Der Junge und der Alte. Zwei neue Fernsehgesichter am Samstag in unseren Wohnzimmern Beim ersten Mal tats noch ein bisschen weh …

Gleich zwei Premieren gab es gestern im Fernsehen: SF verzichtete erstmals auf die Ausstrahlung von «Wetten, dass ..?», schickte dafür den jungen Nicolas Senn ins Rennen. Im ZDF anderseits feierte Markus Lanz seinen Einstand. Wer war besser?

  • Publiziert: 07.10.2012

Nicolas Senn

Der HSG-Wirtschaftsstudent wurde 1989 in St. Gallen geboren und lebt in Gais AR. Seine Liebe zur Musik ist legendär: Schon als Vierjähriger spielte er – inspiriert von den Appenzeller Alderbueben – auf dem Hackbrett. Mit diesem Instrument gab er schon auf der ganzen Welt Konzerte, spielte etwa auf dem 5895 Meter hohen ­Kilimandscharo, ging auch mit Rapper Bligg (36) auf Tour. Seit August moderiert Senn «Potzmusig», die Nachfolgesendung von «Hopp de Bäse» mit Kurt Zurfluh (63).
 

Die Eröffnung: Kamera zoomt von weit oben herab ins Publikum zu den Fahnenschwingern auf der Bühne. Moderator Nicolas Senn hüpft heraus, begrüsst Publikum und TV-Fans zu Hause etwas spröde auf Schweizerdeutsch: «Grüezi mitenand und herzlich willkommen!»

Das Outfit: Senn kommt in Schwarz-Weiss daher, ohne einen einzigen Farbtupfer. Dunkler Anzug, weisses Hemd, schwarze Hochglanz-Schuhe. Pochettli im Revers, Brosche am Kragen, breiter Gurt an der Hose. Na ja.

Die besten Sprüche: «Die Sprache der Musik versteht man überall», gibt Senn von sich. Ein Sprücheklopfer ist der junge Moderator (noch) nicht. Ein lockerer Seitenhieb zu seinem Lieblingsfussballklub, dem FC St. Gallen, der gestern Abend gegen Lausanne spielte? Fehlanzeige!

Gastgeber-Qualität und Gäste: Der Moderator könnte lockerer sein. Eine spontane Umarmung gibt es nicht. Trotzdem spart das Pub­likum nicht mit Beifall. Florian Ast, Lisa Stoll, Kliby und Caroline sind die bekanntesten Gäste, Martina Linn, die englisch jodelt, eine Entdeckung.

Action-Qualität: Der Wettbewerb der neuen Show hat Potenzial: Es wird der «Viva-Tüftler», der originellste Instrumenten-Bauer, gesucht. Ein lustiger Vorschlag – mit einem Gewinner: Oliver Lüttin mit seinem riesigen Waldbaum.

Witz-Qualität: Humor kommt zu kurz. Für Lacher sorgte einzig Kliby. So richtige ­Lachanfälle wird wohl kein Zuschauer gehabt haben. Bis zum Schluss bleibt alles schön und brav. Genaustens eingeprobt und vorgetragen. Für Spontanität fehlt Moderator Senn noch die Routine.

Skandal-Faktor: Gleich null! Der Jungmoderator hat zweifelsfrei Talent, lässt sich aber nie auf irgendwelche Äste hinaus. Müsste sich Nicolas Senn gegen einen Skandal versichern, wäre die Prämie gratis.

Résumé: Senn moderiert korrekt. Brav wie ein Schulbub vor dem Samichlaus zeigt er praktisch keine Emotionen. Er muss mehr Gas geben. Potenzial hat er!

Markus Lanz

Bis der Südtiroler Fernsehmann mit italienischer Staatsbürgerschaft Deutschlands erfolgreichste Sendung «Wetten, dass ..?» moderierte, war es ein langer Weg. Markus Lanz ­begann während seines Stu­diums als Moderator des Heimat­senders ­Holiday Radio. Inzwischen ist er der beliebteste ZDF-Talker. Lanz ist bodenständig geblieben, führt einen Bauernhof in seiner alten Heimat und fotografiert aus Leidenschaft. Er war mit der Moderatorin Birgit Schro­wange verheiratet (ein Sohn), lebt ­inzwischen in zweiter Ehe mit der Deutsch-Japanerin Angela Gessmann.
 

Die Eröffnung: Michael Schumacher chauffiert Lanz im Taxi zu «Wetten, dass ..?» – als Show-007. Die ersten Worte: «Herzlichen Dank!», dann Handshake mit Legende Frank Elstner. Erster Satz: «Ich bin Markus Lanz, ich bin der Neue!» Bescheidene Grösse!

Das Outfit: Wohlgebräunt, schwarzer Anzug, offenes Hemd. Etwas überkandidelt die neue Bühne mit rollender Sofaecke. Lanz hat einige Orientierungsprobleme auf der Giga-Szene, lebt sich aber ein.

Die besten Sprüche: Lanz ist kein Sprücheklopfer, lässt lieber die Stars reden, balanciert zwischen dem Journalisten und Showmoderator. Die geschriebenen Gags der Redaktion für Lanz und Cindy aus Marzahn sind grottenschlecht!

