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Haben es schöne Menschen wirklich einfacher im Leben?
Nadine Strittmatter: Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Entscheidend ist das Charisma und die Ausstrahlung. Schaut man sich die Miss-Kandidatinnen an, sind alle schön. Am Ende gewinnt aber nur, wer auch von innen heraus strahlt.
Du entsprichst eigentlich nicht dem gängigen Schönheitsideal. Und bist genau darum so erfolgreich. Hast du dir nie gewünscht, anders auszusehen?
Doch. Als Kind wurde ich ja oft gehänselt. Man schimpfte mich Zündhölzchen oder hässliches Entlein. Und auch als ich zum ersten Mal eine grosse Modeshow gelaufen bin, fühlte ich mich deplatziert zwischen all diesen perfekten Frauen. Bei näherem Betrachten erkannte ich aber, dass Topmodels nur selten dem Schönheitsideal entsprechen. Viele sehen schräg aus.
Was tust du für dein Aussehen?
Ich mache Yoga. Und ich renne jeden Tag. Das ist für mich wie Meditation, da lüfte ich regelmässig den Kopf durch.
Ich gehe höchstens zweimal die Woche joggen.
Aber du wohnst auch in der Schweiz, bist meist daheim. Ich reise ununterbrochen um die Welt, bin immer an einem anderen Ort. Rennen ist für mich eine Konstante. Ein Ritual. Dabei geht es mir weniger darum, fit zu bleiben, als vielmehr geistig die Balance zu halten.
Immer unterwegs, ständig im Flugzeug. Wie hältst du das durch?
Gerade die Stunden im Flugzeug geniesse ich sehr. Weil ich dort für mich allein sein kann und nicht dauernd jemand an mir «herumchaflet». Aber es stimmt: Mein Leben ist sehr hektisch. Man muss aufpassen, dass man nicht ausrutscht, kaputtgeht oder vereinsamt.
Was tust du dagegen?
Ich gönne mir regelmässig Auszeiten. Verschwinde mit ein paar Freunden irgendwohin auf dieser Welt. Wobei das nicht mehr so einfach ist: Ich war beruflich schon fast überall, daher erinnern mich die meisten Orte an meinen Job. Am besten gefällt es mir auf Hawaii oder in Australien. Dort sind die Strände herrlich und die Wirklichkeit scheint ganz weit weg. Einmal wurde mir alles derart zu viel, dass ich sofort nach Japan flog und mich in einem Zen-Kloster versteckte.
Wie lange?
Fünf Tage. Ich durfte mit niemandem sprechen. Das war extrem.
Kannst du denn bei deinem Leben überhaupt einen Freund haben?
Das ist fast unmöglich. Nicht nur wegen des Jobs, sondern auch weil ich generell ein schwieriger Mensch bin. Ich habe eine grosse Unruhe in mir, will viel sehen, nichts verpassen. Das lässt sich kaum vereinbaren mit einer festen Beziehung. Aber vielleicht werde ich irgendwann ja auch ruhiger. Wie ist es eigentlich bei dir? Du bist ja seit kurzem frisch liiert.
Ich frag mich manchmal selber, woher ich die Zeit für einen Freund nehme. Aber es scheint zu funktionieren.
Ist es nicht riskant, sich im Miss-Jahr zu verlieben? Bist du sicher, dass er dich gern hat, weil du Amanda bist und nicht Miss Schweiz?
Oh ja. Zwischen Matthias und mir hat es sich ganz natürlich entwickelt. Wir trafen uns im Flugzeug nach Südafrika. Ich hatte dort einen Job, er flog in die Ferien. Er hat mich nicht als Miss betrachtet. Und dieser Titel ist ihm auch heute nicht wichtig.
Genau so muss es sein.
Wirst du auf der Strasse eigentlich oft erkannt?
Ja. Damit hatte ich zu Beginn auch echt Mühe. Alle tasten einen ab mit ihren Blicken, man fühlt sich permanent wie im Schaufenster. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, also stört es mich auch nicht mehr. Als Miss Schweiz muss es ja noch viel extremer sein.
Ich muss sogar im Ausgang Autogramme geben. Zum Glück habe ich die Menschen gern.
Ich bin ein sehr introvertierter und scheuer Mensch. Ich schaue auch nicht gerne Bilder von mir an. Am schlimmsten ist es, wenn ich mich im Fernsehen sehe. Da stelle ich immer gleich ab.
Findest du dich manchmal auch hässlich?
Oh ja. Es gibt Fotos von mir, da denke ich: Jesses, was ist denn das für ein Schlumpf?!
Nach meinem Miss-Jahr will ich wieder ein etwas geregelteres Leben führen. Machst du dir Gedanken über die Zeit nach der Modelkarriere?
Ja. Aber ich weiss noch nicht, wohin mich die Reise führt. Ich nehme neuerdings Schauspielunterricht.
Du willst Schauspielerin werden?
Ich glaube nicht. Schauspieler sind mir viel zu narzisstisch. Aber der Unterricht ist für mich wie Therapie. Mein Lebensziel ist es, die ultimative Freiheit zu erlangen. Auch was die Arbeit mit meinem Körper betrifft. Damit ich das erreiche, muss ich möglichst viel ausprobiert haben.
Wir leben in einer komischen Welt. Mich dünkt manchmal, dass alles immer oberflächlicher wird. Hast du keine Mühe damit, dass wir genau das auch noch fördern?
Doch, natürlich. Aber es gab schon früher immer Helden, die angehimmelt wurden. Heute sind diese Helden halt Models oder Hollywood-Stars. Und man kann auch in dieser Rolle positive Werte vermitteln: Ich esse beispielsweise kein Fleisch und trage privat keinen Pelz. Vielleicht lässt sich davon jemand inspirieren. Und dann habe ich schon Gutes getan.
Zum Schluss noch etwas ganz Oberflächliches: Könnt ihr die Designerkleider, die ihr vorführt, eigentlich behalten?
Oftmals schon, ja. In New York gibt es extra Kleiderläden, wo Models ihre Stücke verkaufen. Da trifft man etwa Gisele Bündchen, die ihre Kleider von Dolce & Gabbana verhökert. Ich muss da auch wieder mal eine Ladung abliefern...