
Darum weiss ich, dass meine jetzige Ehe gut kommt! Als 24-Jähriger war ich vier Monate verheiratet gewesen, es war schrecklich. Ich lernte aber daraus und mache es heute besser.

Wie wichtig ist Ihnen Treue?
Superwichtig! Ich könnte Melanie einen Seitensprung nicht verzeihen. Sie mir auch nicht. Wir sind beide Menschen, die gerne aus einem sauberen Teller essen. Ich kenne aber auch Paare, die ganz anders leben: die mit Fremdgehen kein Problem haben. Und das finde ich dann auch okay. Jeder so, wie er es mag. Melanie und ich sind uns jedoch einig, dass ohne Treue unsere Beziehung nicht funktionieren könnte. Wir sind beide sehr besitzergreifend.

Sie sind 32, erfolgreicher Rapper. Wie lange können Sie noch mit Baggy Pants rumlaufen?
Noch lange. Schauen Sie Jay-Z, Mick Jagger oder Keith Richards! Die haben auch nie gedacht, dass sie mit 40, bzw. 60 Jahren noch auf Tour gehen und erfolgreiche CDs machen. Die haben einen Weg eingeschlagen und gehen ihn bis zum Ende. Das imponiert mir. Ich hoffe, dass mir das auch irgendwie gelingt.

Erfolgsrapper mit Öko-Bewusstsein

Rapper, Schauspieler, Stil-Ikone: Stress (richtiger Name: Andres Andrekson) ist einer der spannendsten Künstler der Schweiz, derzeit allabendlich im TV zu sehen – im imposanten Öko-Spot von Coop, in dem er seinen neuen Hit «C’est réel» singt. Seit Mai 2008 ist der gebürtige Estländer mit Model und Schauspielerin Melanie Winiger (31) verheiratet und lebt mit ihr und ihrem Sohn Noël (8) ausserhalb von Zürich. Stress leidet an Diskushernie.
play Sind seit fünf Jahren zusammen, seit zwei Jahren verheiratet: Stress mit Schauspielerin Melanie Winiger. (Philippe Rossier)

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