Der neuste Schweizer Weltstar: «Ich musste sieben Kilo abnehmen»

  • Publiziert: 24.10.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Aurelia Forrer und Reza Rafi

Ihr Sieg am Elite Model Look ist eine Sensation. Sie freut sich auf das Modeln. Julia Saner weiss aber auch, welchen Preis sie zahlt.

Schneller und steiler hätte Julia Saners (17) Einstieg ins Modelbusiness nicht verlaufen können: Im Februar bewarb sie sich bei einer Modelagentur, ein halbes Jahr später gewann sie die Schweizer Ausscheidung des renommierten Wettbewerbs Elite Model Look, und am Sonntag siegte sie beim Weltfinale im chinesischen Sania.

Neben einem Souvenir-Reishut brachte die Gymnasiastin auch einen Modelvertrag über 150000 US-Dollar mit ins heimische Bern. «Die Summe ist verrückt und eindrücklich. Ich weiss noch gar nicht, wie ich damit umgehen soll», sagt Julia.

Sie gewann auch einen zweijährigen Vertrag, taucht aber nicht sofort ins Modebusiness ein. «Bis ich im Sommer meine Matur habe, nehme ich nur an den Wochenenden und in den Ferien Aufträge an.» Am Freitag drückte sie bereits wieder die Schulbank.

Disziplin beweist sie nicht nur beim Lernen, sondern auch bei der Erhaltung ihrer Figur. «Mir ist bewusst, dass Modeln kein Zuckerschlecken ist. Aber ich bin bereit, diesen Aufwand in Kauf zu nehmen.» So hat ihr Ursula Knecht (51), Inhaberin der Agentur Option, schon beim ersten Treffen eröffnet, dass sie noch schlanker werden muss.

«Ich habe nie auf meine Ernährung geachtet und masslos gegessen.» Das 1,81 Meter grosse Mädchen mit den Massen 80-61-91 änderte sofort seine Ernährung: Fisch und Gemüse statt Schokoladekuchen, nur noch eine statt zwei bis drei Portionen. «Mein Körper hat relativ schnell auf die Umstellung reagiert. In einem halben Jahr habe ich so sieben Kilo verloren.»

Schockiert darüber, dass sie als Model zu dick sei, war sie nicht. Ihre Mutter Kathrin (55) ist aber achtsam: «Ich schaue streng darauf, dass Julia richtig isst, und zwar dreimal täglich.» Und sie – ebenfalls gross und schön – betont, dass ihre Tochter gesund ist.

Julia weiss, dass sie mit ihrem mageren Körper ein fragwürdiges Schönheitsideal darstellt. «Es ist sehr paradox. Eigentlich geben die Designer die kleinen Kleidergrössen vor», sinniert Julia. «Wir Models müssen uns mit unserer Figur anpassen.» Es sei «wirklich schräg, dass die Modemacher nicht für rundere Models Kleider entwerfen», sagt sie. «Ich hätte jedenfalls nichts dagegen, wenn sich das Schönheitsideal ändern würde.»

Sie wird bald noch dünnere Models treffen und kennt das Risiko, magersüchtig zu werden. «Aber ich habe einen festen Charakter.»

«Gefährliche Signalwirkung»

Julia Saner ist schön, klug und – dünn. Zu dünn, findet Gabriella Milos (53), leitende Ärztin am Zentrum für Essstörungen des Unispitals Zürich: «Auf diesem Bild sehe ich eine Frau, die untergewichtig wirkt.» Milos kennt die Gefahren anhaltenden Untergewichts: «Mangelerscheinungen und Konzentrationsschwächen, aber auch Osteoporose und Stoffwechselprobleme.» Die Medizinerin glaubt, dass dürre Models eine gefährliche Signalwirkung ausüben: «Viele meiner Patientinnen erkrankten an einer Essstörung, weil sie die Models als Vorbilder sehen.» Deshalb fordert Milos: Schönheitswettbewerbe dürfen keine Mädchen mehr mit einem Body Mass Index (BMI) unter 18 zulassen.  
Silvana Guanziroli
play Julia ­Saner: «Mir ist bewusst, dass Modeln kein Zuckerschlecken ist.» (tilllate.ch)

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