Walo Lüönd – 1927-2012 Dällebach-Kari wird niemals sterben

Die Schweiz verliert ihren wohl grössten Schauspieler. Aber Walo Lüönd († 85) bleibt unvergessen.

  • Publiziert: 28.06.2012
  • Von Peter Padrutt und André Häfliger

Er war der liebenswerte «Dällebach Kari» (1970) und der böse «Schweizermacher» (1978). Millionen liebten Walo Lüönd († 85) als gros­sen Schauspieler. Jetzt ist er nicht mehr. «Sein Tod kam für uns überraschend», sagt Walos Bruder Paul (86). Trotz eines Hirnschlags vor elf Jahren und einer Gallentumor-Operation 2010 sei es dem Volksschauspieler in letzter Zeit «ganz ordentlich» gegangen.

«Doch dann ist er in seinem Altersheim im Tessin schwer gestürzt, zog sich einen schweren Oberschenkelhalsbruch zu», so Paul Lüönd weiter. «Wenige Tage später ist er an einer Lungenentzündung im Spital von Locarno gestorben.»

Über 50 Jahre Schauspieler

Die Schweiz trauert um einen ihrer grössten Künstler. Mehr als ein halbes Jahrhundert hat Lüönd das Theater- und Kinopublikum verzaubert. Seine Schauspielkarriere wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. Schon sein Vater, ein Konditor, war im Laien­theater eine Grös­se. Als Kind organisierte Walo Zirkus-Freiluftaufführungen. An der Schauspielschule wurde ihm Talent attestiert. «Doch mit Ihrem Aussehen würden wir Ihnen raten, einen anderen Beruf zu ergreifen», hiess es. Was für ein Irrtum!

Walo Lüönd verbrachte mit Ehefrau Eva-Maria (75) seinen Lebensabend im Tessin. Schon seit 35 Jahren besassen die beiden ein Rustico im Maggiatal, die letzten Monate lebten sie aber vor allem in einer Altersresidenz. Bis zu seinem Unfall machte er täglich Spaziergänge, genoss schon vormittags eine Crèmeschnitte im Ristorante. Und las dazu den BLICK.

Angst vor dem Tod

Sein Leben war voller Höhen und Tiefen. Vor 25 Jahren hatte sein erster Sohn Daniel († 30) Selbstmord begangen. Seither hatte Walo Lüönd Angst vor dem Tod. In seinem letzten gros­sen Interview anlässlich seines 85. Geburtstags sagte Walo Lüönd im April, dass es ihm gesundheitlich gut gehe: «Ich habe zum Glück keine grossen Beschwerden. Einzig das Laufen macht mir etwas Mühe.»

Lüönd hatte damals noch einen grossen Traum: Zum letzten Mal in einem Film mitzuspielen! «Eine Anfrage für ein Filmprojekt, das nächstes Jahr realisiert werden soll, ist da», sagte er. Dieser Traum wird nun nicht mehr wahr.

Beerdigung im kleinen Rahmen

Am Dienstag wurde Walo Lüönd heimlich in Untersiggenthal AG bestattet. Er starb bereits am Sonntag, 17. Juni. Nur gerade elf Freunde und Verwandte waren bei der Beerdigung anwesend. «Es war ein sehr bewegender Abschied», sagt Bruder Paul. «Wir gönnen ihm nun die Ruhe vom irdischen Leben.» Anwesend war auch sein zweiter Sohn, Elektrotechniker Oliver Lüönd (54).

Ein Testament hatte er an seinem 85. Geburtstag im April noch nicht gemacht, sagte dazu einzig: «Vielleicht befasse ich mich zu wenig mit dem Tod.» Nun ist er gegangen. «Am liebsten würde ich einschlafen und nicht mehr erwachen», sagte er einst. Und genauso ist er jetzt gestorben.

Alle Kommentare (14)

  • Martial  Callair , Aargau
    Ein grossartiger Schauspieler. Mit Dällebach Kari war das der beste schweizer Klassiker allerzeiten. Wir hoffen dieser fantastischen Film wieder demnächst sehen zu können!
    • 29.06.2012
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  • Stefanovic  Wudric , Thurgau Düd
    Schon wieder ist eine Persönlichkeit gestorben. Kurt Felix, Otto Inneichen, Walter Oderer... Schade...
    • 28.06.2012
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    • Daniel  Bürgin , Ettingen , via Facebook
      Es sterben jeden Tag ganz viele Persönlichkeiten. Nur sind halt nicht alle in der Öffentlichkeit bekannt!
      • 28.06.2012
      • als Kommentar auf Stefanovic  Wudric , Thurgau Düd
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  • Peter  Kuster
    Ich traf Walo Lüond als Kind im Do it, der damals an der Zugerstrasse in Baar war, an der Kasse. Ich sehe ihn noch heute vor mir und er war sehr nett zu allen. Der Bodmer, den er im Schweizermacher miemte, ist unübertroffen.
    • 28.06.2012
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  • Joe   Friedli
    wieso sterben im Spital so oft Menschen an einer Lungenentzündung, wenn sie wegen was ganz anderm hospitalisiert wurden? Was stimmt mit den Spitäler nicht, dass man dort eine Lungenentzündung bekommt? ?????
    • 28.06.2012
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    • Albert  Knoll
      Alte Menschen sind nicht mehr so viren- und bakterienresistent wie Junge. Den Spitälern kann man keinen Vorwurf machen. Die totale Sterilität gibt es nur im Labor. Ich trauere um Walo Lüönd. Er und seine Filme werden unvergessen bleiben. Das war Unterhaltung auf höchster Ebene.
      • 28.06.2012
      • als Kommentar auf Joe   Friedli
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    • Claudia  Boesch
      Hat mit dem Alter und der Belüftung der Lunge zu tun. Man kann nicht einfach jeden an Sauerstoff hängen und mit Druck beatmen. Man kann sie nur auffordern und Übungen machen.
      • 28.06.2012
      • als Kommentar auf Joe   Friedli
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    • Heidi  Keller , Zürich
      Die Lungenentzündung ist die Reaktion eines geschwächten Körpers, sei es duch Viren Aids, Unfall oder Operationen wie bei Walo Lüönd. Das Abwehrsystem bricht zusammen und die Antibiotika wirken nicht mehr gegen die Lungenentzündung, die Organe stellen ihre Funktion langsam ein. Traurig aber es ist so, das Spital kann da nichts dafür. Man darf sich höchstens fragen, weshalb ein Mann in einer Altersresidenz für die er sicherlich ordentlich zahlen musste hinfällt und sich den Oberschenkelhals bricht.
      • 28.06.2012
      • als Kommentar auf Joe   Friedli
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    • Guido  Infanger
      Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sind anfälliger für Lungenentzündungen. Altere Menschen haben in der Regel nicht mehr so ein starkes Immunsystem. So eine Verletzung strapaziert das Immunsystem zusätzlich. Sodass schon der kleinste Infekt eine Lungenentzündung hervorrufen kann. Das hat mit dem Spital¨überhaupt nichts zu tun. Nur so zur Info
      • 28.06.2012
      • als Kommentar auf Joe   Friedli
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  •   nathalie baumann , bern
    Mit 85 kann der Tod doch eigentlich nicht "überraschend" kommen. Wie alt sollen denn wir Menschen werden? Aber es kann sehr schmerzlich sein.
    • 28.06.2012
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