Gastgeber-Qualität und Gäste: Die Stars kommen mit den Wettkandidaten von der Treppe. Lanz begrüsst sie per Handschlag. Manchmal vergisst er das Moderieren, holt Jennifer Lopez nicht von der Bühne ab. Angenehm nach Gottschalks Ego-Show.

Action-Qualität: Lanz fiebert mit: Ein Kandidat schiesst auf einer Slackline Tore mit Fallrückzieher (scheitert), ein Ruder-Achter zieht ein Wakeboard (gewinnt). Highlight: Lanz verliert bei Liegestützen mit Bierkästen.

Witz-Qualität: Lanz ist noch Talkmoderator. Vorteil: Seine Gäste kommen (anders als bei Gottschalk) auch mal zu Wort. Nachteil: Witze gibt es nur auf den Moderationskarten – und die sind miserabel.

Skandal-Faktor: Saalwette: Gast-Stadt Düsseldorf soll mit Nackten das Vereinslogo des Fussballclubs nachstellen. Selbst Campino («Tote Hosen») will sich ausziehen. Sittsamer Skandal.

Résumé: Lanz ist noch nicht zu Hause. Aber nach Gottschalk bringt er wieder Spontanität in die Sendung. Manchmal wundert er sich, dass er selbst da ist. «Wetten, dass ..?» ist auf einem neuen, spannenden Weg.

Beliebteste Kommentare

  • Lilo  Schmid , Istighofen-Moos
    Ich bin wahrlich kein Volksmusikfan. Aus Neugierde habe ich die Sendung mit Nicolas Senn eingeschaltet und war mehr als überrascht, wie vielfältig, spannend und unterhaltend diese Sendung war. Auch hat mir Nicolas Senn als Moderator sehr gefallen. Er ist so bodenständig und ehrlich, ohne Allüren. Und dann nebst der Moderation auch noch Solo zu spielen, das macht ihm höchstens noch Nick Hartmann nach. Chapeau!!!
  • André  Hintermann , Hitzkirch , via Facebook
    Na ja, Wetten Dass ist so langweilig wie mit Gottschalk, nur Palaver auf dem Sofa und wenige Wetten. Diese Sendung braucht es nicht mehr...

Alle Kommentare (28)

  • Noel  Manuel , via Facebook
    Schade, dass SF "Wetten dass?..." gekippt hat wie alle Sendungen. Anstelle bringen sie eine Jodel Show wo nur extrem Volksmusiker berücksichtigt werden. Seit Trütsch und Leonard ist die TV Landschaft in der Schweiz ausgeödet.
    Noel Manuel
    • 07.10.2012
    • 8
    • 14
  • La  Müller , Bern
    Endlich kann ich nach jahrelanger Abstinenz wegen M.Hunziker wieder "Wetten, dass ..?" schauen! Markus Lanz machte seine Sache sehr gut und für einmal fand ich Cindy aus Marzahn sogar bezaubernd!
  • Peter  Corrodi
    Beide Sendungen waren einfach nur langweilig. Wetten dass ist und bleibt schlecht und ist einfach auch mit einem neuen Konzept und neuem Moderator nicht mehr zu retten. Es fehlt einfach an einem interessanten Konzept. Die Einschaltquoten werden in Zukunft bei beiden Sendungen in den Keller fallen.Es ist ja klar, dass die erste Sendung immer die beste Einschaltquote hat weil die Leute neugierig sind. Aber das Konzept von Wetten dass ist einfach veraltet und dieses ewige Gequassel wird auch nichts mehr bringen. Der Entscheid vom SF Wetten dass nicht mehr zu übernehmen war goldrichtig und spart viel Geld. Uebrigen die Supertalent Sendung war spannend und unterhaltsam.
  • André  Portner
    Wir sind keine Fans von Ländlermusik und haben uns "Wetten dass" angeschaut und waren überrascht. Die Sendung kommt mit neuen Ideen daher und der Lanz hat das richtig gut gemacht, hat sich auf die Gäste eingelassen, sich selber aktiv beteilligt, Im Grossen und Ganzen eine gute Show und ganz sicher besser als das was man zuletzt von Gottschalk gesehen hat!
    Vorschlag an das Schweizer Fernsehen:
    Sendet in Zukunft Viva Volksmusik und Wetten dass. Die Sendung Viva Volksmusik muss ja nicht zwingend am gleichen Abend wie Wetten dass laufen. Und woher das Geld nehmen für beide Sendungen? Ganz einfach: Schmeisst den Eurovisions Song Contest aus dem Programm, das interssiert niemanden!
    Macht doch mal eine Umfrage unter den zahlenden Schweizer Zuschauern liebe "Leutschenbacher" und ihr werdet sehen, an Eurem "Gesangsverein Anlass" hat niemand Interesse!
    • 07.10.2012
    • 40
    • 5
  • Brigitte  Baumgartner , via Facebook
    Nicola Senn hat einmal mehr das Publikum überzeugt. Eine sehr gute und schöne Sendung. Ich denke das ist genau das was die Leute am Samstagabend wollen, Ländlermusik wie man das früher hatte und kannte. Bravo Nicolas Senn. Freue mich schon wieder auf die nächste Sendung mir Nicolas, er macht dies perfekt.Auch das Schweizerfernseh hat wahrscheinlich sein Talent gemerkt. Auch dafür ein Bravo.
    • 07.10.2012
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