Die Schweiz verliert ihren wohl grössten Schauspieler. Aber Walo Lüönd († 85) bleibt unvergessen.
Er war der liebenswerte «Dällebach Kari» (1970) und der böse «Schweizermacher» (1978). Millionen liebten Walo Lüönd († 85) als grossen Schauspieler. Jetzt ist er nicht mehr. «Sein Tod kam für uns überraschend», sagt Walos Bruder Paul (86). Trotz eines Hirnschlags vor elf Jahren und einer Gallentumor-Operation 2010 sei es dem Volksschauspieler in letzter Zeit «ganz ordentlich» gegangen.
«Doch dann ist er in seinem Altersheim im Tessin schwer gestürzt, zog sich einen schweren Oberschenkelhalsbruch zu», so Paul Lüönd weiter. «Wenige Tage später ist er an einer Lungenentzündung im Spital von Locarno gestorben.»
Die Schweiz trauert um einen ihrer grössten Künstler. Mehr als ein halbes Jahrhundert hat Lüönd das Theater- und Kinopublikum verzaubert. Seine Schauspielkarriere wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. Schon sein Vater, ein Konditor, war im Laientheater eine Grösse. Als Kind organisierte Walo Zirkus-Freiluftaufführungen. An der Schauspielschule wurde ihm Talent attestiert. «Doch mit Ihrem Aussehen würden wir Ihnen raten, einen anderen Beruf zu ergreifen», hiess es. Was für ein Irrtum!
Walo Lüönd verbrachte mit Ehefrau Eva-Maria (75) seinen Lebensabend im Tessin. Schon seit 35 Jahren besassen die beiden ein Rustico im Maggiatal, die letzten Monate lebten sie aber vor allem in einer Altersresidenz. Bis zu seinem Unfall machte er täglich Spaziergänge, genoss schon vormittags eine Crèmeschnitte im Ristorante. Und las dazu den BLICK.
Sein Leben war voller Höhen und Tiefen. Vor 25 Jahren hatte sein erster Sohn Daniel († 30) Selbstmord begangen. Seither hatte Walo Lüönd Angst vor dem Tod. In seinem letzten grossen Interview anlässlich seines 85. Geburtstags sagte Walo Lüönd im April, dass es ihm gesundheitlich gut gehe: «Ich habe zum Glück keine grossen Beschwerden. Einzig das Laufen macht mir etwas Mühe.»
Lüönd hatte damals noch einen grossen Traum: Zum letzten Mal in einem Film mitzuspielen! «Eine Anfrage für ein Filmprojekt, das nächstes Jahr realisiert werden soll, ist da», sagte er. Dieser Traum wird nun nicht mehr wahr.
Am Dienstag wurde Walo Lüönd heimlich in Untersiggenthal AG bestattet. Er starb bereits am Sonntag, 17. Juni. Nur gerade elf Freunde und Verwandte waren bei der Beerdigung anwesend. «Es war ein sehr bewegender Abschied», sagt Bruder Paul. «Wir gönnen ihm nun die Ruhe vom irdischen Leben.» Anwesend war auch sein zweiter Sohn, Elektrotechniker Oliver Lüönd (54).
Ein Testament hatte er an seinem 85. Geburtstag im April noch nicht gemacht, sagte dazu einzig: «Vielleicht befasse ich mich zu wenig mit dem Tod.» Nun ist er gegangen. «Am liebsten würde ich einschlafen und nicht mehr erwachen», sagte er einst. Und genauso ist er jetzt gestorben.
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