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«Es war Liebe auf den ersten Blick, als ich meinen Mann Daniel (47) vor dreissig Jahren am Luzerner Gymnasium kennenlernte. Wir waren beide jung. Sehr jung – süsse siebzehn Jahre alt. Schnell wurden wir ein Paar, nach drei Jahren war ich mit unserem ältesten Sohn Ari (heute 26) schwanger. Ein Schock für unsere Eltern – ich brach die Schule ab. Daniel und ich heirateten. Ab diesem Moment war ich zu hundert Prozent für meine junge, kleine Familie da.
Dabei hatten mein Mann und ich ganz andere Pläne: Wir wollten studieren, Karriere machen. Das konnten wir nun vergessen – aber das Leben ist ein Kompromiss. Ich hielt meinem Mann den Rücken frei, war Hausfrau. Wir bekamen drei weitere wunderbare Kinder: Jan (22), Seraina (20) und Norina (17).
Daniel und ich erzogen unsere Kinder dazu, ehrlich zu sich und anderen zu sein. Sie sollten ihre Träume verwirklichen – mein Janosch, wir nennen Jan seit Kindstagen so, hat seinen am Samstag mit dem Mister-Schweiz-Titel wahrgemacht.
Meinen langgehegten Traum habe ich letzten Sommer verwirklicht: Ich verliess meine Familie in Buchrain LU und zog ins Bündneroberland nach Ruschein. In dem 360-Seelendorf pachtete ich heute allein einen Hof. Dort fand ich mein Glück. Ich wollte noch mehr, als ‹nur› Mutter sein. Jetzt lebe ich mit dreissig Schafen und vier Border Collies, mein Ziel ist, als Selbstversorgerin leben zu können. Dazu muss sich mehr Land pachten. Der Hof ist klein und bescheiden – ich bewirtschafte 2,3 Hektar Land, wohne in einem Fünf-Zimmer-Häuschen im Dorf.
Es ist nicht nur ein idyllisches Dasein, trotzdem bin ich glücklich. Schon als Kind wusste ich, dass ich irgendwann einmal in den Alpen leben will. Dort bin ich hundert Mal glücklicher als in der Stadt oder am Meer.
Der Weg dorthin war nicht einfach. Der Gedanke wegzuziehen, reifte über Jahre. Ich sprach meinen Wunsch aber erst vor einiger Zeit in der Familie an. Die Kinder waren gross genug. Meine Familie war über meine Pläne nicht schockiert. Sie motivierten mich, wofür ich ihnen unendlich dankbar bin. Im Streit hätte ich sie nie verlassen können.
Wir sprachen stundenlang über die Konsequenzen, wenn ich weggehen würde, hielten über Monate hinweg am Sonntags-Brunch Familienrat. Weil wir so ausführlich darüber diskutierten, gab es nie einen Bruch in der Familie. Bei uns gab es zwar hitzige Diskussionen – aber nie einen richtigen Streit! Weil ich das Leben als Kompromiss sehe, verlangte ich nicht, dass mir meine Familie auf die Alp folgt. Das wäre sehr egoistisch gewesen.
Obwohl ich heute 170 Kilometer von meinem Mann Daniel entfernt lebe, ist er der Mensch, der mir am nächsten steht. Wir haben dreissig Jahre gemeinsam verbracht – niemand kennt mich so gut wie er. Vielleicht schieben wir deswegen eine allfällige Scheidung auf die lange Bank. Auch zu meinen Kindern habe ich täglich Kontakt, entweder über Facebook, telefonisch oder per SMS.
Mein Weg zum Glück war nicht einfach – aber stünde ich mit meinen heutigen Erfahrungen erneut in derselben Situation, würde ich sicher gleich handeln. Den Entscheid, nochmals von vorne anzufangen, habe ich bis jetzt noch keine Sekunde bereut.»