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SonntagsBlick besuchte Polo Hofer (64) dort, wo sich der Troubadour der Nation am liebsten aufhält: am Schiffssteg von Oberhofen BE, vor der imposanten Nordküste des Thunersees.
In deinem Lied «Arsch-LO.ch» auf dem neuen Album «Prototyp» kommt das A-Wort in drei Minuten zwölf Mal vor.
Das singe nicht ich allein! Pfeuti...
Marco Pfeuti alias Gölä...
...hat tatkräftig mitgesungen.
Wie kam es dazu?
Wir brauchten für die «Arschloch»-Passagen ein Chörli. Und weil Pfeuti gerade im Studio war, wo wir etwas Gemeinsames machten, fragte ich ihn. Er war begeistert!
An wen wendet sich der Song?
Das Lied habe ich den Autorasern gewidmet. Es handelt von diesen Verkehrs-Taliban, die ihr Auto wie eine Waffe benutzen.
Das ärgert dich, obwohl du keinen Führerschein hast?
Ich hatte die Wahl: entweder Auto oder Alkohol. Da habe ich mich für Letzteres entschieden. Übrigens haben Bekannte von mir wegen einem von denen ein Kind verloren. Aber lassen wir das Thema.
Würdest du persönlich jemanden als Arschloch bezeichnen?
Ja, wenn er für mich lebensbedrohlich wird... Übrigens bezeichnen auch mich viele Leute als Arschloch. Dieses Schimpfwort wird ja auch an die Adresse des Schweizer Bankwesens ausgeteilt.
Aha, die Banker also...
Genau. Furchtbar, wie die in der Krise alles beschönigen. Dabei liegt alles im Argen. Aber die Boni laufen trotzdem weiter, auch einen Lohndeckel gibt es nicht.
Polo, der Held, der gegen die Abzocker kämpft. Ein besseres Image kannst du nicht haben!
Ich kämpfe gar nicht, ich könnte auch nichts ausrichten. Abgesehen davon habe ich mir mit meiner Art nicht nur Freunde gemacht.
Und durch deinen Lebensstil.
Ich stand schon viermal wegen Aufforderung zum Cannabis-Konsum vor Gericht, wurde aber jedesmal freigesprochen.
Geniesst du ab und zu einen Joint?
Ach, Hanf wird doch völlig zu Unrecht verdammt.
Seit deine Bauchspeicheldrüse wieder funktioniert, sollte dein Arzt zufrieden sein.
Auch ich bin zufrieden. Nach meiner Erkrankung musste ich einige Pläne auf Eis legen.
Was hast du noch für Pläne?
Morgen koche ich.
Was kocht Polo Hofer?
(Zu seiner Frau Alice, die neben ihm sitzt): Hasi, was koche ich morgen? (Sie): Ein Crawfish-Etouffée – Krebsschwanz, kreolische Art.
Irgendwelche grössere Pläne? Überall liest man, «Prototyp» sei dein letztes Album.
Das habe ich nie gesagt! Ich habe schon das nächste in Planung. Noch dieses Jahr beginne ich.
Dabei hättest du das nicht mehr nötig. Bald wird in Interlaken der Ammann-Hofer-Platz eingeweiht, der auch nach dir benannt ist. Wie verhindert man da, dass man abhebt?
Indem man Birkenstock trägt. Meine Reverenz an Woodstock.
Das Woodstock-Festival im US-Bundesstaat New York vor 40 Jahren. Wo warst du damals?
Keine Ahnung. Ausserdem hat mich die Mondlandung im selben Jahr um einiges mehr fasziniert.
Bist du nicht eher Hippie als Astronaut?
Klar. Und skeptisch bin ich auch immer noch. Mein Lied vom «letschte Hemmli» ist ein Song gegen Materialismus und Besitzdenken.
Hochpolitisch also. Was wären denn da die Handlungsmöglichkeiten?
Interessant ist, was die Piratenpartei fordert: dass alles im Internet gratis ist.
Das sagst du als Musiker?
Stimmt, dann wäre ich am Arsch.
Doch materialistisch?
Ach nein, ich halte es eher mit dem Buddhismus...
Also religiös?
Das nicht. Ich trat mit 18 aus der Kirche aus. Und ich bin vor allem Agnostiker. Mit dem Buddhismus sympathisiere ich nur.
Wie äusserst sich das in deinem Alltagsleben?
Ich weiche jeder Fliege aus. Fleisch esse ich aber. Und an die Wiedergeburt glaube ich auch nicht.
Was würde auf deinem Grabstein stehen?
«Er war ein Mann wie ein Baum. Sie nannten ihn Bonsai.»
Deine Frau entwirft Särge. Ist deiner schon gemacht?
Ich brauche keinen Sarg. Ich sage nur: vom Winde verweht. Meine Asche soll verstreut werden.
Wo?
(Zeigt auf den Niesen) Dort oben.
Jetzt haben wir einen Teil deiner «Polosophie» kennengelernt. Was sind deren Grundsätze?
Ich halte es mit der Farbenlehre: grün denken, rot wählen, schwarz verdienen, blau laufen.
Prost!