Premierenbesprechung René Polleschs «High (du weisst wovon)» im Zürcher Schiffbau

ZÜRICH - ZH - René Polleschs siebter Streich für das Zürcher Schauspielhaus heisst «High (du weisst wovon)». Die bunte Variété- und Zirkusshow mit Ensemble, Chor, Kamera, Mikrofon und viel Musik hatte am Samstag im Schiffbau Uraufführung.

Der 14-köpfige Frauenchor auf Verfolgungsjagd in der Zürcher Schiffbau-Halle. Das Stück «High (du weisst wovon)» von René Pollesch hatte am 7. Januar 2017 Uraufführung play
Der 14-köpfige Frauenchor auf Verfolgungsjagd in der Zürcher Schiffbau-Halle. Das Stück «High (du weisst wovon)» von René Pollesch hatte am 7. Januar 2017 Uraufführung Matthias Horn

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Eine langovale Rennbahn für artistisch-rhetorische Rundendrehereien und Verfolgungsjagden hat die Bühnenbildnerin Barbara Steiner in die Schiffbau-Halle gebaut. In der Mitte als integraler Teil davon zwei Zuschauertribünen, die sich den Rücken zukehren. Die eine hat Blick auf die eine Seite der Bahn, die zweite auf die andere.

Damit das geteilte Publikum jederzeit die ganze Handlung mitbekommt, hängen an beiden Längsseiten Leinwände. Eine Live-Kamera, geführt von Nicolas Vermot-Petit-Outhenin, überträgt die Bilder. Auf der Rennbahn unterwegs ist auch ein Mikrofon, mit dem Abdoul Aw Töne einfängt. Im akustisch guten Fall sind es Wörter, im besten ganze Sätze oder sogar Textfluten.

Gesprochen werden sie von einem vierköpfigen heftig getriebenen Ensemble (Hilke Altefrohne, Inga Busch, Marie Rosa Tietjen, Jirka Zett) und einem bewegungsfreudigen, synchron skandierenden 14-köpfigen Frauenchor, der als Resonanzkörper oder als Widerspruchsgesellschaft des Ensembles funktioniert.

Damit hat der 1962 geborene Berliner Zeitgeistforscher und Regisseur René Pollesch nichts Neues entwickelt. Er verharrt im Schema seiner letzten Zürcher Inszenierungen.

Geblieben ist auch der diskursive Charakter seiner geballten Textanlage. Alltägliche oder philosophische Thesen, Themen, Geschichten über Bedeutungen und Zufälligkeiten, über Picknick, Filmsets, Kinobesuche, Lotto, Denken und Sprechen bis hin zur Depression werden, soweit man sie akustisch versteht, sprunghaft erörtert, wiederholt, weitergesponnen, ad absurdum geführt, bis einem der Schädel brummt oder die Lider zufallen.

Reizvoll aber ist das Bühnenbild: diese Rennbahn, die eingebettet ist in ein buntes Zirkus- und Variété-Ambiente. Da leuchten Sterne, ein goldener Vorhang öffnet sich, bunte Riesenballone schweben an der Decke, und an den Wänden springen gemalte Löwen durch brennende Reifen oder über die Peitsche der Dompteuse.

Eine Augenweide sind auch die Kostüme von Sabin Fleck, die den Chor in schwarz-weiss gestreifte Overalls und später in pastellfarbene orientalische Chiffonkleider gewandet. Effekt heischend sind die Paraden, die Pollesch am Publikum vorbeiziehen lässt: ein Raubtierkäfig auf Rädern - zu Cat Stevens Hit «The Wind» - oder riesige aufgeblasene Comicmonster auf Fahrrädern. (SDA)

Publiziert am 08.01.2017 | Aktualisiert am 08.01.2017
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