SwissAward: René Prêtre ist Schweizer des Jahres Der Sieger grüsste aus Mosambik

  • Publiziert: 10.01.2010, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Christiane Binder, Aurelia Forrer, Karin El Mais

René Prêtre ist voller Freude über seine Ernennung zum Schweizer des Jahres 2009. Seiner Vorgängerin Eveline Widmer-Schlumpf brachte der Preis nicht nur Glück.

Kein Showstar ist Schweizer des Jahres, kein bekannter Politiker: Mit einer klaren Mehrheit von 24,3 Prozent entschied sich das Schweizer Fernsehpublikum für einen «König der Herzen», der seine humanitäre Arbeit im Stillen tut: René Prêtre (52), Chefarzt der Herzchirurgie am Kinderspital Zürich.

Derzeit arbeitet er zusammen mit einem zwölfköpfigen Team für seine Stiftung «Le petit coeur» im afrikanischen Mosambik. Dort hatte er gestern drei kleine Patienten am Herzen operiert. Den Award nahmen stellvertretend die Leiterin der Fondation, Helene Faggionato, und seine Tochter Camille (24) entgegen. Ihre Hände zitterten: «Ich bin völlig überwältigt.»

Der sozusagen «zweitbeste» Schweizer des Jahres, der Skirennfahrer Didier Cuche (Stimmanteil 18,8 Prozent), war nicht traurig über das Silber: «Gegen so jemanden zu verlieren, ist eine Ehre.»

Auch die achte Verleihung des SwissAward war ein grosses Fernsehereignis mit vielen Prominenten. Typisch Schweiz eben: Hier ist Abstimmen keine lästige Pflicht, hier zieht man sich dafür die feinsten Kleider an.

Für Irritationen sorgten bei den Showacts nur die Auftritte von Michael von der Heide – sein Lied «Il pleut de l’or» («Es regnet Gold») war allzu ruhig. Hat er so Chancen am Eurovision Song Contest 2010 in Oslo? – und der Auftritt von Laura Pausini: Für alle im Saal war deutlich sichtbar, dass die erfolgreichste Sängerin Italiens ihren Text vom Teleprompter ablas.

Am Anfang gab Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf, die im vergangenen Jahr mit 70 Prozent zur Schweizerin des Jahres gewählt worden war, den Schweizern noch eine angenehme Hausaufgabe: Die Schweizerinnen und Schweizer sollten endlich mit der «Miesmacherei» aufhören – «wir machen es doch wirklich gut!». Auch wenn sie persönlich eine durchzogene Bilanz zieht: «Ich habe in meinem Amtsjahr als Schweizerin des Jahres auch viel einstecken müssen.» Aber es habe ihr viel Kraft und Freude gegeben, weiterzumachen.  

Camille: «Ich bin stolz auf dich, Papi!»

Welch ein Erfolg! Der neue Schweizer des Jahres kann seinen Sieg kaum fassen. Dabei ist sich René Prêtre (52) durchaus Überraschungen gewohnt. Täglich operiert der Herzchirurg am Kinderspital Zürich kleine Patientinnen und Patienten aus dem In- und Ausland. Mit seiner Stiftung «Le petit cœur» (Das kleine Herz) rettet er Leben in Mosambik. Dort hat er auch gerade von dem Sieg erfahren und ruft seine Tochter Camille auf dem Handy an – ein herzliches Vater-Tochter-Gespräch beginnt:

Camille Prêtre: Gratuliere zur Wahl als Schweizer des Jahres, Papi!
René Prêtre: Herzlichen Dank, Camille! Ich fühle mich so unglaublich geehrt. Aber um Gottes willen! was hast du mir da eingebrockt ...?

Camille Prêtre: Bist du jetzt überrascht?
René Prêtre: Ich hätte niemals damit gerechnet, dass ich gewinne! Nie!

Camille Prêtre: Ich bin so stolz auf dich, Papi! Wenn du wüsstest, was da im Hallenstadion gerade los ist! Du fehlst hier.
René Prêtre: Ich komme nächste Woche zu euch nach Hause und dann werden wir feiern!

Camille Prêtre: Ich verstehe dich kaum. Was ist dieser Lärm im Hintergrund?
René Prêtre: Das sind mein Team und meine Freunde – wir sind hier bereits am Feiern.

Nun hängt Camille auf – sichtlich voller Stolz auf ihren Vater.

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