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Ihre langen blonden Haare sind vom Schnee durchnässt. Die Augen verdeckt sie hinter einer Sonnenbrille. Es ist 13 Uhr. Ganz in Schwarz gekleidet schreitet Brigitte Voss-Balzarini (49) bei minus fünf Grad die Treppe hoch zum kleinen Felsen, auf dem ihr langjähriger Lebenspartner Steve Lee († 47) mit bewegenden Worten gewürdigt wird.
Begleitet und gestützt wird die trauernde Ex-Miss-Schweiz von ihren beiden Töchtern Tatjana (15) und Isabelle (11) sowie den Gotthard-Band-Mitgliedern. Brigittes Lippen zittern, Tränen fliessen ihr über das von der Kälte gerötete Gesicht. Es ist unvorstellbar, was diese Frau durchmacht. Vor zwölf Tagen verstarb vor ihren eigenen Augen ihr liebster Mensch. Doch Brigitte ist nicht allein. Sie wird begleitet von gegen 3000 Fans, viele von ihnen sind sogar aus Holland, Italien und Belgien angereist, um von ihrem Idol Abschied zu nehmen. Alle sind gekommen, um Gotthard-Sänger Steve Lee, der am 5. Oktober in den USA tödlich verunglückte, ihre letzte Ehre zu erweisen. Seit jenem verhängnisvollen Tag versucht Brigitte, all das zu tun, was Steve Freude bereitet hätte.
Eine Frau, die den Mann ihres Lebens die letzten sieben Jahre vor allem eins machen wollte – glücklich! Zur Krönung ihrer Liebe wollten sie nächstes Jahr symbolisch heiraten. Auf der Mirihi-Insel, ein maledivisches Paradies, auf dem sie schon einmal unbeschwerte Wochen verbracht haben.
Jetzt steht Brigitte Voss-Balzarini am Gotthard-Hospiz, 2100 Meter über Meer, und sagt ihm Adieu. Die Indianerklänge im Gedenkzelt erinnern an eine Zukunft, die es für Steve und Brigitte nicht geben wird. Und doch hat sie in den letzten Tagen um Kraft, Liebe und Versöhnung gebeten: «Betet für den Truck-Fahrer», sagte sie nach ihrer Rückreise aus dem Death Valley, dem Tal des Todes. Nicht unweit davon entfernt, wo ihr Mann sein Leben liess (BLICK berichtete). Als gestern, 10 Uhr, das Gedenkzelt für den toten Gotthard-Sänger eröffnet wurde, war Brigitte schon auf dem Berg. Mit seinem besten Freund Flavio Hochstrasser (47) brachte sie die Urne an den Ort, der Steve so viel bedeutet hat. Vier Stunden später hielten die Kapuziner-Mönche, Bruder Marzell und Fratello Edi, auf dem Felsen eine halbstündige Abschieds- und Gedenkrede.
Die Angehörigen von Steve legen je eine weisse Rose auf den Felsen. Unter den Augen von den ganz ruhig vereinten Fans. Es erklingt die Hymne «One Life, One Soul», die Steve Lee 1997 mit Operndiva Montserrat Caballé (77) gesungen hat. «Danke für alles, Steve», sagt Good- News-Gründer André Béchir (60), der unzählige Konzerte mit Gotthard organisiert hat.
«Du musst jetzt viel Kraft haben», rufen einige weibliche Fans Brigitte zu, als sie die schneebedeckte Felstreppe nach unten beschreitet. Mit den Hinterbliebenen, den überlebenden Bikern des Unfalls und den Band-Mitgliedern zieht sie sich in den Raum über dem offiziellen Gotthard-Museum zurück. Eine Stunde lang bleiben sie unter sich. Derweil füllen Fans den Gedenktisch im Zelt zu einem Meer aus Trauerkerzen, Rosen, Briefen und Fotos von Steve und kleinen Engelsfiguren.
Mittendrin liegt eine Fotocollage. Brigitte hat sie für ihren Steve zusammengestellt. Sie zeigt eine Wüstenlandschaft und die CD-Hülle von «Sacred Spirit II». Es ist die Indianermusik, die Brigitte und Steve vier Stunden vor dem Unfall noch gekauft haben. Aufgestellt sind auch Fotos von ihren Liebesferien auf einem Segelschiff vor der Insel Mirihi. Ein weiterer Traum von Steve, der unerfüllt bleibt: Zusammen auf dem eigenen Schiff die Welt zu umsegeln.
Nach Stunden in der eisigen Kälte auf dem Berg brachten Brigitte und Flavio Hochstrasser die Urne zurück ins Tessin. Für die Beisetzung im familiären Kreis in den nächsten Tagen.
Nach der berührenden Abschiedsfeier für Steve Lee sagte Brigitte Voss-Balzarini zu BLICK: «Ich fand es so wahnsinnig schön, dass so viele Menschen den Weg auf den eisig kalten Gotthard gemacht haben, um vom geliebten Steve Abschied zu nehmen. Wir haben uns alle gegenseitig Kraft gegeben.»