Oligarchen-Domina

  • Publiziert: 23.11.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Helmut-Maria Glogger

Ein russischer Verleger erfüllte sich und seiner Frau den grössten Wunsch: Er engagierte Starfotografin Bettina Rheims und liess seine Frau Olga frivol ablichten.

Was schenkt ein russischer Milliardär seiner Frau, wenn sie bereits Villen in Moskau, London und an der Côte d’Azur besitzt? Er «kauft» ihr die berühmteste Fotografin der erotischen Welt. Und lässt seine Frau vor der Linse das spielen, was sie am liebsten tut: sich als peitschende Domina, französische Marquise oder frostige Venus in Pose zu werfen. Nackt!

Der Mann, der die Fotos bei der Pariser Star-Lichtbildnerin Bettina Rheims in Auftrag gab, heisst Sergej Rodionow. Er ist Oligarch, gehört zu den reichsten Russen, hat mit Banken und Medien Milliarden gescheffelt. Wobei der 47-jährige Moskowiter nur eine echte Obsession hat: seine Frau Olga. Ein Ex-Model mit Endlosbeinen und einem Busen, der unter dem Skalpell eines Chirurgen an Umfang gewonnen hat.

Privat nennt Rodionow seine Olga «meine Galatea» – einerseits griechisch für die «Milchweisse», andererseits eine Anspielung auf Pygmalion, der eine Statue so täuschend echt schuf, dass er sich in sie verliebte.

Kurz: Olga ist zwar eine vitale Russin, 34 Jahre alt und Mutter einer 13-jährigen Tochter, aber auch ein Kunstprodukt, das sich selbst zur Ikone stilisiert. So liess sie bereits für «Playboy» und «Penthouse» die Hüllen fallen, legte sich lasziv vor die Linsen von Helmut Newton und David LaChapelle.

In Szene setzen liess sich Olga diesmal in einem französischen Landschloss. «Nach den Ideen von Madame Rheims», wie sie betont. «Ich habe nur ihre Visionen umgesetzt.»

Natürlich ist sie keine Exhibitionistin, wie ihre Kritiker behaupten. «Ich bin nur stolz auf meinen Körper.» Und fügt an, ganz im Sinne aufgeklärter Postfeministinnen: «Ich zeige, dass eine reife Frau so wunderbar ist wie eine junge.»

Eigentlich war das Buch mit den Bildern nur für ihren Mann bestimmt. Der jedoch – ganz reicher Russe, der mit seiner Frau wie mit einer Trophäe angibt – entschied sich anders. Und gab dem Taschen Verlag die Chance, 1000 Exemplare von «The Book of Olga» zu verkaufen, 350 Euro das Stück.

Ob Ehefrauen-Report made in Russia oder ein Werk gehobener Pornografie: Die 154 Glanzseiten sind einer einzigen Frau gewidmet, sie sind eine Hommage und die öffentliche Darstellung einer Obsession in erotischen und sexuellen Inszenierungen des Luxus. Olga räkelt sich als Domina auf einem antik anmutenden Spiegel, während ein muskulöser Gespiele sie liebkost. Rodionowa schreibt mit einer Feder und roter Tinte auf ihre Haut, liegt an den Händen gefesselt in einem Bad. Selbst ihren Intimbereich ziert teurer Schmuck.

Natürlich. Es ist auch eine Kitschoperette in Bildern einer dekadenten Geldelite – wie sie sich nun wahrlich nicht nur in Moskau tummelt. So organisierte einst der reichste Waldbesitzer Deutschlands, der legendäre Fürst von Thurn und Taxis, für seine jugendliche Gattin Gloria ein Fotoshooting mit Helmut Newton. Der zögerte nicht, die breithüftige Adelige als Galionsfigur auf einer Luxusjacht vor Saint-Tropez abzulichten – gegen ein saftiges Honorar.

Kitsch, Kunst oder Porno? Für Catherine Millet, Pariser Kunstexpertin für Moderne Kunst und Chefredaktorin des Magazins «Art Press», ist das keine Frage. Nachdem Madame Millet mit «La vie sexuelle de Catherine M.» das expliziteste Buch über Sex veröffentlicht hatte, das jemals von einer Frau geschrieben wurde, war sie (natürlich gegen ein dickes Honorar) auch bereit, für «The Book of Olga» das Vorwort zu schreiben.

Und so lesen wir hier über Fotografin Rheims: «Sie hat es verstanden, doppeldeutige und zweifelhafte Momente zu zeigen, wie sie sind: rau und grob.»






The Book of Olga

Von Bettina Rheims, mit einem Vorwort von Catherine Millet. Taschen Verlag, 350 Euro. Limitierte Auflage: 1000 Exemplare

Top 3

1 «Der ESC schweisst uns zusammen» Sinplus-Bassistin Lisa hat sich in Baku...bullet
2 Todesfall Abschiedsfeier von Kurt Felix in St. Gallenbullet
3 Kurt Felix tot Am Ende war der Krebs stärker als die Liebebullet

People & TV