Der heilige Stress

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Ashana Amtsfeld

Für Christoph Blocher ist der Westschweizer Rapper Andreas Andrekson alias Stress ein rotes Tuch. Für seine Fans und seine Frau Melanie Winiger ist der Poet der Hip-Hop-Szene ein Kämpfer für Gerechtigkeit, Umwelt, christliche Werte. Der Genfer Starfotograf Nicolas Righetti setzte den Musiker in Szene.

SonntagsBlick Magazin: Dein letztes Album handelte überraschenderweise hauptsächlich vom Umweltschutz. Geht es jetzt auch bei deinem neuen, «Des rois, des pions et des fous», um ein bestimmtes Thema?
Stress:
Eigentlich habe ich es nie darauf angelegt, eine Klammer für meine Alben zu finden. Ich glaube allgemein daran, dass Musik eine Aussage haben muss. Ich persönlich glaube, dass man mit Musik viel bewegen kann. Ich setze mich kritisch mit meiner Umwelt auseinander und das wollte ich auch in meinen Texten widerspiegeln.

Warum rappst du eigentlich nicht auf Englisch?
Hip-Hop ist etwas, das sich leicht und gut anfühlen sollte. Wenn ich Amerikaner wäre, dann würde es mir leichtfallen, auf Englisch Musik zu machen. Aber da ich nun einmal mit der französischen Sprache aufgewachsen bin, habe ich entschieden, dass ich in der Sprache singen möchte, die ich jeden Tag benutze.

Was aber auch heisst, dass du einen grossen Teil des Publikums ausschliesst. Auf den internationalen Märkten ist französischer Hip-Hop nicht so gefragt wie englischer. Du könntest vielleicht erfolgreicher sein.
Ich bin sicher, dass Schweizer Musiker auch im Ausland eine wichtige Rolle spielen. Wir leben zwar in einem sehr kleinen Land, aber die Qualität ist ausgesprochen hoch. In den nächsten Jahren wird es bestimmt immer mehr Leute geben, die auf den internationalen Märkten gefragt sein werden. Egal, in welcher Sprache sie singen.

Zurzeit bist du allerdings noch einer der wenigen Schweizer Musiker, die tatsächlich von ihrer Musik leben können. Machen die anderen etwas falsch?
Es ist wirklich nicht einfach. Aber ich bin jeden Tag echt dankbar. Denn es gibt nichts, das ich lieber machen möchte. Ein wenig Glück gehört natürlich dazu, aber in erster Linie kann ich davon leben, weil ich Tag für Tag hart dafür arbeite. Falsch machen die anderen sicher nichts. Es ist eben ein kleiner Markt. Wichtig ist, sich selbst treu zu bleiben und an sich zu glauben. Der Rest kommt irgendwann von allein.

Ein kleiner Markt, ein kleines Land, praktisch jeder kennt jeden. Ist es manchmal nicht auch komisch, so in der Öffentlichkeit zu stehen?
Mein Beruf macht mich zu einer Person, die von der Öffentlichkeit lebt. Also muss ich selbstverständlich dort auch präsent sein. Natürlich möchte auch ich mal Ferien haben oder einen freien Tag, der nur mir gehört. Aber grundsätzlich weiss ich genau, was ich mache und wovon ich lebe. Und ich bin dankbar für jede Anerkennung.

Aus dem Song «Tous les Mêmes feat. Karolyn»

«Grande gueule et petit zizi, tout est toujours trop pour lui. Tous, ils sont tous les mêmes...»
«Grosses Maul und kleiner Schwanz, alles ist ihm immer zu viel. Alle sie sind alle gleich...»

Aus dem Song «Shoote!»

«Mais tant que leurs affiches racistes recouvriront nos rues, faut qu’ils sachent qu’ici comme Kery James «Le combat continue»
«Aber solange rassistische Plakate unsere Strassen säumen, müssen sie wissen, dass hier wie bei Kery James der Kampf weitergeht»

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