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Mir wird warm ums Herz», sagte alt Bundesrat Adolf Ogi, bevor er Hans Erni, der Schweizer Malerlegende, die Trophäe übergeben durfte. Mit Standing Ovations ehrte das Publikum im Saal den Künstler – dieser strahlte, als er den LifetimeAward entgegennahm. Erni nahm die Gelegenheit wahr und mahnte «zu ständiger Erneuerung». Er und seine Frau Doris (81) feiern demnächst diamantene Hochzeit, wie das agile Paar stolz bekundete.
Hans Erni wird am 21. Februar 100 Jahre alt und ist dennoch kein Greis. Er war nie in einer Partei und galt gleichwohl als Kommunist. Seine Gemälde machten ihn zum reichen Mann – und trotzdem nimmt ihn die Kunstwelt nicht als erfolgreichen, sondern bloss als populären Künstler wahr.
Woran das liegt? Daran, dass Hans Ernis Werk von so unverwechselbar virtuoser Machart ist, von so leichter Zugänglichkeit, inzwischen auch von so unüberschaubarer Grösse, dass der Blick auf seine Einzigartigkeit verloren geht.
Erni war mit allen grossen Malern des 20. Jahrhunderts bekannt und befreundet, von Picasso über Kandinsky bis Brancusi. Viele seiner Bilder wurden von Museen angekauft – vor allem Werke von den 30ern bis in die 60er-Jahre. Zu sehen sind sie kaum. Museumsdirektoren und Kunsthändler warten auf den Tag, an dem die Renaissance von Ernis Werk beginnt.
Einstweilen malt er weiter, pflanzt Illustrationen auf Porzellan, illustriert die Bücher grosser Dichter und publiziert Drucke zu jedem nur denkbaren Thema. Immer noch ist er ein begnadeter Porträtist und hat, da ihn keine öffentliche Sammlung konsequent präsentiert, sein eigenes Museum gebaut.
In den Lexika der Kunstelite ist er eine Randnotiz. Aber von der Öffentlichkeit wird Hans Erni als grosser Künstler anerkannt.