Neue Talkshow in der Schweiz Sat.1 will ihm an den Kragen

  • Publiziert: 22.08.2007, Aktualisiert: 14.01.2012
  • von peter padrutt

ZÜRICH – In seinem neuen Buch schildert Roger Schawinski (62) seinen geplatzten Traum vom guten Fernsehen. Das macht den Ex-Sender stinksauer. Trotz allem: Schawi will wieder TV machen. Was halten Sie von seinem Comeback in der Schweiz? Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Diese Woche in einer Berliner Kneipe. Ein Mann schaut aufs «Zeit-Magazin», dann haut er sein Gegenüber an: «Sind Sie nicht der da auf der Titelseite?»

Ja, er ist es. Roger Schawinski. Der ehemalige Sat.1-Chef ist in Deutschland auch auf der Strasse ein Star, seit er ein lehrreiches Buch über Zicken, Zank und Zaster bei Sat.1 verfasste. «Spiegel», «Frankfurter Allgemeine», «Bild», «Süddeutsche», – alle schreiben über Schawis Buch. Es schnellte auf Platz 6 der Bestsellerliste.

Ausruhen auf den Lorbeeren? Nicht Schawinski. Nach sechs Jahren Bildschirm-Abstinenz ist Schawi wieder heiss auf Talken – in der Schweiz. «Meine Talkshow wird anders. Anders als jede andere in der Schweiz», sagt er zu BLICK.

Ringier-TV-Chef Hannes Britschgi (52) bestätigt, dass schon zwei Pilotsendungen aufgezeichnet wurden. «Rogers Reflexe waren sofort wieder da», schwärmt er. «Er war angriffig, frisch, brachte sein ganzes Repertoire.» Worum geht es im Talk? Britschgi vorsichtig: «Er verrät etwas über die Arbeitsmethoden von Journalisten.»

Wenn die Finanzierung klappt, könnte die Sendung schon im Winter im Schweizer Fenster von Sat.1 starten. Dort gibt es ihm gegenüber keine Ressentiments: «Der Schweizer Verwaltungsrat ist vom Projekt begeistert», sagt Britschgi. Schawinski: «Eigentlich ist mein Buch ja eine Liebeserklärung an Sat.1 und das Privat-TV.»

Jetzt fragen sich alle: Wen lädt der Medien-Pionier zuerst ein? Alexandra Neldel (31), Ottfried Fischer (53), Anke Engelke (41) oder Harald Schmidt (50)? Sie kommen alle in seinem Buch vor. Es würden die Fetzen fliegen.

So wie damals. Als Schawinski ein Buch von Psychologin Catherine Herriger (56) durchs Studio schmetterte – und viele heimlich applaudierten.

Auch wenn der Ex-Sat.1-Chef wieder in der Schweiz plaudert – die Wohnung in Berlin will er behalten. Seine Tochter Lea (10) besucht dort die Schule.

Alle sind sich einig: Es ist wichtig, dass Schawi möglichst schnell wieder talkt. Denn zur Arbeit im Haushalt taugt er definitiv nicht. Kürzlich wollte er das Bügelbrett seiner Frau zusammenklappen. Jetzt trägt Schawi am Finger einen dicken Verband.

Sat.1 will Schawi an den Kragen!

VON DOMINIK LOCHER

BERLIN – Schnappt Roger Schawinskis TV-Falle jetzt zurück? Sat.1 will seinem ehemaligen Boss an den Kragen.

Der Sender prüft rechtliche Schritte gegen die Insider-Berichte des Schweizers! Sprecherin Kristina Fassler nimmt in der «Bunten» kein Blatt vor den Mund. Verbreiten von Interna sei «menschlich arm». Sie sei «zutiefst enttäuscht» vom ihrem Ex-Boss. Und nicht nur Frau Fassler ist empört: «Die Sat.1 Kollegen sind allesamt einfach entsetzt.»

Und Schawi? Der verteidigt seine Offenheit charmant als «Liebeserklärung an Sat.1». Er sieht ein: So ein explosiver Schinken kann eine Laufbahn gefährden. Nur muss ihn das ja nicht mehr kümmern. «Da ich keine Karriere mehr machen muss, kann ich Klartext reden», kontert er in der «Bunten».

Sorgen wegen dem Zähnefletschen vom Ex-Sender macht er sich keine: Seine Anwälte hätten das Buch ja geprüft, so der Fernsehprofi. Und zum Schluss meint Schawi schelmisch: «Aber in einer Demokratie kann natürlich jeder klagen.»

So hielt Schawi die Stars bei Laune

ZÜRICH – In «Die TV-Falle» erzählt Roger Schawinski munter vom beschwerlichen Leben eines TV-Chefs.

Er beschreibt, wie er die Rendite von Sat.1 steigerte, kritisiert die «CSI-isierung» des TV durch US-Serien und schildert, wie er die Stars bei Laune halten musste.

Vor allem die Arbeit mit dem selbstbewussten Ottfried Fischer war schwierig. Damit die Fortsetzung des «Bullen von Tölz» doch noch zustande kam, musste Schawinski sogar an eine Biersause nach München fahren.

Schawinski schreibt: «Die Unsicherheiten des TV-Geschäfts und die Kurzfristigkeit der meisten Verträge sind ideale Nährböden zum Heranzüchten von neurotischen Persönlichkeitsstrukturen.» Und zugespitzt: «Die permanente Gefahr, aus dem Kreis der Privilegierten vertrieben zu werden, führt nur allzu leicht zu seelischen Verkrümmungen.»

«Die TV-Falle», Verlag Kein & Aber, Fr. 29.80.
play Roger Schawinski: Er ist heiss aufs Talken. (Keystone)

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